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Kalle-Villa soll von Turnhallen getrennt werden

Empfehlung des Gemeinderats - Keine völlige Freistellung des historischen Baus - Kreistag entscheidet

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Die Kalle-Villa von der Hauptstraße au: Ähnlich verdeckt wird sie wahrscheinlich auch künftig sein - nur von einem anderen Gebäude © L.G.

Ganz freien Blick auf die Kalle-Villa wird es wohl auch künftig nicht geben. Zwar sollen die Turnhallen des Gymnasiums von ihr getrennt werden - das hat der Tutzinger Gemeinderat am Dienstag befürwortet. Doch im Zuge der gleichzeitig beschlossenen Hallensanierung soll vor der Villa ein kleineres Gebäude errichtet werden, genau an der selben Stelle, an der heute der Anbau die Villa, von der Hauptstraße aus gesehen, verdeckt. Einigen Gemeinderäten war die Enttäuschung anzusehen. Sie hatten vom Planer Klaus Zeiler offenkundig Vorschläge für eine mehr oder weniger komplette Freistellung der denkmalgeschützten Kalle-Villa erwartet, die der Ursprung des Gymnasiums war, aber nach einer verbreiteten Meinung durch den Anbau an Glanz verloren hat. Das sah offenbar auch Planer Zeiler so. „Das Gebäude klebt an der Kalle-Villa dran“, sagte er.

Diskussionen um die Beseitigung von Baufehlern der Vergangenheit

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Bevor es das Gymnasium gab: So sah die "Villa Kalle" in den 1930-er Jahren aus © Sammlung Gernot Abendt

Die neoklassizistische "Villa Kalle" ist 1927 errichtet worden. Das seinerseits sanierungsbedürftige Gebäude hat ein Walmdach, eine Terrasse, einen Balkon auf figürlichen Stützen und seitlich auf der Seeseite Erker-Vorbauten. Für Ortsplanungsreferent Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) ist der aus den 1970-er Jahren stammende Turnhallen-Anbau „eine bauliche Anomalie der Vergangenheit“, die beseitigt werden sollte. Auch andere Gemeinderäte sahen die aktuellen Sanierungspläne offenbar als Möglichkeit, quasi Baufehler früherer Zeiten zu „heilen“.

Die nun befürwortete Lösung erscheint unter diesem Blickwinkel nicht allen als optimal. Das Ziel, die alte Villa komplett frei zu stellen, werde nicht erreicht, sagte Dr. Ernst Lindl (CSU). „Mir kommt es so vor, als ob wir nichts lernen“, kritisierte Georg Schuster (ÖDP). Sogar eine künftig noch stärkere Verdeckung des historischen Gebäudes glaubten manche der Räte auf vorgestellten Planskizzen zu erkennen, was aber nicht der Fall sein soll, wie Zeiler versicherte. Die Villa werde „Denkmalschutz-gerecht freigestellt“ werden, sagte Bürgermeisterin Greinwald, was aber nicht bedeuten müsse, dass sie von überall sichtbar sei.

Die einen wollen lieber einen Neubau an anderer Stelle ...

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Rundherum eingebaut präsentiert sich die Kalle-Villa heute - hier von der Seeseite aus gesehen © L.G.

Zeiler erläuterte diverse Probleme bei der Planung - von den Funktionsräumen wie etwa Umkleiden, die er unterbringen musste, bis zu den strengen Vorgaben für die finanzielle Förderung. Drei Varianten stellte er insgesamt vor, davon zwei mit reiner Sanierung der bestehenden Hallen und eine mit Sanierung plus der umstrittenen Freistellung, für die sich die Gemeinderäte nach intensiver und recht kritischer Diskussion mehrheitlich - gegen zwei Stimmen - entschieden. 4,7 Millionen Euro soll sie nach Zeilers Berechnung kosten. Auf einer Finanzübersicht gab es noch eine vierte Variante für fast 7 Millionen Euro, offenbar mit einem Neubau, doch was da genau vorgesehen war, wurde nicht erläutert.

Gerade Martin Pulfer (ÖDP) setzte sich immer wieder für einen Neubau an ganz anderer Stelle ein, so dass die derzeitigen Turnhallen komplett verschwinden würden und die Kalle-Villa wirklich frei stünde. Unterstützung erhielt er dabei von Marchner. Auch Schuster könnte sich einen Neubau vorstellen, und zwar südlich des Gymnasiums, wo sich zurzeit ein Basketballplatz befindet.

Dagegen bezeichnete Renate Geiger (SPD) das Ziel der kompletten Villen-Freistellung als illusorisch. Besonders Dr. Toni Aigner (Freie Wähler) betonte zudem eine wünschenswerte Nähe der Turnhallen zum Gymnasium. Lindl schlug schließlich vor, nicht allzu starr am Gedanken der Villen-Freistellung festzuhalten, sondern das gesamte Gymnasium gestalterisch als Einheit rund um ein denkmalgeschütztes Zentralggebäude, nämlich die Kalle-Villa, zu sehen.

... die anderen sind strikt gegen eine Neuplanung

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Zentralgebäude des Gymnasiums: Die Kalle-Villa mit den diversen Anbauten von oben © Abiturzeitung des Gymnasium 2018

Bürgermeisterin Greinwald zeigte sich über die hartnäckig wiederholten Vorschläge mit einem Neubau wenig erfreut. „Wir planen nicht neu“, rief sie aus und fügte recht deutlich hinzu: „Dass jetzt hier keiner anfängt, Ideen zu entwickeln.“ Doch Pulfer gab nicht auf. Auch nach der Abstimmung hakte er noch nach und regte an, gegenüber dem Kreistag einen Neubau als Wunsch mit zu erwähnen. „Nein“, erwiderte Bürgermeisterin Greinwald knapp: „Wir haben jetzt eine Abstimmung gehabt - damit ist Schluss.“

Dass alles nun auch wirklich so realisiert wird, steht noch nicht fest: Es handelt sich lediglich um eine Empfehlung an den Starnberger Kreistag, wie Bürgermeisterin Greinwald immer wieder betonte. Denn für die Entscheidung zuständig sei der Landkreis Starnberg, auf den die Gemeinde die Schulträgerschaft überträgt. Unter Berufung auf Landrat Karl Roth sagte sie, dass sich der Kreistag im Herbst mit dem Tutzinger Gymnasium befassen wird.

Quelle Titelbild: Sammlung Gernot Abendt
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