Bauplanung
14.1.2021
Von vorOrt.news

Umstrittene Bebauung neben Bahngleisen

Differenzen um „sozialverträgliche“ Wohnungen - Lange Diskussion im Bauausschuss

Die geplante Neubebauung längs der Bahngleise an der Heinrich-Vogl-Straße ist nach Jahren der Planung immer noch umstritten. Auf dem derzeit noch mit alten Baracken bebauten Gelände, auf dem sich vor vielen Jahren ein Öllager befand, plant eine HeiVo Projekt GmbH drei Gebäude im Bereich zwischen der Bahnhofstraße und der Bahnunterführung, zwei davon – „A“ und „B“ - dreigeschossig, das der Unterführung nächstliegende - „C“ - zweigeschossig. Die Mauer an der Straße soll entfernt werden, erläuterte Stadtplaner Martin Büscher am Dienstag im Bau- und Ortsplanungsausschuss des Gemeinderats. So soll nach seinen Angaben Platz geschaffen werden und eine gewisse Aufenthaltsqualität in der Nähe der evangelischen Kirche entstehen.

Anzeige
Folie1.png

Kein Fall für "SoBon"

Zum Dreh- und Angelpunkt wurde am Dienstag ein gewisser Anteil „sozialverträglicher“ Wohnungen, die die Gemeinde fordert. Anfang dieses Jahres hatte sich der Bauausschuss entschlossen gezeigt, in diesem Fall das so genannte Tutzinger Modell der „sozialgerechten Bodennutzung“ (SoBon) anzuwenden. Danach kann Bauwerbern neues Baurecht unter der Voraussetzung genehmigt werden, dass sie im Gegenzug einen Teil ihrer Fläche zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. Bei der Besprechung klang aber durch, dass „SoBon“ bei diesem Vorhaben nicht angewendet werden kann.

Nun ist stattdessen eine so genannte „Durchführungsvereinbarung“ vorgesehen. „Eine sozial vermarktbare Komponente“ habe die Gemeinde von Anfang an gewollt, erklärte Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Die Gemeinde hat den Rechtsanwalt Dr. Volker Gronefeld mit der juristischen Beratung beauftragt. Gronefeld war bei der Sitzung anwesend und hörte sich die unterschiedlichen Argumente interessiert an.

Vogl4.jpg
Die Mauer soll verschwinden - hier soll ein Platz entstehen © L.G.

Höheres Gebäude oder weniger Gewerbe?

In einer langen Diskussion traten deutliche Differenzen zu Tage. Die beiden Bauwerber Matthias Hörmann und Peter Treiber verwiesen auf Kalkulationen, die eine Finanzierung des Projekts mit den geforderten sozialverträglichen Wohnungen erschwerten. Sie sahen nur zwei Möglichkeiten: Entweder das der Bahnhofstraße nächstliegende Gebäude „A“ könne einen Meter höher werden als bisher vorgesehen; auf diese Weise könnten zusätzlich 300 Quadratmeter „sozialverträglicher“ Wohnraum entstehen. Oder eine im Erdgeschoss geplante Gewerbefläche werde reduziert, so dass an dieser Stelle Platz für Wohnungen entstehen könne.

Bei den Ausschussmitgliedern kam keine dieser Varianten wirklich gut an. Mehrere von ihnen sprachen sich gegen eine Erhöhung der bisher geplanten Gebäude aus. Gewerbliche Nutzung gilt seit langem als Wunsch der Gemeinde, die dieses Areal vor Jahren sogar vollständig zu einem „Handwerkerhof“ für einheimische Betriebe machen wollte. Offenbar wird auch an ein Café oder eine andere gastronomische Einrichtung in Erdgeschosslage gedacht.

