Kultur
2.4.2022
Von vorOrt.news

„Unrechtmäßige Situation seit 1975“

Tutzinger Initiatorinnen der Petition „Albers für alle“ wenden sich mit offenem Brief an hiesige Kommunalpolitiker

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Schild an einem Zaun in der Nachbarschaft der Albers-Villa © L.G.

„Appell zur Rettung des Seeufer-Kleinods für die Allgemeinheit“. So überschreiben die Initiatorinnen der Petition „Albers für alle“ einen offenen Brief „an die politisch verantwortlichen Amtsinhaber des Landkreises Starnberg“. Konkret wenden sie sich an die CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig aus Feldafing, an den Starnberger Landrat Stefan Frey, an den Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim, an die Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald sowie an die Gemeinderatsmitglieder in Feldafing und Tutzing.

Mit der Petition wenden sich die beiden Tutzingerinnen Stefanie Knittl und Lucie Vorlíčková gegen die von der bayerischen Staatsregierung geplante Übertragung des Areals auf die Technische Universität München (TUM)). Sie fordern, das „zeitgeschichtlich relevante Seegrundstück“, auf dem der Schauspieler Hans Albers und seine Lebensgefährtin Hansi Burg wohnten, der allgemeinen Öffentlichkeit zu gewöhnlichen Tagesöffnungszeiten frei zugänglich zu machen. Viele Bürger vermissten aber konkrete Handlungen der Kommunalpolitiker zur Öffnung des Albers-Anwesens für die Allgemeinheit, kritisieren sie. Die vielfach gemachte Aussage, dass es sich bei dem Anwesen um das Eigentum des Freistaats handle und man damit nicht zuständig sei, sei aufgrund des Subsidiaritätsprinzips nicht stichhaltig. Dass der Freistaat das Subsidiaritätsprinzip auch beim Albers-Anwesen angewendet habe, sei bewiesen. Als er etwa im Jahr 2012 endgültig von seinen Verkaufsabsichten Abstand genommen habe, habe zum Beispiel die Gemeinde Feldafing die Möglichkeit gehabt, ein Konzept für die Öffnung vorzulegen.

Der offene Brief im Wortlaut:

  Offener-Brief.pdf herunterladen

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Im Mittelpunkt von Diskussionen: die Albers-Villa in Garatshausen © Foto Burkhard Mücke unter CC BY-SA 4.0
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"Ursprüngliche Bestimmung für öffentliche Erholungszwecke"

„Die Kommunalpolitik hatte über zehn Jahre Zeit, das Anwesen für die Allgemeinheit zu öffnen“, so die beiden Tutzingerinnen. Aber erst aufgrund der ehrenamtlichen Initiative von drei Mitgliedern des Denkmalnetzes Bayernseien Ende 2019 erste Schritte in diese Richtung unternommen worden. Dank ihrer Studienergebnisse und ihres Begehrens beim Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz sei das Albers-Anwesen am 24. Januar 2020 von Amts wegen unter Denkmalschutz gestellt worden – „also nicht dank einer „Petition“, wie mehrfach behauptet und berichtet worden sei.

Dies habe bei vielen Bürgern die Hoffnung geweckt, dass das Anwesen endlich seiner ursprünglichen Bestimmung für öffentliche Erholungszwecke zugeführt werde – „die dann ja leider durch die plötzliche Anmeldung des Staatsbedarfs für die TUM zunichte gemacht wurde“, so die Petentinnen. Sie appellieren an die verantwortlichen Amtsträger des Landkreises Starnberg, ihre bisherige Haltung zu überdenken, „jetzt ihre Verantwortung für die Öffnung des Anwesens durch entsprechende Handlung“ wahrzunehmen und „sich im Schulterschluss gegen jede institutionelle Versperrung des Anwesens“ auszusprechen: „Denn jede institutionelle Nutzung käme einer Zementierung der unrechtmäßigen Situation seit 1975 gleich.“

