Gemeindeleben
30.9.2018
Von vorOrt.news

Blicke in die Tutzinger Vergangenheit

Im "Andechser Hof" kamen am Samstag bei vielen Bürgern nostalgische Gefühle auf

Nostalgische Gefühle sind am Samstag bei vielen Tutzingern aufgekommen. Zum ersten Mal seit sechseinhalb Jahren hatten sie wieder Zutritt zum „Andechser Hof“. Denn die neuen Eigentümer Kornelia und Georg Schuster hatten eingeladen: Alle, die Interesse hatten, konnten sich in den Räumen der einstigen Gaststätte umschauen und vom Inventar mitnehmen, was sie wollten - kostenlos. Im Gegenzug wurden sie um Spenden gebeten, die die von der Ambulanten Krankenpflege getragene Tafel „Tutzinger Tischlein deck dich“ erhalten soll.

Inventar13.jpg
Tutzinger Nostalgie: Manche kamen nur, um das alte Wirtshaus noch einmal von innen zu sehen © L.G.

Viele Einheimische haben diese Gelegenheit gern wahrgenommen. Denn irgendwie wurde diese Besichtigungstour gleichzeitig zu einer Reise in die Tutzinger Vergangenheit. Da wurden manche Erlebnisse wieder in Erinnerung gerufen: an Stammtische, Schafkopfrunden, gemütliche Treffen mit Freunden und Bürgerversammlungen.

Anzeige
Hero-Banner_GRUENE_Tierschutz.jpg
Inventar10.jpg
Die Gaststube präsentierte sich kaum verändert © L.G.

Vieles wirkte so, als hätten die früheren Pächter die Gaststätte soeben verlassen, auch wenn die bald sieben Jahre des Leerstands bei der früheren Gastwirtschaft natürlich ihre Spuren hinterlassen haben. Die alten Gaststuben sahen aber noch genauso aus wie damals, auch eine Theke mit Schankanlage stand noch an ihrem Platz. Die Herde der alten Küche waren heruntergekommen, aber noch vorhanden. Kommoden, Regale und Betten befanden sich in den ehemaligen Gästezimmern, auf den Gängen und in den früheren Speiseräumen.

Inventar3.jpg
Auch die Theke mit der Schankanlage stand da wie eh und je © L.G.

Der große Saal war voller Stühle und Tische, sogar mit weiß-blauen Rautendecken drauf. Es gab Geschirr, Gläser, Bilder und Waschbecken. Gleich neben dem Eingang hing wie damals ein Regal mit rustikal bemalten Türen. Dort hatten die früheren Gaststättenbetreiber alle möglichen damals aktuellen Informationen zum Mitnehmen zur Verfügung gestellt - und die befanden sich immer noch dort.

Inventar2.jpg
Kommoden wie diese warteten auf neue Besitzer © L.G.
Inventar12.jpg
Am Eingang gab es Prospekte von damals aktuellen Veranstaltungen © L.G.
Inventar1.jpg
Als der Andechser Hof schloss, gab es im Circus Krone dieses Programm © L.G.

So wurde der Besuch im Andechser Hof des Jahres 2018 zu einem Blick in die Vergangenheit des Jahres 2012.

Auf den Prospekten und Werbezetteln, die in den Regalen lagen, warb der Circus Krone zum Beispiel für seine Programme im Jahr 2012. Der „Jazz Award 2012“ und andere Events der BMW-Welt wurden angepriesen, und man erfuhr die Tourdaten der Eisrevue und „Holiday on Ice“ in München im Februar 2012.

Damalige Werbung des Tutzinger Geschäfts „Janine“ und des Tutzinger Golf-Clubs waren noch vorhanden, die Sonderausstellung „Otto Dix - Georges Rouault“ im Bernrieder Buchheim-Museum vom 16. Oktober 2011 bis zum 1. März 2012 fehlte ebenso wenig wie die Jubiläumsausstellung zum 175. Geburtstag von Sisi im Possenhofener Kaiserin Elisabeth Museum, die ein Vierteljahr nach der Schließung des Andechser Hofs begonnen hat.

Manch einer schlenderte einfach nur durch die Räume, schaute sich alles an, nahm aber nichts mit. Andere begaben sich aber auf Entdeckungsreise, und etliche Gegenstände fanden neue Besitzer.

Inventar26.jpg
Auch die Stühle und Tische aus dem Saal waren zu haben © L.G.

Gleichzeitig war dieser Besuch in der früheren Gaststätte für viele ein Abschied. Denn allen war irgendwie klar, dass der Andechser Hof so, wie er heute da steht, keine Zukunft mehr hat. Schon dass er über die vielen Jahre so durchgehalten hat, sorgte in den Gesprächen für Erstaunen.

Inventar14.jpg
Entdeckungsreise durch die frühere Gaststube © L.G.
Inventar15.jpg
Aus und vorbei: Wie ein Symbol für die Phase des Klosters Andechs in Tutzing wirkte diese Lampe © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
ID: 1187
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Kommentare

Vielen Dank an Conny und Georg Schuster, den heutigen Besuchern eine Zeitreise in die Vergangenheit zu ermöglichen. Mit Wehmut erinnert man sich an die damals legendären Sonntagsgespräche, initiiert von Herrn Abendt, oder manchen Ratsch im Biergarten, der oftmals länger gedauert hat als geplant, weil's so griabig war. Wie früher schon erwähnt, hatte der "Aloisius"im Auftrag von ganz oben schriftliche Anweisungen an die Bayr. Staatskanzlei in München zu übergeben und sich nach Erledigung dieser Aufgabe vor der Heimreise noch einen Ausflug zum Kloster Andechs gegönnt, beziehungsweise hat den Biergarten im Tutzinger Andechser Hof besucht, wenn die Zeit schon knapp war. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingen wird, alte Traditionen wieder aufleben zu lassen, es wäre ein Gewinn für uns alle, sowohl in München als auch in Tutzing..

Olga Lechner