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Heftiges Tauziehen um die Albers-Villa

Bayern für Nutzung durch Technische Universität - Verein kämpft um anderes Konzept

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Die Albers-Villa ist bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich © privat

Um die Zukunft der „Albers-Villa“ in Garatshausen ist ein heftiges Tauziehen im Gang. Auch in Tutzing sorgt dieses Thema für viel Aufsehen. Beim Freistaat Bayern, der Eigentümer des Grundstücks am Starnberger See ist, weisen die Signale in Richtung Technische Universität München (TUM): Sie soll das Areal als Standort für ihre „Junge Akademie“ und wohl auch als Erholungsgelände erhalten. Eher weniger Chancen zu haben scheint damit ein anderes Konzept: Ein Verein „Respect & Remember Europe e.V.“ möchte auf dem Ufergelände einen „positiv besetzten deutsch-jüdischen Erinnerungs- und Begegnungsort für Toleranz“ schaffen. Der Haushalts- und Finanzausschuss des bayerischen Landtags hat sich bereits für die TUM ausgesprochen. Befürworter des Vereinskonzepts versuchen nun mit einer Online-Petition doch noch eine Nutzung durch den Verein Respect & Remember Europe e.V. zu ermöglichen. 631 Unterschriften bei Albers-Petition

Zu den Unterstützern dieser Position gehört die Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl. „Ich finde die Idee wie maßgeschneidert und eine riesige Chance für die Region“, erklärt sie. Die Entscheidung im Haushaltsausschuss des Landtags sei zwar gefallen, doch sei den Politikern im Wahlkampf die Stimmung in der Bevölkerung wichtig. Und in der Bevölkerung habe das Konzept von Respect & Remember e.V. großen Anklang gefunden. „Nun wird versucht, über eine Petition im Landtag die Sache noch mal anzugehen“, sagt Stefanie Knittl, „und wir müssen ganz viele Unterschriften in der Online-Petition sammeln.

Der Auflage einer Öffnung für die Allgemeinheit ist der Staat nie gerecht geworden

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Zu dem Garatshausener Grundstück gehört diese Bootshütte © privat

Auseinanandersetzungen über das Ufergrundstück, auf dem einst der Schauspieler Hans Albers und seine Lebenspartnerin Hansi Burg lebten, ziehen sich seit den 1970er Jahren hin. Der Freistaat Bayern hatte das rund 20 000 Quadratmeter große Areal, das durch den Seeuferweg geteilt wird, damals von Hansi Burg erhalten. Eine damit verbundene Auflage gilt als unstrittig: Das Gelände sollte für die Allgemeinheit geöffnet werden. Doch dieser Auflage ist der Freistaat Bayern nie gerecht geworden. Zeitweise brachte er auf dem Areal einen Teil der staatlichen Fischereiverwaltung unter, doch der Bevölkerung blieb der Zugang verwehrt.

Rechtlich ist die Angelegenheit umstritten. Nicht wenige Juristen halten eine Öffnung des Grundstücks für die Allgemeinheit schon wegen des Artikels 141 der Bayerischen Verfassung für unumgänglich, der freien Seezugang für die Bevölkerung vorschreibt. Unter Rechtsexperten ist aber umstritten, wieweit öffentlich-rechtliche Bindungen auch für fiskalisches Staatshandeln gelten, also dann, wenn der Staat als Unternehmer auftritt, in diesem Fall als Eigentümer des Albers-Grundstücks.

Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim (Bürgergruppe) bevorzugt das Konzept der Technischen Universität ebenso wie die Feldafinger CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig. Der Kulturverein Garatshausen stellt sich nach Angaben seines Vorstandsmitglieds Dr. Andreas Kapphan positiv zu allen Konzepten, „die die Öffentlichkeit beteiligen“. Der Kreisjugendring (KJR) Starnberg hat sich für das Konzept des Vereins „Respect & Remember Europe e.V.“ ausgesprochen. Mit einer Begegnungsstätte für die Aufrechterhaltung der Erinnerungskultur, mit Projekten gegen Antisemitismus sowie zur Förderung der Demokratie und Toleranz, wie sie durch den Verein verfolgt werde, decke sich das geplante Angebot mit den Zielen und Vorhaben der bayerischen Jugendarbeit, heißt es in einer Stellungnahme des KJR-Vorsitzenden Claus Piesch aus Tutzing (siehe pdf unten auf dieser Seite). Für das Vorhaben der Technischen Universität erscheine dem Kreisjugendring das Albers-Gelände weniger geeignet zu sein als beispielsweise die Villa Kustermann in Tutzing oder die Villa Zitzmann in Niederpöcking.

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Nutzungskonzepte der Universität und des Vereins liegen vor

Nutzungskonzepte für das Albers-Grundstück liegen der bayerischen Staatsregierung sowohl von der Technischen Universität als auch vom Verein Respect & Remember Europe e.V. vor. Die „Junge Akademie“ der Technischen Universität, für die das Garatshausener Areal vorgesehen ist, agiert als fächerübergreifendes Netzwerk aus Studenten, Nachwuchsforschern, aktiven und ehemaligen Professoren. An dem Nutzungskonzept für diesen Zweck, das in der Staatsregierung viele Sympathien zu haben scheint, hat maßgeblich Prof. Arnulf Melzer mitgearbeitet, der in Tutzing aufgewachsen ist. Öffentliche Nutzungen sollen nach Angaben aus politischen Kreisen beispielsweise bei Veranstaltungen des Kulturvereins möglich sein. Ob das Gelände ansonsten für die Bevölkerung zugänglich sein wird, darüber gibt es bisher keine Informationen.

Der Verein Respect & Remember Europe e.V. hat eine Renovierung der Albers-Villa im Bestand angekündigt. Mit seinem Konzept, verspricht er, „wären alle willkommen“. Die Rede ist von einem Angebot an Bildung, Kunst, Kultur und Freizeit sowie einem kleinen Café. Ob das auf eine komplette vorgesehene Öffnung des Geländes für die Öffentlichkeit hindeutet oder nur auf Zugang für die Bevölkerung bei bestimmten Anlässen, wird bisher nicht deutlich. Aufgefallen ist vor einigen Wochen eine Unterschriftensammlung des Vereins für seine Pläne mit Untersützung der katholischen Pfarrgemeinde in Tutzing. Bei dieser Gelegenheit warnte der Verein auf Informationszetteln: „Mit einer unpassenden Nutzung würde die Hans-Albers-Villa der Öffentlichkeit auch weiterhin verschlossen bleiben.“

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Seit rund 50 Jahren wurde der ausdrückliche Wunsch aus dem Vertrag bislang ignoriert.
Wie man es auch dreht und wendet: Insbesondere auch für Menschen ohne natürliche Erben ist es ein abschreckendes Beispiel, wenn sie darüber nachdenken, wem sie ihr Erbe anvertrauen können.
(Bearbeitet)
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