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Demokratie schützt auch absurde Meinungen

Deutliche Worte im "RotundeTalk" der Evangelischen Akademie Tutzing - jederzeit per YouTube abrufbar

Begegnungen mit prominenten Menschen bietet zurzeit die Evangelische Akademie Tutzing. Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten sind jederzeit per Youtube abrufbar. Die Reihe „RotundeTalk‘“, benannt nach dem bekannten Rundbau, fördert interessante Aussagen zu Tage. Hier einige Beispiele:

Hans-Jürgen Papier: Der Staat ist kein Meinungsrichter

In der Demokratie habe die Meinungsfreiheit „die größte Bedeutung“, sagt Hans-Jürgen Papier, der in Tutzing lebende frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Die Demokratie schütze auch Meinungen, die einem absurd erschienen. Der Staat sei „kein Meinungsrichter“, betonte Papier mit Blick auf Demonstrationen unter anderem von Leugnern des Coronavirus, Impfgegnern sowie Vertretern unterschiedlichster Verschwörungstheorien. Bei Volksverhetzung, wenn gegen geltendes Recht verstoßen werde, müsse der Staat natürlich einschreiten.
https://www.youtube.com/watch?v=l6UUYqESa7M

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Hans-Jürgen Papier (links) und Akademiedirektor Udo Hahn © ma/eat archiv

Eberhard Sasse warnt vor Isolation statt Globalisierung

Nationalistische Strömungen, die mit dem Versprechen antreten, das Rad der Globalisierung zurückzudrehen, sind „brandgefährlich“: Diese. Auffassung vertritt Dr. Eberhard Sasse, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern sowie Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages BIHK. „Isolation ist keine Alternative“, sagte er. Die Globalisierung habe dazu geführt, dass die Armut zum Beispiel in den Schwellenländern zurückgehe.
https://www.youtube.com/watch?v=QYmitwtKkK4

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Eberhard Sasse
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Carolina Trautner

Carolina Trautner: Kompletter Kindergarten-Besuch ist ein "Balanceakt"

Ein „Balanceakt“ ist es für die bayerische Familienministerin Carolina Trautner, dass seit dem 1. Juli alle Kindergarten- und Krippenkinder wieder ihre Einrichtungen besuchen dürfen. Ein Motiv sei gewesen, dass Kinder vor der Einschulung die Möglichkeit bekommen sollten, die Phase davor auch emotional abzuschließen. Die Kindertagesbetreuung ist für die Ministerin der Schlüssel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deshalb sei es ihr auch sehr schwer gefallen, so bald nach ihrem Amtsantritt im Februar diesen Jahres die Schließung aller Einrichtungen verkünden zu müssen.
https://www.youtube.com/watch?v=XVk2J3S_BrA&t=70s

Matthias Jena fordert bessere Bezahlung für Mitarbeiter in der Pflege

Bessere Bezahlung für Mitarbeiter in der Pflege fordert Matthias Jena, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bayern. Er setzt sich nachdrücklich für mehr Gehalt schlecht verdienender Berufstätige in systemrelevanten Sektoren ein. Die Coronakrise habe gezeigt, dass nicht etwa der gut verdienende Manager die Gesellschaft am Laufen halte, sondern die Mitarbeitenden in der Pflege: „Vom Applaus kann man keine Miete bezahlen.“ Dies sei eine „nette Geste“, doch müsse jetzt über die Aufstockung der Gehälter gesprochen werden.
https://www.youtube.com/watch?v=ClJhKOtgE1M

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Heiner Keupp
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Christian Springer

Christian Springer: Laut aussprechen, wenn einem etwas nicht passt

Von einer Unterscheidung in „systemrelevant“ und „nicht systemrelevant“ hält der Kabarettist Christian Springer nichts. Die Diskussion ärgere ihn, denn: „Jeder ist systemrelevant - die Gesellschaft kann auf niemanden verzichten.“ Sein Gerechtigkeitssinn drängt ihn, „etwas laut auszusprechen, wenn einem etwas nicht passt“.
https://www.youtube.com/watch?v=crrZRJ_cqyI

Heiner Keupp: Familien häufigster Ort sexueller Gewalttaten gegen Kinder

„Familie ist heute der Ort, wo am allermeisten schief gehen kann“, sagt Heiner Keupp, Sozialpsychologe und Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Für die katholische Kirche habe die Deutsche Bischofskonferenz nach nicht vollständig geglückten Anläufen zugesagt, dezentral in jedem Bistum für schonungslose Aufklärung zu sorgen. Kommissionen sollten dafür sorgen, dass die Fakten „ohne Rücksicht auf Namen und Würdenträger“ auf den Tisch kämen. Die evangelische Kirche finanziere den Aufbau eines ganzen „Konsortiums“ der Aufarbeitung mit erheblichen Mitteln. Der häufigste Ort sexueller Gewalttaten gegen Kinder seien aber Familien. Die Coronakrise sei leider ein Katalysator, denn wenn Familien gezwungen seien, Tag und Nacht unter einem Dach zu bleiben , dann könnten Gewalt und sexuelle Übergriffe noch zunehmen. Genaueres werde man erst im Nachhinein wissen, aber schon jetzt häuften sich die Indizien etwa bei den Notfalltelefonen.
https://www.youtube.com/watch?v=3-PyO3B3DLA&feature=youtu.be