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Beste Lage am Starnberger See: Die Albers-Villa mit ihrem Bootshaus (rechts). Ein Konzept der Technischen Universität sieht auf einem Teil des Geländes, aber abseits vom See, einen Park vor (links). © Technische Universität München, Konzept "TUM Junge Akademie in der Albers-Villa", Ergänzungsteil
ID: 4780
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Comments

Wirklich besorgniserregend. Die beiden Petentinnen haben schlagende Argumente. Die Obrigkeit, beginnend mit den Bürgermeistern, stellt sich taub und versucht, das Thema totzuschweigen. Man muss sich fragen, warum die Belange der Bürger in dieser Sache so konsequent ignoriert werden.
Die beiden Petitentinnen engagieren sich wirklich sehr für eine Sache, die uns allen in Feldafing & Tutzing das Leben hin & wieder ein wenig verschönern könnte...
Und ich stimme Herrn Sperber zu.
Leider wurde die Sache von München aus geschickt und schon sehr weit in Richtung der eigenen Interessen vorangetrieben.
Ich fürchte ein Kurswechsel ist jetzt nur noch zu erreichen, wenn die Ratsgremien beider betroffenen Gemeinden (Grundstück gehört zu Feldafing und Zugang/Zufahrt erfolgt über Tutzinger Gebiet) rasch und entschlossen an einem gemeinsamen Strang ziehen!
Wert wäre dies den Einsatz allemal.

