Von vorOrt.news

Start an Tutzings nächster Großbaustelle

Schulsanierung hat begonnen - Umfangreiche Erneuerung des Areals - Finanzierung offen

Sanierung3.jpg
Schule abgesperrt: Für den Schulanfang nächste Woche wird das wohl nicht gelten. Die Reste des "Löwenzahn"-Projekts im oberen Schulhof hat ein Bagger unterdessen beseitigt. © L.G.

An Tutzings nächster Großbaustelle haben die Arbeiten begonnen: Bei der Sanierung der Mittelschule war dieser Tage der Start. Der Zugang zur Grundschule ist zeitweise abgesperrt, aber das wird wohl nicht bedeuten, dass der Schulanfang in der nächsten Woche ausfällt. Während die Mittelschüler in die Feldafinger Bundeswehr-Kaserne „ausgelagert“ worden sind, soll die Grundschule ja trotz der Baumaßnahmen weiter ganz normal genutzt werden.

Beseitigt haben die Bauarbeiter mittlerweile im oberen Schulhof noch verbliebene Überbleibsel des vor Jahren von einer Elterninitiative errichteten „Löwenzahn“-Projekts. „Ein wirklich fundierter, guter Ansatz" Neben dem Schulkomplex, auf der Greinwaldstraße, stehen schon seit Wochen Container für die Bauarbeiter, und Teile des Gehwegs sind abgesperrt.

L-enzahn1.jpg
Beseitigt worden sind zu Beginn der Sanierungsarbeiten die Reste des "Löwenzahn"-Projekts im oberen Schulhof. In diesem Rahmen hatten Kinder, Eltern und Lehrer der Grund- und Mittelschule, der damaligen Hauptschule, und weitere Mitwirkende die Schulhöfe in den Jahren 2003 bios 2005 mit aufwändigen Maßnahmen umgestaltet - hier ein altes Bild der dabei entstandenen Anlagen.
Anzeige
Webrug_1_EDEKA_HEISS.gif

Das jüngste Gebäude ist besonders sanierungsbedürftig

Das gesamte Schulareal zwischen der Traubinger Straße und der Greinwaldstraße steht vor einer umfangreichen Erneuerung. Begonnen hat sie bereits mit dem alten Lehrerwohnhaus an der Greinwaldstraße, das jahrelang geschlossen war und innen auf neuen Stand gebracht wurde. Dort ist jetzt der BRK-Kinderhort „Krambambuli“ untergebracht. Das 1915 errichtete alte Volksschulhaus daneben soll behutsam renoviert werden, in seinen Räumen soll die Schulverwaltung unterkommen. Das jüngste all dieser Gebäude gilt als komplett sanierungsbedürftig: Der Bau der Mittelschule an der Traubinger Straße aus den 1970er Jahren soll vollständig entkernt werden. Von ihm soll gewissermaßen nur das Skelett stehen bleiben, um das herum dann ein neuer Holzbau mit einer Mensa entstehen soll.

Sportangebote auch für die Öffentlichkeit

Sanierung4.jpg
Zwischen altem und "neuem" Gebäude soll es künftig gefälliger aussehen © L.G.

Eine zweigeschossige Brücke soll den Altbau und den Neubau verbinden, der schmale Durchgang zwischen beiden soll ansprechender gestaltet werden. Verschwinden soll die Überdachung zwischen der alten Volksschule und der Grundschule. Stattdessen ist ein attraktiver Eingang vorgesehen.

Zahlreiche Neuerungen sind auch im Außenbereich geplant. Dazu soll eine ganze Palette attraktiver Sporteinrichtungen gehören, von Tischtennisplatten über Ballsportflächen und eine Boulderwand mit Fallschutz bis zu „Calisthenics“. Etliche dieser Angebote sollen auch der breiten Bevölkerung zur Verfügung stehen, nicht nur der Schule. In einem pädagogischen Konzept, an dessen Ausarbeitung Lehrer und Schüler beteiligt waren, soll auch die Ökologie eine wichtige Rolle spielen, so mit Vogelnistkästen, Insektenhotels und Hochbeeten. Schüler haben sich besorgt wegen der Bäume auf dem Schulareal geäußert. Ein Baum gilt als nicht erhaltbar, eine bestehende Linde soll an einen anderen Standort versetzt werden. Bestehen bleiben soll offenbar das kleine „Theatron“ auf der oberen Außenfläche.

Sanierung5.jpg
Das kleine "Theatron" soll offenbar erhalten bleiben. Für Tischtennis und andere sportliche Aktivitäten sind etliche Angebote vorgesehen. © L.G.

Zwischenfinanzierung per Geschäftsbesorgungsvertrag

Sanierung1.jpg
Container für die Bauarbeiter stehen auf früheren Parkplätzen, die Bauarbeiten laufen. Die Finanzierung sorgt aber noch für Diskussionen. © L.G.

