Verkehr
4.4.2021
Von voroOrt.news

Künftig soll schneller abgeschleppt werden

Kommunale Verkehrsüberwacher sollen bei Falschparkern zusammen mit der Polizei durchgreifen

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Auch ein schickes Auto kann schnell verschwunden sein, wenn es an einem verbotenen Platz stand © Pixabay

Gerade in der warmen Jahreszeit kennt man das in Tutzing: Autos werden praktisch überall geparkt, ob es erlaubt ist oder nicht, besonders in Ufernähe. Nicht selten stellen sie Hindernisse dar. Aufsehen erregt haben an einem schönen Tag des vergangenen Jahres zahlreiche Autos, die hemmungslos mitten auf dem Tutzinger Johannishügel geparkt wurden - einem Naturdenkmal. Abgeschleppt werden ordnungswidrig abgestellte Fahrzeuge häufig dennoch nicht. Das könnte sich nun ändern: Die kommunale Verkehrsüberwachung soll sich mehr in diese Aufgabe einbinden.

Eigentlich darf in solchen Fällen nur die Polizei das Abschleppen anordnen. Doch bisher muss sie immer zunächst selbst ans Ort des Geschehens kommen, um den Sachverhalt festzustellen und eine Entscheidung zu treffen.

Das wird vielleicht bald nicht mehr nötig sein. Die kommunale Verkehrsüberwachung soll, wenn sie Falschparker entdeckt, schnell, telefonisch oder auf andere Weise, mit der Polizei Kontakt aufnehmen können, die dann das Abschleppen anordnen kann, ohne selbst erst einmal zum jeweiligen Ort fahren zu müssen. Das heißt: Mit Hilfe solcher Maßnahmen werden ordnungswidrig parkende Autos in Zukunft wahrscheinlich häufiger und schneller abgeschleppt werden als bisher.

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Da glaubten viele Tutzinger ihren Augen nicht zu trauen: Der Johannishügel - ein Naturdenkmal - war an einem schönen Sommertag 2020 plötzlich ein Parkplatz © Josef Schiffner
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Der Zweckverband begrüßt die Pläne

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Stoßstange an Stoßstange parkende Autos: An warmen Tagen ist dieser Anblick in Tutzing nah am Seeufer normal © L.G.

Pilotprojekte für eine derartige Zusammenarbeit von kommunaler Verkehrsüberwachung und Polizei gibt es bereits in München, Aschaffenburg und Landshut. Nun gibt es Bestrebungen für eine solche Vorgehensweise auch im Landkreis Starnberg.

Landrat Stefan Frey soll sich dafür schon beim bayerischen Innenminister Joachim Herrmann eingesetzt haben. CSU-Gemeinderat Florian Schotter, der selbst Polizist ist, hat über die Pläne kürzlich in Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Tutzinger Gemeinderats berichtet. Nach seinen Angaben soll das Thema noch im April näher beleuchtet werden.

Michael Braun, der Geschäftsführer des für die Verkehrsüberwachung in Tutzing zuständigen Zweckverbands Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland in Bad Tölz, begrüßt dieses Vorhaben auf Anfrage. Das Abschleppen werde so erleichtert und effizienter gestaltet werden können.

Der Vorgang läuft über die Polizei, einschließlich der für die Falschparker entstehenden Kosten, die in der Regel dreistellige Euro-Höhen erreichen. Doch die Verkehrsüberwacher müssen alles exakt dokumentieren.

In den Pilotprojekten werden bestimmte Bereiche vorab definiert

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Ob die Kosten notorische Falschparker abschrecken? © Pixabay

Konkret geklärt werden muss aber noch, wo genau die neue Regelung gelten soll. In den Pilotprojekten sind für sie ganz bestimmte Bereiche definiert worden, vor allem Feuerwehr-Anfahrtszonen, Rettungswege oder Bushaltestellen. In Tutzing wird man wohl auch besonders an die ufernahen Bereiche denken.

Aktuell wird das Thema demnächst zweifellos werden. Denn von den bisherigen regulären Parkmöglichkeiten in Ufernähe sind etliche weggefallen, so durch das Lager für den Aushub der Straßensanierung auf dem alten Volksfestplatz und durch den Radschutzstreifen an der nördlichen Hauptstraße.

Es sind auch schon Zweifel am Erfolg solcher Maßnahmen zu hören. Selbst wenn ein ordnungswidrig geparktes Auto abgeschleppt werde, ändere sich die Parkmoral der Leute nicht, glauben selbst manche Polizisten. Sie kennen die üblichen Ausreden der betreffenden Fahrer: Sie hätten es eilig gehabt, seien nur für ein paar Minuten in einem Geschäft gewesen und so weiter. Befürworter des verstärkten Abschleppens argumentieren aber, man müsse nur Geduld haben. Irgendwann werde es sich herumsprechen - und viele Menschen würden erst dann hellhörig, wenn es ihnen an den Geldbeutel gehe.

Mehr zum Thema:
Autofahrer erobern Johannishügel

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Kommentare

Ich bin auch fürs Abschleppen ! Da in unserer Ellenbogengesellschaft keine Verkehrsordnungen und Regeln mehr eingehalten werden. Jeder ist sich selbst am nächsten.
Eine hohe Geldstrafe und ein erheblicher Zeitaufwand um sein Fahrzeug wieder zu erlangen hat meines Erachtens schon Auswirkungen auf die Fahrzeughalter. Spätestens nach dem ersten Verstoß !
Zu dem Bild auf dem Johannishügel: Ich kann mich daran erinnern das selbst die Polizei mit dem Einsatzwagen nach oben gefahren sind und dann unverrichteter Dinge den Ort wieder verlassen haben.
Leider kommt das auf dem Johanneshügel öfters vor da für die Mehrzweckhalle zu wenig Parkplätze vorhanden sind. Es sind ab und zu bis zu drei Veranstaltungen an eine Tag . Der Parkplatz Volksfestplatz und Seestraße wird nicht angenommen. Die sind kostenpflichtig und nicht vor der Haustüre !
Lieber werden sämtliche nicht befestigten Grünstreifen und die Gröschlstraße zugeparkt , daß wiederum bei nassen Wetter für Verschmutzung und Schäden führt.
Durch die hohe Verdichtung im Tutzinger Gemeindebereich werden die Parkplätze auch für Touristen , Ausflügler ,Pendler und Einheimische immer weniger und es wird zu Verfehlungen gedrängt!
Es sollten endlich mehr Parkplätze ausgewiesen werden und ein schlüssiges Parkkonzept erstellt werden.
Es heißt immer Tutzing soll attraktiver werden. So sicher nicht.

Beim Parken auf Geh- und Radwegen sollte ebenfalls abgeschleppt werden.
Gewiss hatte man besonders triftige Gründe warum man bei diesen Pilotprojekten nur ganz bestimmte Bereiche definiert hat, namentlich hervorgehoben: Feuerwehr-Anfahrtszonen, Rettungswege oder Bushaltestellen. Bei 2 der 3 genannten Bereiche kann es um Leben oder Tod gehen! Aber ob meisten Tutzinger Problembereiche auch diese höchste aller Priorisierungen rechtfertigen? Selbst ein teilweise zugeparktes Naturdenkmal (auf dem nur wenige Tage nach obigen Foto knöcheltief Spuren von Traktorreifen eingearbeitet wurden) dürfte wohl keine Menschenleben gefährdet haben.
Mittlerweile verhindert die im besten Sinne unauffällige Holzbarriere jegliches Parken auf dem Naturdenkmal; ich finde eine sehr gute und unbürokratische Lösung.
(Bearbeitet)