Kultur
23.12.2019
Von vorOrt.news

Kamel zu groß: Ali springt für Tamara ein

Über 300 begeisterte Besucher bei ausgefallenem Weihnachtsspiel in der Christuskirche

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Na, wie hat er das gemacht? Konstantin Klages vom Hof "Bayern-Kamele" war mit Alis Auftritt in Tutzing zufrieden

Tamara konnte am Sonntag doch nicht beim Tutzinger Weihnachtsspiel auftreten. Die eigentlich eingeplante elfjährige Kameldame ist zu groß: Sie hätte nicht durch die Pforte der evangelischen Christuskirche gepasst, in die die ursprünglich als Freilichtaufführung gedachte Vorstellung wegen des regnerischen Wetters verlegt worden ist. Aber es gab Ersatz: Ali, ein siebenjähriger Wallach, hat an Tamaras Stelle bei dem Stück mitgewirkt. Er wiegt „nur“ 650 Kilogramm, sagte sein Besitzer Konstantin Klages, der Chef des Hofs "Bayern-Kamele" in Grub (Gemeinde Valley), im Gespräch mit vorOrt.news. Tamara dagegen bringt gut eine Tonne auf die Waage. Vor allem ist Ali kleiner, und das hat ihm die Tutzinger Rolle eingebracht.

Hintergründige Inhalte

Das auch sonst in vieler Hinsicht ausgefallene Weihnachtsspiel in der dicht besetzten Christuskirche wurde zu einem großen Erfolg. Unter den gut 300 Besuchern war viel Lokalprominenz. Schwestern der Tutzinger Missionsbenediktinerinnen waren ebenso dabei wie der katholische Pfarrer Peter Brummer und Gemeinderäte. Ihnen und allen anderen Gästen war anzusehen, wie sie die mit beträchtlichem Elan vorgetragenen Darbietungen und auch ganz besonders die hintergründigen Inhalte genossen. Denn das Stück fußte zwar auf der Weihnachtsgeschichte, wie man sie aus dem Lukas-Evangelium kennt. Doch diese Tutzinger Fassung war von ganz eigener Art.

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Humorvoll, kritisch und einfühlsam

Das Laien-Ensemble mit Pia Benke, Maria Kärcher, Brigitte Kienzle, Magdalena Rabas, Erika Schalper und Sara Hafner hat die Vorkommnisse rund um die Geburt des Jesuskindes auf sehr ideenreiche Weise mit vielen eigenen Einfällen interpretiert. Schwester Franziska Lehmann hat sie einfühlsam mit E-Piano und Psalterium musikalisch umrahmt, womit die Aufführung ganz nebenbei auch ökumenischen Charakter annahm. Teils sehr humorvolle und zwischendurch ganz schön kritische Texte der Mitwirkenden sorgten zwischendurch immer wieder für Gelächter und nach der Vorstellung noch für manche Kommentare.

Alis Auftritt bringt Kinder und Erwachsene zum Strahlen

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Umjubelt war das gelungene Weihnachtsspiel in der dicht besetzten Christuskirche © L.G.

An vielen Details spürbar war die sorgfältige Inszenierung durch die Regisseurin Annalena Maas, die wohl recht streng war, wie Mitwirkende später erzählten, und durch die theaterbegeisterte Tutzinger Pfarrerin Beate Frankenberger, die die Texte auswendig konnte und sie am Rande mitsprach.

Einer der Höhepunkte war der Auftritt der zehnjährigen Sara Hafner, die als Engel singend, die frohe Botschaft verkündend, tatsächlich schier durch die Kirche zu fliegen schien. Kurz darauf kam Ali. Gelassen, wie Kamele nach den Worten von Besitzer KIages nun mal sind, wartete das Tier vor der Kirchenpforte, bis es an der Reihe war. Aber Ali war nicht allein: Mit ihm warteten dort noch etliche weitere Besucher der Aufführung, die nicht mehr rechtzeitig hineingekommen waren. Denn alle Plätze waren schon lange vor Vorstellungsbeginn besetzt, auch in den Gängen standen die Menschen dicht gedrängt, und der Mittelgang musste frei bleiben. Als Ali dann endlich seinen großen Auftritt hatte, folgten ihm die Besucher, die draußen geblieben waren. Da wurde es in der Kirche noch enger, aber das war in diesem Moment zweitrangig. Die Gesichter vieler Kinder - und auch Erwachsener - strahlten, als Ali in die Kirche kam.

Nach der Vorstellung war Ali sehr gefragt

Gemächlich und ein wenig stolz schritt das Tier durch die Menge und hinten wieder hinaus. Nach der Vorstellung war Ali dann im Freien erst recht der Star, umringt von jungen und älteren Leuten. Viele Kinder durften sich auf das Tier setzen, Konstantin Klages stand zufrieden daneben, und Ali ließ alles mit sich machen, mit wahrhaft stoischer Ruhe. Es wirkte sogar ein wenig genießerisch. Gut, schien er sich zu denken, dass Tamara so groß ist.

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Comments

sehr passend :-)...apropos „ Es ist leichter, dass ein Kamel durchs Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.»“
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