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Polt: Nicht mehr lachen wäre "antiviral“

Der Kabarettist im „Rotunde-Talk“ der Evangelischen Akademie Tutzing zu Corona, Feinden und Humor

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Gerhard Polt ist das Lachen noch nicht vergangen © dgr / eat Archiv

Gerhart Polt war in Tutzing zu Gast. Der Kabarettist, „Co-Inspirator“ eines „Forums für Humor und komische Kunst“ in München, stellte sich im digital per Youtube verbreiteten „Rotunde-Talk“ der Evangelischen Akademie Tutzing den Fragen von Studienleiter Dr. Jochen Wagner - unter anderem zum Thema Corona.

Viren seien „ganz was Merkwürdiges", meinte Polt: "Sie kommen und gehen, wann sie wollen - man könnte sagen: Ein ambulantes Gschwerl.“ Es gebe kurzsichtige Viren, die ihren Wirt erledigten und sich selbst damit ihre Grundlagen wegnähmen. Andere seien g’scheiter: „Die sind nicht so böse, sie zutzeln und parasitieren, lassen aber ihren Träger am Leben, dann haben sie länger was davon.“

Wenn ins Theater wegen der Corona-Aerosole nur 50 Leute dürfen, obwohl für 700 Menschen Platz wäre, müsste sich das aufs Programm auswirken, witzelte Polt mit bitterem Unterton: „Keine komischen Sachen mehr, nichts zu lachen, denn das wäre besonders gefährlich, sondern nur Tragödien - das wäre antiviral.“

"Menschen sind ein unendlicher Schatz"

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Zwei, die sich kennen und schätzen: Gerhard Polt (re.) und Jochen Wagner © dgr / eat Archiv

Wagner wollte von Polt wissen, woher er die Ideen für seine Stücke nimmt: „Wie kommt’s zu diesen faszinierenden Geschichten?“ Man erkenne sich ja oft wieder, gestand der Studienleiter: „Man erschrickt, und trotzdem bleibt einem das Lachen nicht im Hals stecken, man wird aufgeschlossen für seinen Blödsinn, den man macht.“ Wo für einen Kabarettisten der hauptsächliche Ort für solche Erlebnisse sei? „In der Öffentlichkeit“, antwortete Polt: „Wenn man auf die Straße geht, zuhört und zuschaut.“ Ob im Bus, im Wirtshaus, wo auch immer: „Wo Menschen sind, menschelt’s.“ Menschen seien einfach ein unendlicher Schatz: „Auch für Humor, aber Quelle natürlich auch für andere Dinge.“

Ob man mit Humor die Welt verändern kann? „Der Humor von Karl Valentin hat mir geholfen“, erwiderte Polt auf diese Frage. Ob man die Froschperspektive oder die Vogelperspektive einnehme: Mit humorvollen Bemerkungen sei man nicht darauf angewiesen, sofort zu reagieren. Man könne die Dinge dann erst noch einmal unter einem anderen Blickwinkel betrachten.

Als der Amalienstraßler einem Türkenstraßler die Zehe versengte

Die Feindseligkeit, die wir heute erleben, scheine ein Grundmuster zu sein, sagte Wagner: „Es wimmelt vor Rassismen.“ Dazu konnte Polt Erfahrungen aus seiner Kindheit in München beisteuern. „Ich war ein Amalienstraßler“, erzählte er, „für die Türkenstraßler war ich ein Feind.“ Einmal haben er und seine Bande einen der „Feinde“ gefangengenommen und ihm mit einer Lupe eine Zehe angeschmort: „Denn er musste bestraft werden.“ Warum, das wussten sie wahrscheinlich selbst nicht.

Das vollständige Interview von Dr. Jochen Wagner mit Gerhard Polt:
https://www.youtube.com/watch?v=OM5IY6WzVJM&feature=youtu.be

Rotunde-Talk mit Bayerns Kultusminister Michael Piazolo:
Kleinere Gruppen in Schulen unwahrscheinlich

Berichte über weitere Beiträge des "Rotunde-Talks":
Demokratie schützt auch absurde Meinungen
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Weitere Beiträge des "Rotunde-Talks":
https://www.youtube.com/user/EATutzing/

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