Von vorOrt.news

Sorgen ums Tutzinger Geschäftsleben

Schließungen entfachen Diskussionen - Plädoyer für "visionäres Ortsentwicklungsprogramm"

Die Nachricht von der Schließung des Schreibwarengeschäfts "Der Laden" führt in Tutzing zu Debatten über die Strukturen und die Chancen der Geschäftswelt. In Kommentaren auf vorOrt.news wird kontrovers über die Konkurrenz für kleine Läden durch größere Supermarktketten, Drogeriemärkte und ähnliche Anbieter diskutiert „Der Laden“ schließt Aufgrund der durch die Corona-Krise offenkundig verschärften Entwicklung, die nun auch zu Geschäftsschließungen führt, findet sich in den Kommentaren unter anderem ein Plädoyer für "ein klares und visionäres Ortsentwicklungsprogramm".

Florian Stadler hat kürzlich gegenüber vorOrt.news bestätigt, dass er sein Schreibwarengeschäft „Der Laden“ in der Greinwaldstraße Ende Mai schließen wird. Er hat dies mit einer stetigen Geschäftsverschlechterung begründet. Die Corona-Krise habe den „Dolchstoß“ gegeben, sie sei aber für seine Entscheidung nicht ausschlaggebend.

Schreibwaren und Schulbedarf bei Discountern und in Drogeriemärkten

Als einen wesentlichen Grund für laufende Umsatzverschlechterungen nennt Stadler die Sortimente großer Märkte und andere Angebote in Einkaufszentren außerhalb des Ortszentrums, so an der Lindemannstraße. So könne man Schreibwaren, Schulbedarf, Grußkarten und viele andere Produkte, die für Geschäfte wie seines typisch sind, längst auch bei Discountern, in Supermärkten und anderen Geschäften in den Einkaufszentren bekommen. Den Schulbedarf deckten viele Tutzinger heute in größeren Märkten, sagt Stadler, nicht mehr in Schreibwarenläden wie seinem. Sein Steuerberater habe ihm aus diesen Gründen dringend zu einer Entscheidung geraten.

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Schreibwaren bei Rossmann
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Grußkarten im dm-Drogeriemarkt
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Lotto in der Post-Agentur

Ein Ladensterben in größerem Umgang gibt es in Tutzing bisher nicht

Auch Betreiber anderer Tutzinger Geschäfte in der Ortsmitte haben schon lange vor negativen Folgen verschärfter Konkurrenz durch Einkaufszentren und großflächige Märkte außerhalb des Zentrums gewarnt. Viele Kunden kaufen auch immer mehr bei Online-Anbietern wie Amazon statt in kleinen und mittleren Läden ihrer Wohnorte.

Von einem Ladensterben in größerem Umfang ist Tutzing bisher noch verschont geblieben. Es gab zwar immer wieder Geschäfts- und auch Gastronomie-Schließungen, auch fallen Leerstände mancher Läden auf. Doch zu einer Häufung von Leerständen wie beispielsweise in Wolfratshausen ist es in Tutzing bisher nicht gekommen. Ob die jetzt angekündigten Schließungen Einzelfälle bleiben oder ob sich mit ihnen ein Trend ankündigt, ist bisher schwer zu erkennen.

Bürgermeisterin Greinwald: "Das macht uns große Sorgen"

Den Eindruck einer problematischen Entwicklung des Geschäftslebens im Tutzinger Ortszentrum unterstreicht auch die für Ende Mai angekündigte Schließung des Edeka-Markts an der Hauptstraße gegenüber der Marienstraße. Nach Darstellung von Edeka hat die Corona-Krise auch in diesem Fall ohnehin bestehende geschäftliche Probleme verstärkt. Als weiteren Grund für die Schließung hat Edeka die zu erwartende "Großbaustelle" wegen der bevorstehenden Sanierung der Tutzinger Hauptstraße genannt. Mit diesen Baumaßnahmen dürfte auf viele Tutzinger Geschäfte nach Corona eine weitere schwierige Phase zukommen.

Die problematische aktuelle Lage der lokalen Wirtschaft hat auch in der ersten Gemeinderatssitzung der neuen Amtsperiode eine Rolle gespielt. „Das macht uns große Sorgen“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Georg Schuster (FDP) erkundigte sich nach der finanziellen Lage der Tutzinger Betriebe.

Nach Auskunft der Rathausverwaltung sind bei der Gemeinde schon etliche Stundungsanträge eingegangen, und viele Firmen haben ihre Gewerbesteuer beim Finanzamt auf Null setzen lassen. Weitere Unterstützungmöglichkeiten für das örtliche Gewerbe sollen geprüft werden. Schuster regte zu diesem Thema eine Sondersitzung des Gemeinderats an.

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde will auch die Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG) Hilfsinitiativen für die örtliche Geschäftswelt aufbauen. Sie will ihre Aktivitäten auch mit denen der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gwt vernetzen.

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