Am 8. September 2020 hat sich Tutzing mit einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss dem Bündnis „Städte Sicherer Hafen“ angeschlossen. Diesem Beitritt sollten Taten folgen. Als wir dann im November unsere Spendenaktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ gestartet haben, hat niemand auch nur im Traum daran gedacht, dass wir heute ein Spendenergebnis von 76 549 Euro vermelden können.
Besonders freuen wir uns, dass unsere Aktion auch über die Grenzen Tutzings hinaus in anderen Gemeinden sowohl durch GemeinderätInnen als auch durch BürgerInnen große Unterstützung erfahren hat. Die entstandenen Kontakte helfen uns bei der wichtigen Vernetzung, so zum Beispiel mit dem „Bündnis für Menschlichkeit – Sichere Häfen Landkreise Starnberg und Weilheim-Schongau“.
Heute möchten wir über die Mittelverwendung informieren. Unsere Recherchen, die uns letztlich zu den unten genannten Organisationen geführt haben, waren sehr interessant und haben uns sowohl auf unfassbare und unhaltbare Zustände als auch auf sehr engagierte Menschen und NGOs aufmerksam werden lassen.
Diese möchten wir Ihnen gerne heute, am Freitag, 18. Juni, bei einem Informationsabend „Wohin geht das Geld?“ um 19.30 Uhr im Roncallihaus vorstellen. Über ihre Arbeit berichten werden Vertreter von SOS Mediterranée, Medical Volunteers und Lesvos Sikldarity. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion statt. Moderation: Cornelia Janson, Ökumenischer Unterstützerkreis Tutzing. Thema u.a.: Wie geht es weiter im Herbat? Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen einen Ausblick auf unsere weiteren Aktivitäten zu geben. Denn nach den vergangenen sechs Monaten steht für uns fest: Wir machen weiter!
Spendenverwendung:
24 160 Euro an SOS Mediterranée
Organisation für Seenotrettung
24 160 Euro an Medical Volunteers International
Ehrenamtliche Ärzte im Flüchtlingslager Kara
7385 Euro an Lesvos Solidarity
Anmietung von Wohnungen und Häusern für Mütter mit Kindern
7 385 Euro an Starfish Foundation
Betrieb einer Bibliothek und eines integrativen Kindergartens
9959 Euro an Stand by me Lesvos
Bildungs- und Lebenshilfe für Kinder
3500 Euro an Drei Musketiere
Gewidmete Spende eines Großspenders für Nähmaschinen zur Ausbildung von Frauen in türkischem Flüchtlingslager

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Kommentare
BG, B. Rekus
Deren Ergebnis von >76000 € ist erstaunlich und man darf davon ausgehen, dass die Empfänger sorgfältig ausgewählt wurden, so dass die Hilfe vor Ort (wo sie dringendst benötigt wird) auch ankommt. Mehr gibt es dazu doch gar nicht zu sagen.
Kehren wir also wieder zur Sache zurück, und da habe ich zweierlei anzumerken. Zum einen weiß ich als Angehöriger eines helfenden Berufes aus der ganz persönlichen Erfahrung, dass der Wille zu helfen eine notwendige, aber nie eine hinreichende Bedingung darstellt. Der Kritik hat sich jeder zu stellen. Sogar der Papst, und neben ihm natürlich alle anderen, die eine Stimme, Geld oder Macht auf ihrer Seite haben. Zum anderen bin ich Ihnen für Ihre letzte Frage dankbar, denn die bringt uns wieder zu den großen Zusammenhängen zurück, ohne die wir als Hilfeleistende nicht zum Ziel kommen können.
Sie fragen nach den wahren Verantwortlichen für das himmelschreiende Elend an Europas Außengrenzen. Sehr gut, lassen Sie uns den Versuch unternehmen, diese Frage zu erörtern. Zum Beispiel indem wir uns Gedanken über die Verursacher der Klimakrise machen, über den internationalen Lastenausgleich und indem wir die Gerechtigkeit zum Thema machen. Gewiss werden wir nicht umhinkommen, uns intensiv mit dem Problem zu befassen, dass Entwicklungshilfe neben all dem Guten auch viel Schaden stiftet. Ihre Frage nimmt also letztlich wieder uns selber in die Pflicht, die wir vom lieben Gott am Luxuspol der weltweiten Wohlstandsverteilung schicksalshaft mehr als sanft abgesetzt wurden. Tun wir, die wir hier und in diesem Ausmaß privilegiert leben, tatsächlich genug, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu verringern und um damit gegen eine der wichtigsten Fluchtursachen anzuarbeiten? Meine Antwort ist eindeutig: Nein, das tun wir nicht.
Wenn man sein ganzes Leben lang vom glücklichen Privileg der zufälligen Geburt hinein in eine Zeit und in eine Gesellschaft mit relativen Wohlstand, mit Bildung und Frieden profitiert hat, und dann fällt einem nichts besseres ein, als mit der leicht dahingetippten Pauschalkritik an den Spenden gleichzeitig auch die ehrenamtliche Arbeit der vielen Mitarbeiter dieser 6 seriösen und gemeinnützigen Hilfsorganisationen mit in den Dreck zu ziehen.
Ich engagiere mich selbst an anderer Stelle seit Jahren in meiner Freizeit ehrenamtlich und unentgeltlich für das Gemeinwohl, und empfinde solch super-schlaue Kommentare für die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen wirklich absolut überflüssig, unangebracht, in Teilen schäbig... und rundum traurig.
(Hier vertritt der ehemalige Gemeinderatskandidat der Grünen hoffentlich nicht die offizielle Parteilinie?)
Man muss offensichtlich tatsächlich ausdrücklich daran erinnern, dass die Rettung der "Boat People" im Mittelmeer seit Jahren beinahe ausschließlich durch private, auf Spenden angewiesene Hilfsorganisationen stattfindet! Und auch danach, wenn das nackte Leben erst mal gerettet wurde, leisten wieder private Hilfsprojekte einen Großteil der sozialen Arbeit und Unterstützung!
Angesichts dessen von "Selbstbetrug" zu schreiben und "Denn ob das gespendete Geld irgendetwas zum Besseren verändert, steht nach menschlichem Ermessen in den Sternen" ist extrem zynisch und eine komplette Verdrehung der Sachlage.
Warum kritisiert man diejenigen, die alle auf ihre Art und nach ihren Möglichkeiten helfen?
Warum kritisiert man nicht die wahren Verantwortlichen für das himmelschreiende Elend!
„Die Tutzinger Bürger möchten gerne helfen und die Spendenaktion verteilt den genannten Betrag auf diverse Hilfsorganisationen, die vor Ort tätig sind."
Das "erfolgreich" in der Überschrift hilft uns, die wir hier sicher und im Überfluss leben, das Wissen um die (geschätzt) 22.000 seit 2014 im Mittelmeer Ertrunkenen und all das andere Geflüchteten-Elend leichter zu ertragen. Es bleibt jedoch ein Selbstbetrug. Denn ob das gespendete Geld irgendetwas zum Besseren verändert, steht nach menschlichem Ermessen in den Sternen. Die Hoffnung könnte auch deshalb trügen, weil private Hilfsinitiativen die Tendenz der europäischen Staaten befördern, sich aus ihrer Verantwortung für diese ungeheuerliche humanitäre Katastrophe zu nehmen.