Ortsplanung
9.7.2021
Von vorOrt.news

Entwürfe für Tutzings neue Ortsmitte

Von der Hauptstraße abgesetzter Neubau soll mehr Platzcharakter ermöglichen

In der Tutzinger Ortsmitte wird eventuell ein neuer Platz entstehen. Gegenüber der Einmündung der Marienstraße soll ein Neubau sechs Meter von der Hauptstraße zurückgesetzt werden. Neugestaltung des Ortszentrums im Gespräch

Das dort derzeit stehende Gebäude, in dem sich ein Edeka-Markt und zuvor über Jahrzehnte ein Tengelmann-Markt befand, soll abgebrochen werden. Im selben Bauwerk befindet sich das Geschäft Anton Müller KG, das im nächsten Jahr geschlossen werden soll. Der „Kohlen-Müller“ schließt nächstes Jahr Dessen Eigentümerfamilie Müller gehört das Gebäude. Sie verkauft es an die Starnberger Projektentwicklungsgesellschaft Imeno, die an dieser Stelle Neubauten plant.

Für sie hat der für die Gemeinde tätige Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller im Gemeinderat eine denkbare Variante präsentiert: einen Entwurf mit einem dreistöckigen Bauwerk und zwei zweigeschossigen Vorbauten , die die durch die Zurücksetzung von der Straße entstehende Fläche sozusagen einrahmen. Ein weiteres Wohnhaus soll im rückwärtigen Bereich des Grundstücks entstehen. Im Erdgeschoss an der Hauptstraße sind Geschäfte möglichst mit ortsbelebendem Charakter vorgesehen, ansonsten sind Wohnungen geplant, auch mit einkommensorientierter Zusatzförderung (EOF) für Mieter.

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Wo heute die Anton Müller KG und der leer stehende Edeka sind, könnte eines Tage so ein Neubau stehen - sechs Meter von der Hauptstraße entfernt, aber mit zwei Vorbauten. Links Sport-Thallmair, rechts Vinzenz-Murr © Entwurf: Prof. Florian Burgstaller
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"Unterbrechung" der Hauptstraße

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Flachdach: So sieht das heutige Gebäude aus, das abgebrochen werden soll. Entgegen früheren Plänen wurde es nie aufgestockt. © L.G.

Im Gemeinderat gingen die Meinungen zu den vorgelegten Entwürfen auseinander. Positiv bewertet wurde die Möglichkeit eines neuen Platzcharakters, die sich aus der Verschiebung des Neubaus von der Straße weg ergibt. Damit könnte das bisher längliche Band der Hauptstraße an dieser Stelle unterbrochen werden, wie der für die Gemeinde tätige Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller sagte - wenn er auch offen darauf verwies, dass das für diese zuständige Staatliche Bauamt so etwas nicht allzu gern sehe.

Größe der vorgesehenen Neubebauung umstritten

Kritik an dem Entwurf gab es von verschiedenen Seiten vor allem wegen der Größe der vorgesehenen Neubebauung. Mehrere Gemeinderäte halten sie an dieser Stelle mit drei Stockwerken für zu „wuchtig“ und aus der sonstigen Bebauung herausstechend. Verwiesen wurde auf eine kleinteiligere Bebauung auf der anderen Straßenseite, an der man sich orientieren könne. Stadtplaner Burgstaller hielt entgegen, dies sei die zentralste Stelle auch für Wohnraum im Ort. Kleinteiligkeit von Gebäuden gegenüber könne nicht der richtige Maßstab sein. Zur Kritik an der Größe der Bauten sagte er, einige Nachbargebäude seien genauso hoch oder sogar noch höher.

Investoren versprechen eine zum Tutzinger Stil passende Planung

Imeno-Chef Felix Wittmann und sein Geschäftspartner Christoph Grill nahmen als Zuschauer an der Gemeinderatssitzung teil. Sie kamen in der Sitzung selbst nicht zu Wort, betonten aber in persönlichen Gesprächen, dass sie keine nicht zu Tutzing passende Großbebauung anstrebten. Sie planten eben nicht eine „08/15-Stahl-Glas-Fassade“, versicherte Wittmann. Vielmehr seien Neubauten vorgesehen, die gut zum Tutzinger Stil passten, mit traditionellen und ländlichen Elementen. „Wenn ich da in 40 Jahren mit meinem Sohn vorbei gehe, möchte ich immer noch stolz drauf sein“, sagte Wittmann, der aus Herrsching stammt und mit seiner Familie in Weßling wohnt.

Lob für frühzeitige Absprache mit der Gemeinde

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Blick aus der Vogelperspektive: Das vierte Gebäude von oben an der Hauptstraße ist der vorgesehene Neubau gegenüber der Marienstraße © Prof. Florian Burgstaller

Bürgermeisterin Marlene Greinwald sah die Diskussion über das Areal trotz aller unterschiedlichen Auffassungen auf einem guten Weg. „Es geht um das Herz Tutzings“, sagte sie. Es eröffne sich die Möglichkeit, eine Mitte Tutzings zu schaffen: "Ich denke, dass wir gar nicht so weit auseinander sind." Sie sehe gute Chancen für eine attraktive Ortsmitte von Tutzing, für eine Belebung des Geschäftslebens und für eine Aufwertung der Hauptstraße.

Mehrere Besprechungen haben in dieser Angelegenheit bereits stattgefunden, wie die Gemeindeverwaltung bestätigte. Burgstaller hob erfreut hervor, dass die Investoren zu einer Absprache mit der Gemeinde in einer sehr frühen Phase bereit seien. Diesen Aspekt stellten auch Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) und Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) als besonders positiv heraus. Ähnlich Greinwald: „Dass wir so früh anfangen zu diskutieren, ist gut.“

Das 1858 Quadratmeter große Grundstück ist zurzeit nach Angaben der Gemeinde mit den Gebäuden und den Asphaltflächen des Innenhofs komplett versiegelt. Laut Burgstaller ist eine Entsiegelung um etwa 40 Prozent der Fläche möglich. So sind im Hof hinten Gärten für die Mieter der künftigen Wohnungen vorgesehen.

Zur Realisierung des Vorhabens ist eine Änderung des Bebauungsplans notwendig, wie im Gemeinderat erläutert wurde. Wahrscheinlich werde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan mit städtebaulichem Vertrag und Durchführungsvereinbarung erforderlich sein. Um dies und andere Aspekte zu prüfen, will die Gemeinde nun zunächst rechtlichen Rat einholen. Aufgrund der Komplexität eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans und der zu schließenden Verträge soll das Bauleitplanverfahren von Anfang an von einem Juristen begleitet werden. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wurde einstimmig gefasst.

Nun stehen intensive weitere Beratungen über die Zukunft der Tutzinger Ortsmitte an dieser Stelle bevor. Die Bürgermeisterin betonte zu derzeitigen Stand: „Es ist eine Diskussionsgrundlage, nicht mehr.“

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