Gemeindeleben
17.4.2021
Von vorOrt.news

„Das Kostbarste in einer Gemeinschaft“

100 Jahre Ambulante Krankenpflege Tutzing - Sonntag Festgottesdienst mit Bischof Bertram Meier

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Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer (li.) ist Vorsitzender der Ambulanten Krankenpflege. Einer ihrer Gründer war 1921 der Tutzinger Pfarrer Joseph Boeckeler (re.), der 1913 sein Amt angetreten hatte.

in großem Umkreis ist die Ambulante Krankenpflege in Tutzing eine der angesehensten Pflegeorganisationen. Ihr Tätigkeitsfeld reicht weit über ihre Heimatgemeinde hinaus, die aber unverändert ihr Zentrum bildet. Das Jahr 2021 ist für diesen Tutzinger Verein ein ganz besonderes: Er wird 100 Jahre alt. Gegründet haben ihn 1921 die katholische Tutzinger Pfarrgemeinde mit ihrem damaligen Pfarrer Joseph Boeckeler, die Gemeinde Tutzing und die Missionsbenediktinerinnen, die in Tutzing bereits zuvor viele Pflegeaufgaben übernommen hatten.

Corona-bedingt ist alles schwieriger geworden als gedacht, doch das ganze Jahr über feiert die Ambulante Krankenpflege ihr Jubiläum, so gut es geht. An diesem Sonntag ist ein Höhepunkt: Um 10.30 Uhr findet in der Tutzinger Pfarrkirche St. Joseph ein Festgottesdienst mit dem Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier statt. Ebenfalls zu den Jubiläumsfeiern gehört eine Ausstellung mit Karikaturen von Peter Gaymann, die am 22. April beginnen und bis zum 10. Juni dauern soll. Vorgesehen ist auch ein Dialogabend am 2. Juni mit dem Künstler und Prof. Thomas Klie. Am 18. September soll die Mitgliederversammlung stattfinden, ein weiterer Festgottesdienst mit dem Caritas-Präsidenten Dr. Peter Neher ist für den 9. Oktober vorgesehen. Und gegen Ende des Jubiläumsjahres soll es noch ein ganz besonderes Highlight geben: Eine neue betreute Wohnanlage in der Nachbargemeinde Bernried soll Anfang Dezember ziemlich genau zwei Jahre nach dem Spatenstich eingeweiht werden.

„Wir können stolz sein, dass die Tutzinger hinter dieser Einrichtung stehen“

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Armin Heil mit seinen Vorgängerinnen (von links) Schwester Josefa Knab, Schwester Gertrud Banz und Schwester Maria Birgit Baur

Ein paar Zahlen kennzeichnen die beeindruckende bei der Ambulanten Krankenpflege regelmäßig geleistete Arbeit. Mehr als 1200 Mitglieder gehören dem Verein an und sorgen mit ihren Beiträgen, darüber hinaus mit Spenden für das wichtige finanzielle Fundament. „Wir können stolz sein, dass die Tutzinger hinter dieser Einrichtung stehen“, sagt Geschäftsführer und Pflegedienstleiter Armin Heil. Neben den Mitgliedsbeiträgen spannt sich der Bogen von Zuschüssen durch die Gemeinde Tutzing und die Stadt Starnberg bis zu Spenden und weiteren Zuschüssen, so durch die Ilse-Kubaschewski-Stiftung und den Starnberger Förderverein Seestern.

Die über 100 Jahre immer wieder verfestigte Struktur im Gemeindeleben mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung findet mittlerweile als „Tutzinger Modell“ weithin Beachtung. Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer sieht die Zusammenarbeit so vieler Idealisten in einem starken Netzwerk als „das Kostbarste in einer Gemeinschaft“. In Tutzing könne man „gut und gut begleitet alt werden“. Etwa 100 Mitarbeiter sind bei der Ambulanten Krankenpflege angestellt, darüber hinaus sind mehr als 120 Personen ehrenamtlich aktiv. Sie alle arbeiten für 50 Klienten in Starnberg und für 180 Klienten in Tutzing monatlich. Das große Leistungsspektrum umfasst Beratung, häusliche Pflege, Betreuung demenzerkrankter Menschen, Pflege in der letzten Lebensphase, Kurse für pflegende Angehörige, Hausnotruf und Nachbarschaftshilfe. Zu der breiten Angebotspalette gehören die betreute Wohnanlage in der Tutzinger Bräuhausstraße, Tagespflegeeinrichtungen in Tutzing, im Quinthaus an der Traubinger Straße und in Starnberg im Ilse-Kubaschewski-Haus, sowie zwei Wohngemeinschaften für Demenzkranke.

Ob und inwieweit diese umfangreiche Arbeit auch in Zukunft so fortgesetzt werden kann, darüber werden allerdings immer wieder Sorgen deutlich. Ein brandaktuelles Beispiel hat die Stadt Starnberg geliefert: Finanzielle Kürzungen bei ihr bringen ausgerechnet für die Ambulante Krankenpflege empfindliche Einschnitte mit sich.

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"Die Arbeit verdient Hochachtung und Wertschätzung"

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Neues Highlight im Jubiläumsjahr: Die in Entstehung befindliche betreute Wohnanlage in Bernried im Modell © Fotos: Ambulante Krankenpflege / Pfarrei St. Joseph Tutzing

Die vor ihrer Fertigstellung stehende neue betreute Wohnanlage in Bernried ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Theresia Petsch, in die der Verein einen Großteil des ihm von der Namengeberin vermachten Vermögens eingebracht hat, in Zusammenarbeit mit der Ambulanten Krankenpflege und der Gemeinde Bernried. Die Anlage im so genannten Postgarten in der Nähe des Bernrieder Parks wird 24 Wohnungen mit einer Tagespflege und einem Seniorentreff am Grundweiher Bernried verbinden. Das wird die dritte Tagespflege des Vereins sein. Auch in Tutzing liebäugelt die Ambulante Krankenpflege schon seit Längerem mit dem Neubau einer weiteren betreuten Wohnanlage.

Die Arbeit verdiene höchste Hochachtung und Wertschätzung, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald auf einer Mitgliederversammlung des Vereins unter Beifall. Dr. Thomas von Mitschke-Collande, der Schatzmeister, hat die Ambulante Krankenpflege einmal als ein „fantastisches Beispiel für eine solidarische Bürgergesellschaft“ und einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt in Tutzing bezeichnet. „Ohne ehrenamtliche Arbeit wären wir in Tutzing arm dran“, sagte Bürgermeisterin Greinwald. In Tutzing könne man nicht nur gut, sondern auch in Würde alt werden: „Das kann man nicht kaufen - das kann man nur bekommen.“

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Comments

Wenn ich als hier aufgewachsener Tutzinger das Stichwort „Aushängeschild“ für Tutzing höre, dann denke ich nicht an irgendwelche große Gebäude, sondern stets an herausragende Menschen... und die vielen Frauen und – längst auch – Männer der Ambulanten Krankenpflege Tutzing gehören da ganz vorn mit dazu!

Sie haben in den vergangenen 100 Jahren wohl nahezu jeder Tutzinger Familie geholfen.
Sie haben die Ambulante Krankenpflege in Tutzing Tag für Tag mit Leben erfüllt und zu dem gemacht, was sie ist.
Bravo!

Und so, wie ich Herrn Heil und sein Team kennengelernt habe, werden sie alle genau in diesem Geiste weiter arbeiten.
In turbulenten Zeiten wie diesen spürt man besonders deutlich, wie viel Empathie, Zuversicht und Sicherheit uns diese Menschen geben.
Großes DANKE!
(Bearbeitet)
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