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Märchenhafte Szenerie

Die verwunschene Welt der Tutzinger Waldschmidtschlucht in prächtigen BildernFotos: Ulrich Wagner / Text: Lorenz Goslich

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Der Herbst hat die Waldschmidtschlucht in besondere Farben getaucht

In malerischen Bildern hat der in Tutzing lebende Fotograf Ulrich Wagner Details der Waldschmidtschlucht festgehalten. Sie erlauben ganz ungewohnte Einblicke in das wildromantische Gebiet.

Von der Straße „Am Pfaffenberg“ schlängelt sich ein Pfad idyllisch am Kalkgraben entlang. Ein Zweig führt an Höhlen vorbei zum Höhenrain, wo manche Häuser recht nah an den Abgrund heran errichtet sind. Ein anderer Zweig verläuft mal diesseits, mal jenseits des Bachs, der gerade im Frühling manchmal viel Wasser führt, während er zu anderen Zeiten fast wie ausgetrocknet wirken kann.

Der Weg, den der Dichter Thomas Mann liebte, ist voller Wurzeln. Je nach Jahreszeit wachsen rundherum unterschiedlichste Pflanzen, Eichhörnchen und allerlei andere putzige Tiere tummeln sich in diesem Gebiet, das direkt neben Tutzinger Siedlungen und doch eine ganz eigene, fast ein wenig verwunschene Welt ist. Auch wenn mehrere Tuff- und Tropfsteinhöhlen, aus denen Material unter anderem für Häuser geholt worden ist, 1865 beim Bau der Eisenbahn zerstört worden sein sollen, hat sich hier eine märchenhafte Szenerie erhalten. Ganz hoch oben kann man die Gebäude an der Elly-Ney-Straße erspähen oder besser erahnen, die vom Bach aus weit entrückt wirken.

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Mitten hinein gebaut in die Märchenwelt ist diese Mauer, über die das Wasser des Kalkgrabens hinab stürzt
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Trotz aller Freude an der Romantik sollte man die Augen offen halten: Brücke im oberen Bereich © www.starnbergerseefotos.de

Die Schlucht ist voller Totholz, in dem sich viele und auch seltene Pilzarten angesiedelt haben. Benannt ist sie nach dem bayerischen Heimatschriftsteller Maximilian Schmidt (1832-1919), der Eigentümer des Midgardhauses war, der viel über die Starnberger Seetraditionen geschrieben und den König Ludwig II. sehr geschätzt hat. Der Namenszusatz „Waldschmidt“, der Schmidt verliehen wurde, ist erblich, seine Nachkommen nutzen ihn noch heute. In Tutzing erinnert auch die Waldschmidtstraße an den gebürtigen Oberpfälzer, und im November hat der Verkehrsausschuss des Gemeinderats beschlossen, die an dieser Straße befindliche Fußgänger- und Radfahrer-Bahnunterführung „Waldschmidtunterführung“ zu nennen. Vor Jahrzehnten befand sich an dieser Stelle ein beschrankter Bahnübergang, der auch für Autos eine Verbindung über die Gleise zwischen dem oberen und dem unteren Teil Tutzings ermöglichte.

Wegen mehrerer Holz- und Metallbrücken, die mal auf die eine, mal auf die andere Seite des Kalkgrabens führen, witzeln Tutzinger auch vom „Siebenbrückenweg“. Manch einer summt, während er dort entlang spaziert, den von der Band Karat stammenden Song „Über sieben Brücken musst du gehn“, den der Wahl-Tutzinger Peter Maffay sehr bekannt gemacht hat - auch wenn es streng genommen in der Waldschmidtschlucht mehr als sieben Brücken sind. An deren Ende erreicht man etwas schräg in den steilen Hang gebaute Stufen, bei deren Benutzung man in der kalten Jahreszeit, wenn es glitschig oder gar eisglatt werden kann, Vorsicht walten lassen sollte. Auf dieser Treppe gelangt man hinauf in den deutlich höher gelegenen Bereich. Oben verläuft der Weg dann weiter durch den Wald bis zur Siedlung Luswiese. Dort gibt es noch eine weitere Brücke, die etwas marode wirkt, so dass bei ihrer Überquerung eine Anlehnung an das Lied von Karat und Maffay wohl nicht empfehlenswert ist: „Manchmal geh‘ ich meine Straße ohne Blick...“

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