Zuschüsse erhoffen sich Vereine ja in der Regel unter anderem von ihren Kommunen. In Tutzing ging es am Wochenende anders herum: Da gab es einen Scheck für die Gemeinde Tutzing vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Der hat am Samstag seine schon lange angekündigte Tutzinger Ortsgruppe gegründet.
Gleich zum Auftakt wurde eine Radtour zu diversen Verkehrs-Brennpunkten unternommen. Start war am Rathaus, auf dem viele Hoffnungen der neuen Gruppe liegen. Bürgermeisterin Marlene Greinwald kam, begleitet von Gemeinderat Bernd Pfitzner, eigens aus einer Klausurtagung des Gemeinderats dazu, die gleichzeitig stattgefunden hat. Bei dieser Gelegenheit überreichte der ADFC-Kreisvorsitzende Anton Maier der Bürgermeisterin einen Scheck über 600 Euro.
An den Fahrradständern gab es einiges auszusetzen
Gedacht ist dieses Geld, das durch Spenden zusammengekommen ist, als Anschubfinanzierung zur dringend für erforderlich gehaltenen Verbesserung von Fahrradständern, so am Rathaus und am Bahnhof, bei dem anschließend die erste Station gemacht wurde.
An den Radständern neben dem Schönmoosweg wurden allerlei Problempunkte kritisiert: Die Halterungen seien zu hoch, so dass man den Drahtesel mühevoll emporhieven muss, die Abstände zwischen den Ständern seien zu gering, so dass man sich leicht beschmutze, wenn man sein Rad einstellt. Auch Rost an einem Rohr über den Ständen fiel auf. Vermisst wurde zudem ausreichende Beleuchtung. "Fahrradständer sollten komfortabel sein", kommentierte Maier.
Das Staatliche Bauamt ist auch für die Zufahrt zum Einkaufszentrum zuständig
Die Tour führte anschließend über den Bahnhof zum Einkaufszentrum an der Lindemannstraße, dessen Zufahrt oft als gefährlich kritisiert wird. Martin Held, der später zum Ortsgruppensprecher gewählt wurde, berichtete aber über deutliche Verbesserungen bei den Planungen für die Sanierung der Hauptstraße, in die dieser Bereich nun einbezogen werde. Das Staatliche Bauamt Weilheim sei dafür genauso zuständig wie für die Hauptstraße. Auch für die Bräuhausstraße und den Schönmoosweg gegenüber werden Optimierungen erwartet. Die Teilnehmer der Erkundungstour hoffen auf sichere Geh- und Radwege sowie Querungshilfen. Als Risikofaktor wurde schlechte Sicht durch die nahe Bahnunterführung bezeichnet.
Am Ende des Radwegs stehen Wegweiser für Radfahrer
Weiter ging es zum Kallerbach. Dort gab es Diskussionen über das abrupte Ende des relativ neuen Radwegs Kampberg-Tutzing und auch über die geplanten 70 neuen Wohnungen des Zweckverbands Wohnen: Entlang der Straße soll ein Fußweg geplant sein, doch es wurden Planungen für Radfahrer vermisst.
Weiter fuhren die Teilnehmer durch die Ziegeleistraße und die Bahnunterführung an der Gröschlstraße bis zur Bernrieder Straße. Sie überquerten sie und und näherten sich auf dem Radweg neben ihr von Süden aus dem Würmseestadion. Dort hatten sie ein paar Schwierigkeiten damit, am Ende des Radwegs weiter zu kommen. Um in die kleine Unterführung zu gelangen, die zum Stadion hinüberführt, mussten sie erst einmal auf die Straße hinunter, was wegen eines hohen Bordsteins nicht so leicht ist.
Andere Passanten mussten auf die Straße ausweichen
An der Lindemannstraße gab es erneut Diskussionen über den vom ADFC eigentlich an dieser Stelle gewünschten Kreisverkehr: Keinem der Teilnehmer schien klar zu sein, wie im Kreisel die Fahrradfahrer unterwegs sein sollen, denn vorgesehene Radschutzstreifen sollen am Kreisverkehr enden, also nicht in ihm fortgeführt werden. Die aktuellen Probleme wurden bei dieser Gelegenheit deutlich: Während die Tourteilnehmer auf dem Gehweg standen und diskutierten, mussten andere Passanten, um vorbei zu kommen, auf die Straße ausweichen - auf der die Autos gleichzeitig nicht gerade langsam vorbeifuhren. Der Kreisverkehr soll mit 36 Metern Durchmesser immerhin genau in den Straßenbereich hinein passen, ohne dass ein Teil des Johannishügels für diesen Zweck geopfert werden muss.
Auch vor der Realschule und vor dem Gymnasium wurde Station gemacht. Vor dem Gymnasium wurde die Enge beklagt: Für Radständer sei zu wenig Platz, ebenso für Busse, so dass es im Gedränge regelmäßig zu problematischen Situationen komme. Und die Realschüler, die ebenfalls dort den Bus verlassen, müssten an der Straße entlang zu ihrer Schule laufen, was oft gefährlich sei. Was der enge Gehweg bedeutet, wurde an dieser Stelle abermals deutlich: Als die Gruppe vor der Realschule stand, mussten andere Passanten genauso auf die Straße ausweichen wie kurz zuvor bei der Einmündung der Lindemannstraße - und auch hier fuhren die Autos ebenso dicht wie schnell vorbei.
Diskussionen über das Miteinander von Autos, Radfahrern und Fußgängern
Im Ortszentrum wurde dann noch einmal an der Marienstraße Station gemacht. Wie innerorts das Miteinander von Autos, Radfahrern und Fußgängern organisiert werden soll, war den Tourteilnehmern offenkundig nicht klar. Die Funktionalitäten müssten für sie alle in jedem Bereich klar erkennbar sein, mahnte Maier. Etliche Aspekte werden dabei als wichtig betrachtet, von der Breite der Gehwege über die für eine Staatsstraße erforderliche Straßenbreite - im Ortsinneren sollen das 6,50 Meter sein, weiter draußen 7,50 Meter - bis zu Radschutzstreifen, für die allerdings im Ortszentrum nicht genug Platz gesehen wird. Sie sollen erst wieder bei der Kreissparkasse beginnen und dann nach Norden geführt werden. Auch Geschwindigkeitsregeln seien noch nicht bekannt, sagte Held.
"Die Geschäfte dürfen nicht abgeschnitten werden"
An der Marienstraße kamen auch Vertreter der Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG) dazu, nämlich der Vorsitzende Arnold Walter und Wilfried Hauer. Held ergriff für die Geschäftsleute Partei: Bei den Straßenplanungen müssten auch sie einbezogen werden, ebenso andere Akteure, die betroffen sind. Die Geschäfte dürften nicht „abgeschnitten“ werden. Das war Wasser auf die Mühlen der ATG-Vertreter. Die Parkplätze müssten erhalten bleiben, sagte Walter. Es gebe zwar Geschäfte mit eigenen Parkplätzen, doch viele Ladenbetreiber verfügten nicht über Stellflächen, ihre Kunden seien auf Parkplätze an der Straße angewiesen.
Zeitweise kam es auch zu kritischen Anmerkungen über Radfahrer. Bei Rot an der Ampel direkt daneben fahren viele von ihnen einfach weiter, sagte Hauer. Ihm wurde entgegengehalten, Radfahrer fühlten sich oft nicht ernst genommen. In dieser Situation wurde recht deutlich, wieviel Bedarf es gibt, auf Argumente anderer zu hören.
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