Falls die "Münchner" dieses nun wahrlich außergewöhnlich schön gelegene Objekt ihrerseits auch nicht mehr ganz aus der Hand geben wollen, wird man einen Kompromiss finden müssen; wie immer unter friedfertigen und zivilisierten Menschen.
Im Grunde geht es doch wohl darum das gesamte Areal mit jahrzehntelanger Verspätung nun endlich uns Bürgern insgesamt zugänglich und erlebbar zu machen.
Alles Weitere - Beforschung des Sees durch Studenten, Naturgenuß, Entspannung, Cafe, Kultur, Aufklärung über die Vorgeschichte, vielleicht auch etwas familiäres Baden im See, und vieles mehr - sind dann nur noch Details, die man sicherlich auch vernünftig miteinander in Einklang bringen kann.
Wenn uns das gemeinsam gelingt, kann wirklich für jeden von uns etwas sehr Schönes dabei sein.
(Bearbeitet)
Ich möchte den Hinweis auf einen Kompromiss aufnehmen:
Das Bayerische Staatsministerium für Finanzen und Heimat hatte damals angekündigt, die Neubauten für die Landesanstalt für Fischerei auf dem der Seeseite westlich abgewandten Grundstück (also der Streuwiese) zu errichten und das Seegrundstück für die Allgemeinheit zu öffnen. So könnte doch überlegt werden, den geplanten Neubau des Seminarhauses der TUM mit (zeitgemäßen) Übernachtungsmöglichkeit auf diesem Teil zu errichten. Es soll sich ja nur um einen kleinen Bau für ca 20 Studierende handeln. Die Allgemeinheit, also auch die Studierenden und Dozenten, könnten so das Seegrundstück und das Albers-Haus mit Bootshütte nutzen. Das Albers-Haus könnte von allen, wie am Beispiel Künstlerhaus Gasteiger erörtert, besichtigt und genutzt werden. Das Tagescafé im Erdgeschoss wäre auch für die Studierenden eine Verpflegungsstätte und das erste Obergeschoß, eingerichtet in historischer Atmosphäre, könnte für besondere Anlässe angemietet werden (von der TUM für besondere Gelegenheiten, durch Vereine für Sitzungen, von Familien für ihre Familienfeiern, von Firmen für Firmenfeiern oder Tagungen, etc.). Dies nur als Beispiel: Bei gutem Willen gäbe es SICHER eine Lösung!
Nicht verhandelbar dabei muss aber sein: Die Öffnung des gesamten Anwesens - und zwar des Seegrundstücks - für die Allgemeinheit.
(Bearbeitet)
Die Idee eines Kompromisses liegt auf der Hand und wäre mit der TUM sicher auch möglich. Leider muss man befürchten, dass der Verhandlungspartner in dieser Sache die Landesregierung wäre, und die hat mehr als einmal ihre ans absolutistische grenzende Maßlosigkeit bewiesen.
Neubauten auf einer Streuwiese sollen im Klimawandeljahr 2022 Teil eines Kompromisses sein? Der wäre erstens faul und zweitens aberwitzig, weil er mitten in der Arten-und-Insektensterben-Bodenversiegelungs-Klimawandelkatastrophe wieder mal zu Lasten der geschundenen Natur ginge. Und damit – Überraschung, wen wundert das? – schlussendlich wieder zu Lasten der nachfolgenden Generationen. (Exklusive der 20 Elitestudenten natürlich, denn die kommen mit ihren auf der vormaligen Streuwiese geknüpften Netzwerken und Seilschaften komfortabel durch jede Krise.) Der Egoismus der heute Erwachsenen zeigt sich besonders in ihrer hilflosen Unfähigkeit, Verteilungskonflikte mit Anstand zu lösen. Das ist einfach nur Kindergarten. Aber leider ist das auch brandgefährlich, weil uns von diesem Jahr an die wirklich schwierig zu lösenden Verteilungskonflikte in endloser Folge erst noch bevorstehen werden. Mit einem solchen Landtag muss einem beim Blick in die Glaskugel bange werden.
DANKE für Ihre Kommentare zum Thema "Kompromiss".
Grundsätzlich ist aufgrund vieler Aspekte nicht einzusehen, hier überhaupt auf einen Kompromisse einzugehen - auf faule schon gar nicht.
Auch lassen die bisherigen Handlungen von Landesregierung und Landtag (aber auch der TUM -siehe deren Ergänzungsteil!), nicht wirklich auf konstruktive Kompromisslösungen auf Augenhöhe hoffen.
Der Grund, warum wir seit ein paar Tagen überhaupt über Kompromisse nachdenken, ist einfach zu zeigen, dass wir nicht stur sind. Auch blicken wir dabei folgender Realität ins Auge :
- Der Landrat weist die Angeleigenheit als Sache des Freistaats von sich und im findet das TUM-Nutzungskonzept gut.
- Der Feldafinger Bürgermeister befürwortet die institutionelle Versperrung des Anwesens durch die TUM und äußert sich inzwischen sogar unverblümt, dass das Anwesen für die Allgemeinheit erlebbar sei, wenn sie gut über den Zaun schauen könne.
- Der Kulturverein Garatshausen e.V. akzeptiert die TUM als Hauptnutzer für das Anwesen und befindet sich nach wie vor mit der TUM in Verhandlungen. Unsere Bitte, gemeinsam für die Öffnung des Anwesens für die Allgemeinheit zu kämpfen, wurde leider schon zweimal schriftlich abgelehnt.
- Die Tutzinger Bürgermeisterin möchte sich nicht in "Feldafinger Angelegenheit" einmischen, obwohl ihr das berechtigte Anliegen der Tutzinger Bürgerschaft bekannt ist.
- Die Gemeinderäte beider Gemeinden schweigen bislang - außer die Feldafinger Gemeinderätin Frau Dr. Eiling-Hütig, die das TUM Konzept ebenfalls befürwortet und in ihrer Position als Landtagsabgeordnete dort fördert.
Darum jetzt also der OFFENE BRIEF an die verantwortlichen Kommunalpolitiker in Ergänzung zur Petition an den Bayerischen Landtag.
Vielleicht hat ja noch jemand eine Idee?

