Wirtschaft
20.3.2020
Von vorOrt.news

Tutzings Bahnhofsviertel wird immer städtischer

Die Pläne für das ehemalige Gelände von Boehringer-Mannheim werden konkreter

In fünf Baufelder ist das alte Industriegelände von Boehringer-Mannheim und Roche in Tutzing aufgeteilt worden. Bebaut bisher nur ein Teil dieses Quintetts: der Dreiecksbau an der Bräuhausstraße, der eigentlich ein so genanntes Aparthotel werden sollte, nun aber als Burn-out-Klinik dienen soll; unten betreibt Flora Almeida ihr Tanzstudio. Nebendran beginnen die Bauarbeiten für eine Firmenzentrale des in Tutzing gegründeten, derzeit aber in Pöcking ansässigen IT-Unternehmens „Lobster“. Von den Planungen für die restlichen drei Baufelder ist bisher nur wenig bekannt. Das mittlere von ihnen soll ein Hotel werden, wie vor einiger Zeit mitgeteilt wurde. Am Dienstag hat sich nun der Bauausschuss des Gemeinderats mit diesem Bereich des seit langer Zeit ungenutzten Geländes in direkter Nachbarschaft des Krankenhauses befasst und einen Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat gefasst, nach dem das derzeit in Arbeit befindliche Konzept weiter verfolgt werden soll.

Bei der Präsentation ging es nicht um die Nutzung der vorgesehenen drei neuen Gebäude, sondern um deren Gestaltung und die Fassaden. Es sollen mehrstöckige Bauwerke werden. Auf den von Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller vorgestellten Skizzen war zu erkennen, dass die Bahnhofstraße künftig zwischen den Bahngleisen und dem Krankenhaus von recht großen Gebäuden gesäumt werden wird. Dabei wird an eine Staffelung in der Größe gedacht, wie den Ausführungen zu entnehmen war.

Künftig drei mehrstöckige Gebäude nebeneinander an der Bahnhofstraße

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Die Neuplanung für das ehemalige Tutzinger Gelände von Boehringer-Mannheim © Prof. Florian Burgstaller

Den Anfang gemacht hat schon vor Jahren der fünfstöckige Gewerbekomplex „Four Site“ ganz oben an der Bahnhofstraße. Die seit einigen Wochen in Bau befindliche Lobster-Zentrale wird sich auf der Ostseite der Bahnhofstraße anschließen. Sie werde „nochmals um einiges höher“ werden als bisher vorgesehen, sagte Burgstaller. Unterhalb folgen dann die weiteren drei Baufelder. Zwischen ihnen und dem Krankenhaus ist eine neue Zufahrt zur Klinik geplant.

Stadtplaner Prof. Burgstaller hat im Bauausschuss eine Reihe aktueller Entwürfe gezeigt, darunter auch interessante Ansichten der Reihe von drei mehrstöckigen Bauwerken nebeneinander, wie sie sich künftig an der Bahnhofstraße präsentieren wird. Die Gemeinde hat vorOrt.news diese Ansichten auf Anfrage nicht für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Zu erkennen ist die vorgesehene Bebauung aber auch auf einer Skizze, die Burgstaller Ende vorigen Jahres schon einmal bei einer Versammlung der Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG) vorgestellt hat. Auf diesem Bild, das wir hier veröffentlichen, ist neben dem Krankenhaus (unten mit dem roten Dach) die neue Zufahrt von der Bahnhofstraße aus eingezeichnet. Daneben sieht man die geplanten drei neuen Gebäude. Als erstes von ihnen soll laut Burgstaller der Bau rechts an der Bahnhofstraße entstehen. Ihn nannte Burgstaller „das harmloseste Gebäude“.

Nebendran wird wohl das neue Hotel errichtet werden. Wie auf der Skizze zu erkennen ist, soll es trapezförmig zur neuen Zufahrt hin breiter werden. Burgstaller deutete an, dass es aus zwei Flügeln bestehen soll.

Das dritte Gebäude links daneben erhält nach dem Entwurf eine entgegengesetzte Trapezform, das heißt eine Verschmälerung zur neuen Zufahrt hin. Weiter oben in der nächsten Bauzeile (westlich) ist der fertige Dreiecksbau zu erkennen, in dem sich unten bereits ein Tanzstudio befindet und in den zurzeit oben eine Klinik einzieht. Rechts daneben sieht man die in Bau befindliche künftige Firmenzentrale des Unternehmens Lobster und noch weiter westlich, oben rechts auf der Skizze, den Gewerbekomplex "Four Site". Ganz oben am Bildrand lugen noch ein paar Gebäude der Wohnsiedlung "Lakeside Living" heraus.

Ein "Boulevard" zwischen den Gebäuden

All diese neuen Bauten sind auf den Entwürfen mehrstöckig eingezeichnet. Oben soll es, wie zu erkennen ist, nach hinten versetzte Dachterrassen geben, die Dr. Toni Aigner (Freie Wähler) „sehr passend“ erschienen.

Die Diskussion über die Planung im Ausschuss war nur kurz. Zu den Baugrößen gab es ein paar kritische Bemerkungen. „Wir sollten aus Four Site lernen“, sagte Christine Nimbach (Grüne), „und das alles ein bisschen zurückhaltender gestalten.“ Dr. Ernst Lindl sprach in Hinblick auf eines der Gebäude von einem „gewaltigen Block“, begrüßte die Planung aber insgesamt. Bürgermeisterin Marlene Greinwald betrachtete das Konzept als aufgelockert.

Stadtplaner Burgstaller bezeichnete die Dimensionen als „relativ groß“, verwies aber darauf, dass es sich um ein Gewerbegebiet handele. Die Neubauten würden kleiner als der Altbestand von Boehringer-Mannheim, zudem versuche man einen „möglichst offenen Nutzungscharakter“ zu erreichen. Von der Bräuhausstraße werde ein „Boulevard“ hinunter in Richtung Krankenhaus verlaufen. Auf der Skizze ist er gelb eingezeichnet. Weiter vorgesehen ist nach Angaben von Burgstaller insgesamt ein Weg vom Bahnhof zum See über dieses Gelände, das benachbarte Krankenhaus-Areal und dann weiter im Bereich der Hallberger Allee bis zum Ufer. Burgstaller sprach von einer „gewissen Harmonie“ in der Abfolge der Baukörper. So könne ein „ganz schönes Gebiet“ entstehen.

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