Jonas Bedford-Strohm: Reiner Frontalunterricht wird Bildungsauftrag nicht gerecht

Digitalkompetenz in der Schule hält der Medienethiker und Journalist Jonas Bedford-Srohm für wesentlich. Lehrkräfte, die sich weniger gut mit digitalen Medien und Technologien auskennen als ihre Schülerinnen und Schüler, könnten in reinen Frontalunterrichtsstunden dem Bildungsauftrag nicht gerecht werden. Vielleicht könne man die Corona-Pandemie als Chance wahrnehmen, um eine neue Form des Lernens auszuprobieren. Er sprach von „intergenerationalem Lernen“: Die Lehrkräfte wären in diesem Szenario vor allem Koordinatoren und Anleiter, die mit ihrem pädagogischen Fachwissen zu einer dynamischen und gemeinschaftlichen Lernform beitragen. Die Inhalte und die Umsetzung würden von den Schülerinnen und Schülern kommen.
https://www.youtube.com/watch?v=LZRUqGBFmTs&feature=youtu.be

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Jonas Bedford-Strohm
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Georg Marckmann

Georg Marckmann: Angemessene Behandlung hängt auch vom Patienten ab

Wie sollen Mediziner auswählen, welche Menschen behandelt werden, wenn es aufgrund der Auslastung nicht möglich ist, alle zu behandeln? Diese Frage versucht Georg Marckmann, Mediziner, Philosoph und Public-Health-Experte, zu beantworten. Nicht jede Therapie mache in jeder Situation Sinn, sagt er – und sei auch nicht immer gewollt. Die Frage nach der angemessenen Behandlung sei auch immer eine Frage nach dem Willen des Patienten. Sorgfältige Vorausplanungen für die gewünschten Behandlungen im Zusammenhang mit einer Patientenverfügung seien daher ebenso wichtig wie verlässliche Instrumente für Ärzte in Notfallsituationen.
https://www.youtube.com/watch?v=WPs-fFp3_CQ

Ilana Lewitan: Was wäre gewesen, wenn Jesus im Dritten Reich gelebt hätte?

„Stellen Sie sich vor, Jesus hätte im Dritten Reich gelebt. Was wäre ihm geschehen?“ Diese Frage stellt die Künstlerin Ilana Lewitan in einer Kunstinstallation im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München, die den Titel „Adam, wo bist du?“ trägt. Warum Jesus? Als Jüdin sei sie in dem Bewusstsein aufgewachsen, Jesus gehöre zum Christentum, sagt sie: „Bis ich verstand, dass Jesus Jude war“. Wenn er damals gelebt hätte, dann wäre wohl auch er im Konzentrationslager gelandet. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs will Ilana Lewitan nicht nur an Geschehenes erinnern, sondern „Bewegungsräume schaffen“ für die Besucherinnen und Besucher, die über die Kunst nicht nur lernen und verstehen, sondern auch fühlen sollen. Und indem sie den Bogen vom KZ-Überlebenden zu Geflüchteten bis hin zu Transgender-Menschen schlägt, entstehe hoffentlich ein Dialog.
https://www.youtube.com/watch?v=7Mz7Dc6bVUA

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Ilana Lewitan
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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnt vor illiberaler Demokratie

Leben wir in einer Diktatur? Solche Behauptungen auf Demonstrationen der vergangenen Wochen bezeichnet die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als „Schwachsinn“. Linke und rechte Kräfte in der Gesellschaft wollten ein „anderes System“ und nutzten die Verunsicherung der Menschen. Man könne deshalb aber keine Versammlungen verbieten. Die Versammlungsfreiheit sei ein „existentielles Grundrecht“. Anlass zur Sorge gibt ihren Worten zu Folge die Entwicklung in Ländern wie Ungarn und Polen. Die Bemühungen dort, eine illiberale Demokratie zu etablieren, stelle eine Herausforderung für den Zusammenhalt in Europa dar.
https://www.youtube.com/watch?v=cvUsJiJJnSE

Peter Maffay: Man muss radikaler denken

Man müsse „radikaler denken – im positiven Sinne“, fordert der in Tutzing lebende Musiker Peter Maffay. Denn die Zeitfenster, etwa für den Klimaschutz, würden kleiner. Der „richtige Umgang“ zwischen Menschen sowie zwischen Mensch und Natur sei ihm ein Anliegen. In bestimmten Teilen der Gesellschaft sei dieses Denken schon lange da. Wie wird die Corona-Krise unser Zusammenleben verändern? Maffay gibt sich zuversichtlich. Zuallererst hoffe er, dass die Gesellschaft den Nöten der am meisten Betroffenen Rechnung trage: „Wir brauchen einen langen Atem, wir dürfen nicht aufgeben,wir haben eine Verpflichtung für kommende Generationen.“
https://www.youtube.com/watch?v=kg7gAjnKw9g&t=540s

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Peter Maffay
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Die Evangelische Akademie © Fotos: dgr/ma-EAT-Archiv / CSU-Landtagsfraktion / L.G.
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