Bei den Sanierungsarbeiten der Schule geht die Gemeinde einen anderen Weg als bei anderen größeren Projekten: Sie hat diese Aufgabe mit einem Geschäftsbesorgungsvertrag an das Unternehmen „Bayern-Grund“ abgetreten. Die der Bayerischen Landesbank und der Sparkassenorganisation nahestehende Gesellschaft fungiert in diesem Fall quasi als externes Bauamt, übernimmt die Baubetreuung und zunächst auch die Finanzierung. Der Gemeinde wird die Bezahlung des teuren Vorhabens damit nicht erspart. Sie wird nur bis zum Abschluss der Bauarbeiten verschoben, denn es handelt sich um eine Zwischenfinanzierung.

Die geschätzten Kosten haben sich mit der Zeit immer weiter erhöht. Vor langer Zeit war mal von drei Millionen Euro die Rede gewesen, vor ein paar Jahren wurden 16 Millionen Euro genannt, zuletzt waren 25 Millionen Euro im Gespräch, aber in Kreisen der Kommunalpolitiker kursiert inzwischen eine Kostenschätzung von 30 Millionen Euro.

Kustermannvilla als "Pfand"

Einen größeren Teil davon wird wohl der Staat über öffentliche Fördermittel beisteuern. Zur Kasse gebeten werden darüber hinaus Nachbargemeinden, aus denen junge Leute diese Schule besuchen. Tutzing wird aber selbst für etwa die Hälfte der Kosten aufkommen, also zumindest zwölf Millionen Euro, wahrscheinlich mehr bezahlen müssen.

Wie die Finanzierung gelingen soll, ist immer noch offen. Unter anderem gibt es Hoffnungen auf weitere Erhöhungen der Gewerbesteuereinnahmen, die in jüngerer Zeit schon gestiegen sind. Dass solche oder andere finanzielle Verbesserungen für die millionenschwere Schulsanierung ausreichen werden, erscheint allerdings aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Um überhaupt eine Genehmigung für die Schulsanierung und für eine Kreditaufnahme zu erhalten, musste sich die Gemeinde schon vor einiger Zeit bereiterklären, notfalls die historische Kustermannvilla hierfür quasi als Pfand einzusetzen, also im Fall des Falles zu verkaufen.

Villa1.jpg
"Pfand" für die Schulsanierung: Die Zukunft der Kustermannvilla ist offen. © L.G.

Baurecht auf einer Teilfläche des Kustermannparks?

Weg1.jpg
Ob das wohl ein potenzieller Bauplatz wäre? Weg am Kustermannpark von der Hauptstraße zum Seeufer, rechts das alte zur Villa gehörende Gewächshaus © L.G.

Bürgermeisterin Marlene Greinwald hofft, wie sie immer wieder gesagt hat, einen Verkauf der Kustermannvilla verhindern, also andere Finanzierungswege für die Schulsanierung finden zu können. Wie die aussehen könnten, darüber ist offenbar schon intensiv diskutiert worden, allerdings vor allem in nicht-öffentlichen Sitzungen.

Angeblich gibt es die Idee, einen Teil des Kustermannparks neben der Villa abzutrennen und dort Baurecht zu schaffen. Zu diesem Zweck könnte, so die Überlegungen, eine Fläche von der Hauptstraße bis zum Seeufer abgeteilt werden, etwa dort, wo heute ein Weg zum Ufer hinunter führt. Manche bezeichnen die eher längliche Fläche, die dabei entstehen würde, als „Wurst“.

Eine solche Abtrennung einer Fläche vom Naturdenkmal Kustermannpark wäre in Tutzing wohl ein Politikum. Dabei würde sich auch die Frage stellen, wie dies unter Aspekten des Denkmalschutzes zu beurteilen wäre. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt könnte eine Rolle spielen: Die Familie Kustermann, der das gesamte Areal früher gehört hat, soll nach alten Verträgen Anspruch auf finanzielle Nachbesserung für den Fall haben, dass durch eine neue Nutzung des Parks Einnahmen erzielt werden sollten. Wenn das stimmen sollte, würde der Gemeinde im Fall einer Realisierung solcher Pläne nur ein Teil der Einnahmen zustehen.

ID: 6140
Über den Autor

vorOrt.news

Add a comment

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Comments

Hat ja lang genug gedauert. Aber Hauptsache die letzte Schulwoche alles absperren und nichts passiert und den Kinder die abgegangen sind den Abschied versauen da sie nicht raus konnten.

Mal sehen wie viel Jahre es dauert bis die Schule fertig wird. Den für Pünktlichkeit hat Tutzing ja nichts übrig. Siehe Kirchenstraße.