Bauplanung
10.12.2021
Von vorOrt.news

So könnte Tutzings neue Ortsmitte aussehen

Pläne für einen Platz überzeugen die Gemeinderäte - aber die Höhe der Bebauung sorgt für Diskussionen

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Tutzings neue Ortsmitte nach dem Konzept von Stadtplaner Burgstaller: Rechts der von der Hauptstraße abgerückte Neubau, der den Edeka-Markt ersetzen soll, mit einem von zwei Vorbauten. Links die Einmündung der Marienstraße. © Prof. Florian Burgstaller

In Tutzings Zentrum weitet sich die Hauptstraße. Dort, wo früher der Tengelmann und für kurze Zeit ein Edeka-Markt waren, bummeln Passanten an Läden vorbei, die ein paar Meter von der Hauptstraße entfernt sind. Gegenüber sitzen die einen gemütlich an Tischen der verschiedenen dort befindlichen Lokale, die anderen spazieren über die Marienstraße oder die Leidlstraße und die Schlossstraße zum See hinunter. Dort, zwischen der Evangelischen Akademie und dem neuen Hotel, lockt eine breite Fußgängerpromenade mit Cafés und Boutiquen. Manche peilen ein Bistro direkt neben dem Dampfersteg an.

Eine Vision? Genau so könnte in gar nicht so entfernter Zukunft die Tutzinger Ortsmitte aussehen. Die Plankonzeption für das Seehof-Gelände hat der Gemeinderat schon vor einiger Zeit genehmigt. Öffnung der Ortsmitte zum See Eine überarbeitete Konzeption für die Hauptstraße im Bereich des früheren Tengelmann/Edeka trug Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller am Dienstag im Gemeinderat vor, nachdem er erste Ideen schon im Juli präsentiert hatte. Entwürfe für Tutzings neue Ortsmitte

Beifall für den Platz, Kritik an der Bauhöhe

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Blick von Norden: Der Neubau - hinten rechts - tritt optisch zurück, an der Straße sieht man zwei niedrigere Vorbauten, die ihn ergänzen sollen. © Prof. Florian Burgstaller

Allgemein Beifall fand wie schon bei den ersten Besprechungen zur Jahresmitte, dass das langgestreckte Bauwerk mit dem leer stehenden Supermarkt durch einen von der Hauptstraße abrückenden Neubau ersetzt werden soll, wenn das Eisenwarengeschäft der Eigentümerfamilie Müller nebenan, wie schon vor einiger Zeit für 2022 angekündigt, geschlossen worden ist. Zusammen mit der gegenüberliegenden Einmündung der Marienstraße soll dann so etwas wie ein Platz entstehen, was allen gefällt.

Kritik gab es aber an den vorgestellten Entwürfen für ein neues dreistöckiges oder mit Dachgeschoss vierstöckiges Gebäude: Etliche Gemeinderäte, von Dr. Ernst Lindl und Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) über Georg Schuster (FDP) bis zu Stefanie Knittl (SPD), betrachteten so einen Bau als zu hoch, zumal er mit 28 Metern Breite an der Hauptstraße „ein ganz schönes Trumm“ sei, wie Stefanie Knittl bemerkte.

Bürgermeisterin Greinwald hält das Konzept für überzeugend

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Blick von Süden: Etwa von der Eisdiele aus würde sich diese Ansicht ergeben. © Prof. Florian Burgstaller

Über diese verbreitete Skepsis äußerte sich Bürgermeisterin Marlene Greinwald „sehr verwundert“: Sie zeigte sich von der Plankonzeption überzeugt, die gut in die Ortsmitte passe und nicht nur einen Platz, sondern auch Wohnraum ermögliche - vielleicht sogar in bezahlbarer Form. Die derzeitige Situation mit dem leer stehenden ehemaligen Supermarkt sei kein tragbarer Zustand. An die Gemeinderäte richtete sie regelrecht ein Plädoyer: „Wir sind alle verpflichtet, dass wieder mehr Belebung in den Ort kommt.“ Klar für das Konzept sprach sich "trotz der Baumehrung" auch Bernd Pfitzner von den Grünen aus.

Bei einer Abstimmung wäre das Konzept wahrscheinlich abgelehnt worden. Doch gegen Schluss nahm die Debatte auf einmal eine andere Richtung auf. Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) regte eine Anpassung des Konzepts an, sein Parteikollege Georg Schuster erkundigte sich, ob denn mit einem Beschluss schon alles festgelegt sei. Daraufhin erklärte Bauamtleiter Christian Wolfert: „Der Bebauungsplan ist so lange nicht fertig, bis er beschlossen ist.“ Also wurde klar: Es ist noch nichts endgültig. Und plötzlich war eine Patentlösung da: Generell wird der Konzeption zugestimmt, doch Stadtplaner Burgstaller soll auch noch eine Variante mit niedrigerer Bebauung erarbeiten. Diese Vorgehensweise wurde einstimmig beschlossen - und alle waren zufrieden.

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Blick von der Marienstraße aus: Die Türme der Kirche St. Joseph sollen auch künftig zu sehen sein. © Prof. Florian Burgstaller
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