Die Ansichten wogten hin und her. Dr. Ernst Lindl (CSU) vertrat die Auffassung, dass bei einem so hohen Baurecht sozialverträgliche Wohnungen eigentlich schon integriert sein und nicht mit noch weiterer Fläche zusätzlich „draufgesattelt“ werden müssten. Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) bezeichnete es als nachvollziehbar, mehr Wohnraum zu generieren und dafür weniger Gewerbe zu akzeptieren. Auch Florian Schotter (CSU) meinte, er könne eher auf Gewerbe an dieser Stelle verzichten. Barbara Doll (UWG Traubing) mahnte konkrete Angaben über die Anteile von "sozialverträglichen" und "freien" Wohnungen an. Generell sprach sie sich für mehr Gewerbe aus, doch ohne genaue Informationen sei es schwer zu beurteilen. Christine Nimbach (Grüne) verwies auf ohnehin etliche Leerstände bei Tutzinger Gewerbeflächen. Thomas Parstorfer (CSU) warnte dagegen: „Auf das Gewerbe würde ich ungern verzichten.“ Schließlich benötige die Gemeinde auch Gewerbesteuer. Stefan Feldhütter (Freie Wähler) brachte eine Erhöhung der Gebäude B oder C statt des Gebäudes A ins Gespräch, um "etwas mehr Rendite" zu erzielen. Zur Debatte standen auch Gauben, um mehr Wohnraum zu ermöglichen. Gegen die hätte er nichts, sagte Schotter. Sein Fraktionskollege Lindl hielt Gauben „nicht für zielführend“, woraufhin Schotter lakonisch erwiderte: „Geschmackssache.“

Vogl2.jpg
An der Stelle der alten Baracken sind drei Neubauten vorgesehen: Blick von Westen auf das Planareal

Rechtsanwalt sieht Erhöhung nicht als "Denkverbot"

Bürgermeisterin Greinwald ließ die Diskussion lange laufen, offenkundig in der Hoffnung, dass sich ein klares Meinungsbild für die weiteren Verhandlungen mit den Bauwerbern herauskristallisieren werde. Doch schließlich kommentierte sie ernüchtert: „Wir kommen nicht richtig weiter.“ Auch Rechtsanwalt Gronefeld wirkte eher irritiert, als er die Diskussion zusammenzufassen versuchte. Eine Erhöhung des Gebäudes „A“ sei nicht gewünscht, beim Gebäude „C“, nahe der Unterführung, sei dies offen, beim mittleren Gebäude „B“ wisse er es nicht genau. Zudem fehlten ihm noch wichtige Daten, sagte auch er. So habe er keine Kenntnis vom gewünschten Anteil sozialverträglicher Wohnungen.

Immerhin glaubte der Jurist in der Diskussion einen Ansatzpunkt für eine Lösung herausgehört zu haben. „Es könnte eine Möglichkeit der Erhöhung geben“, sagte er. Denn auch auf eine geplante Aufstockung des Hotels "Engelhof" auf der gegenüberliegenden Straßenseite war verwiesen worden. Vielleicht seien Gauben und eine andere Dachneigung als bisher vorgesehen denkbar, meinte Gronefeld. „Das sollten wir mitnehmen“, rief er den Ausschussmitgliedern zu. Sofort gab es Widerspruch, und der Rechtsanwalt glaubte beim neben ihm sitzenden Stadtplaner Martin Büscher eine skeptische Miene zu erkennen. Doch er blieb dabei: „Ich sehe das nicht als Denkverbot.“

Vogl3.jpg
Die Neubauten sollen direkt neben den Park-and-Ride-Plätzen entstehen, wo sich derzeit noch alte Baracken befinden © L.G.

Nach acht Jahren noch keine endgültige Lösung

Einen Beschluss gab es in dieser Sitzung nicht. Die Bauwerber machten einen wenig zufriedenen Eindruck. Acht Jahre laufe diese Angegelenheit nun schon, sagte Hörmann sichtlich enttäuscht: „Und wir haben keine extreme Flächenmehrung.“ Bürgermeisterin Greinwald hofft in weiteren Verhandlungen mit den Bauwerbern auszuloten zu können, „in welcher Richtung eventuell noch etwas möglich ist".

Mehr zum Thema:
Vertrag soll „günstige Mietpreise“ regeln
Häuser auf Stelzen, Parkdeck im Hang
Neue Wohnanlage in Bahnhofsnähe
Hotel Engelhof wird vergrößert
Handwerkerhof statt Wohnen in Bahnhofsnähe

Über den Autor

vorOrt.news

Add a comment

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.
Feedback / Report a problem