PS: Persönlich sende ich noch ein Stoßgebet an Wilhelm Hoegner - dem ersten Bayerischen Ministerpräsidenten nach Kriegsende. Als damaliger Vorsitzender des Vorbereitenden Verfassungsausschusses (bis 24.6.1946), dem er einen Vorentwurf einer "Verfassung des Volksstaates Bayern" unterbreitete, der auf seine Vorarbeiten im Schweizer Exil zurückging, war es ihm ein besonders Anliegen ein neues subjektives öffentliches Recht auf Naturgenuss in die Bayerische Verfassung einzuführen! Jedermannsrecht: Auf ihn geht also maßgeblich der berühmte Schwammerlparagraph des Ar. 141 (3) zurück. Ich weiß nicht, wie Albers/Burg auf das unwürdige politische Treiben hier unten schauen - aber Hoegner, der auch Justizminister war, würde es sicher nicht gutheißen. Darauf wette ich!
Noch wissen wir nicht, ob Landtag und TUM sich in unseliger Allianz durchsetzen und den öffentlichen Grund der Albers-Villa in eine Spielwiese für hochwohlgeborene Sprösslinge umwidmen werden. Nach diesem Coup sollte Tutzing sich schon auf den nächsten einstellen, und das ist die Versilberung der Kustermann-Villa. Wer sich je die Frage gestellt hat, woher all die Landkreis-Millionäre ihre Seegrundstücke haben, weiß spätestens jetzt, wie das läuft. Man lasse die FDP und ihre Erfüllungsgehilfen dem Durchschnittsverdiener erzählen, die Lohnnebenkosten seien zu hoch. Dann senke man die Steuern und Abgaben für die Vermögenden überproportional ab und warte einige Jahre, bis die Staats-, Länder- und Gemeindekassen leer sind. Anschließend wird dann von Bürgermeister/innen die Geschichte erzählt, die Veräußerung öffentlicher Grundstücke sei alternativlos (auch wenn man das natürlich irgendwie auf jeden Fall mit aller Kraft und ganz bestimmt vermeiden wolle). Die Besteuerung der Reichen ist ein immerwährendes Tabu, stattdessen wird man (dafür sorgt dann wieder die FDP) Sozialleistungen kürzen und solche Steuern erhöhen, die niedrige Einkommen besonders belasten, um die Corona-, Energiewende und Rüstungsmilliarden finanzieren zu können. Das alles läuft zwar nicht ganz so schlimm ab wie in der Selenskyj-Realsatire "Im Namen des Volkes", die gerade auf ARTE ausgestrahlt wird, aber die Mechanismen bleiben im Prinzip doch dieselben. Preisfrage: Wie viele Millionäre sitzen eigentlich im Gemeinderat der am Hungertuch nagenden Tutzinger Gemeinde und vertreten dort die Interessen der Bürger, von denen nur die allerwenigsten Millionäre sind?
Es wäre einfach wünschenswert, wenn auch die lokalen Politiker endlich ihre Zurückhaltung aufgeben und das Anliegen der Petition unterstützen würden ! Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Es gibt eine engagierte Bürgerschaft, die zu Recht ganz im Sinne des einst geschlossenen Vertrags eine Nutzung des historisch so interessanten Areals fordert und bereit ist, sich auch in der Umsetzung entsprechend zu engagieren.
Es ist die einmalige Chance ist, das Anwesen endlich öffentlich und kulturell für alle nutzen.
Deshalb der dringende Appell: Helfen Sie bei der Umsetzung und machen Sie sich mit der guten Sache auch öffentlich gemein.
Wenn der eine Löwe an der Brahms-Promenade noch wegen Restaurierung fehlt, dann müsste das jetzt DER Platz für eine Auszeichnung der Petentinnen sein! Die Hüter von Demokratie und Transparenz am See, in und um Tutzing! Offenlegung, Recherche und Erklärung von Missständen absolut professionell gemacht! Auch wenn am Ende nicht das Ziel erreicht wird, sind doch Missstände und Verantwortliche jetzt öffentlich bekannt! Gut gebrüllt Petentinnen!
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