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Ein Fahrradständer erhitzt die Gemüter

Neben Eisdiele soll Parkplatz wegfallen - Kritik in Kreisen der Gewerbetreibenden - ATG-Treffen

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Autoparkplatz oder Fahrradständer neben der Eisdiele? An dieser Frage erhitzen sich die Gemüter © L.G.

Einen neuen und sicheren Fahrradständer mitten im Tutzinger Ortszentrum, neben der Eisdiele „Corallo“, hat Roberto Mestanza vorgeschlagen, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG). Auf einem derzeitigen Parkplatz vor der Eisdiele, der damit wegfallen soll, ist die kleine Anlage vorgesehen, die über Werbung finanziert werden soll. Diese Anregung ist kürzlich im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats auf Zustimmung gestoßen, es gab einen einstimmigen Beschluss. Auch die Tutzinger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) begrüßt diese Initiative. ADFC über Radständer „sehr erfreut“ Aber nun erhitzt der Vorstoß die Gemüter. Es gab deutliche Kritik unter den Gewerbetreibenden, wie Mestanza bestätigt. Bei einem Vorstandstreffen am Mittwoch war die Angelegenheit Thema.

Der Hintergrund: Die ATG setzt sich seit Jahren energisch für den Erhalt möglichst vieler Parkplätze an der Hauptstraße ein. Denn die Erreichbarkeit mit Autos halten die meisten Gewerbetreibenden im Ortszentrum für wesentlich, um auch in Zukunft gegen die immer größer werdende Konkurrenz, Online-Angebote und Supermärkte mit großen Parkflächen bestehen zu können. Als die Sanierung der Hauptstraße vorbereitet wurde, schien der Bestand zahlreicher Autostellflächen jedoch nicht mehr sicher. Bei Bürgerforen wurden Skizzen präsentiert, auf denen nur noch wenige Parkplätze zu erkennen waren. Für deren Beibehaltung haben die Gewerbetreibenden damals mit einer Aktion gekämpft - erfolgreich: Die Planungen wurden geändert, die meisten Parkplätze sollen bestehen bleiben.

Mestanza verweist auf Wandel im Mobilitätsverhalten

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Wenig Autos: Eine Skizze mit einem Vorschlag aus der Planungszeit für die Sanierung der Hauptstraße © Architekturbüro Martin Büscher

Nun aber soll doch ein Parkplatz mitten im Ort entfallen - zugunsten des Fahrradständers. Diese Idee erscheint manchen Gewerbetreibenden angesichts des engagierten Plädoyers für Parkplätze kontraproduktiv. Mestanza sah sich deshalb in den vergangenen Tagen mit etlichen Vorhaltungen konfrontiert - bis hin zu Zweifeln, ob die ATG überhaupt noch im Sinn ihrer Mitglieder agiere. Es gebe ja auch schon Fahrradständer in der Ortsmitte, wurde argumentiert, so zum Beispiel neben dem Vetterlhaus.

Mestanza verweist aber auf manchen Wandel im Mobilitätsverhalten. Nicht zuletzt die Corona-Krise hat nach seiner Beobachtung Änderungen herbeigeführt. So lieferten mittlerweile viele Geschäfte auf Wunsch ihre Waren aus - ein Aspekt, der vielleicht hier und da dazu beitragen könnte, aufs Auto zu verzichten. Auffallend sei zudem derzeit eine beträchtliche Nachfrage nach Fahrrädern. Von einem Fahrrad-Boom ist die Rede.

Viele der neuen Räder, gerade E-Bikes und Pedelecs, sind recht hochwertig - deshalb wollen ihre Besitzer sie gut sichern, wenn sie sie abstellen und zum Einkaufen oder in die Eisdiele gehen. „Fahrräder werden geklaut wie verrückt“, sagt Mestanza. Die meisten älteren Fahrradständer bieten aber seiner Meinung nach längst nicht so gute Sicherungsmöglichkeiten wie neue Anlagen. Und neuere, gute Fahrradständer wie beispielsweise neben dem Rathaus seien zu weit von den Geschäften an der Hauptstraße entfernt - die werde kaum ein Kunde zum Einkaufen nutzen.

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Viele Autos, daneben Radfahrer und Fußgänger: In Tutzing brauchen unterschiedlichste Mobilitätsformen ihren Platz © L.G.

Bisher stand auf dem Parkplatz oft eine große Eistüte

Was der Mobilitätswandel bedeutet, das belegen für den ATG-Vorsitzenden Beispiele wie Amsterdam: In der holländischen Stadt gebe es Fahrradhäuser mit tausenden Stellplätzen. Auch wenn Tutzing von solchen Entwicklungen noch weit entfernt ist, sollte man doch auch in dieser Gemeinde unbedingt mit der Zeit gehen, sagt Mestanza: „Wir als ATG müssen darauf reagieren - wir müssen sehen, dass wir nicht den Zug der Zeit verpassen.“

Wenn der Parkplatz neben der Eisdiele zugunsten des Fahrradständers wegfällt, wird dies den Betreibern der Eisdiele übrigens gar nicht so unlieb sein, meint Mestanza. Sie haben Autos dort nach seiner Kenntnis gar nicht gern gesehen, denn die verstellen den Blick auf ihren Laden. Das gilt erst recht, wenn auf dieser Fläche ein Lastwagen parkt. Deshalb haben sie häufig schon eine Mülltonne in Form einer Eistüte auf diese Fläche gerückt, um Fahrzeuge fernzuhalten.

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Comments

Ich wuerde vorschlagen den Radlstaender nicht zur Hauptstraße hin zu positionieren, sondern dort, wo auch Autos parken, Schlossstr., hier sind die Tische der Eisdiele, ist doch viel entspannter.!
Ich kann die Initiative von Roberto Mestanza nur unterstützen...es geht hier um EINEN (!) Parkplatz, der in der Zeit von Frühjahr bis Herbst ohnehin von Dutzenden Radlern benutzt wird, um beim Corallo Eis zu fassen. Um wieviel Menschen mehr jetzt mit dem Fahrrad bei uns unterwegs sind, sehen wir ja nicht nur in der Urlaubssaison. Richtige Idee zur rechten Zeit...und dann noch kostenneutral.
Das ganze Umland radelt und in der Hauptstraße, speziell an der Eisdiele, halten von groß bis klein und von Sportlern bis zur Familie mit Kleinkindern immer Dutzende Radfahrer. Das sollte man unterstützen, weniger Verkehr auf der Straße macht den ganzen Ort attraktiver.
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