Verkehr
13.9.2019
Von vorOrt.news

Belgier kassieren beim Parken in Tutzing

Das Brüsseler Unternehmen "Interparking" wird mittelbar zum Betreiber der P+R-Anlage am Bahnhof

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Ende des kostenlosen Parkens: Schilder weisen bereits auf die Veränderung hin © L.G.

"Contipark" heißt der künftige Betreiber der Park-and-Ride-Anlage (P+R) am Tutzinger Bahnhof. Dieses in Berlin ansässige Unternehmen, einer der größten Parkraumbewirtschafter, ist wiederum eine Tochtergesellschaft der belgischen Unternehmensgruppe „Interparking“ mit Sitz in Brüssel. Mittelbar kassieren damit quasi künftig Belgier bei den Parkplätzen am Tutzinger Bahnhof.

Es gab auch andere Interessenten für die Tutzinger P+R-Flächen, so das der Stadt München gehörende Unternehmen P+R Park & Ride GmbH. Doch der Vorzug gegeben wurde BahnPark, Contipark und damit mittelbar den Belgiern. Dass sie damit künftig bei der Bewirtschaftung der Tutzinger Park-and-Ride-Flächen die Fäden ziehen werden, erwähnt die Deutsche Bahn in einer Pressemitteilung über die Veränderung und auf inzwischen am Bahnhof aufgestellten Schildern nicht.

Contipark trotz Minderheitsbeteiligung allein für die Bewirtschaftung zuständig

Bei Parkeinrichtungen arbeiten die Deutsche Bahn und Contipark seit Jahren eng zusammen. Zusammen haben beide 2005 eine Firma „DB BahnPark“ gegründet. Dieses Gemeinschaftsunternehmen gehört zwar mehrheitlich der Gesellschaft „DB Station&Service AG“ (51 Prozent) und damit der Deutschen Bahn, so dass sich die Belgier und ihre deutsche Tochtergesellschaft Contipark mit einer Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent an DB BahnPark begnügen müssen. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie in Tutzing für die Bewirtschaftung der Parkflächen zuständig sind. Die Deutsche Bahn hält sich raus: Sie lagert diese Aufgabe mit der Kooperation mehr und mehr auf den externen Betreiber Contipark aus. Er bewirtschaftet immer mehr Parkeinrichtungen der Deutschen Bahn, die in das Gemeinschaftsunternehmen einbezogen werden.

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Lukratives Geschäft: Umsatz von Interparking über 460 Millionen Euro

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Belgische Eigentümer im Hintergrund: Auf den Schildern bleibt "Interparking" unerwähnt © L.G.

Das gilt also künftig auch für die Tutzinger Park-and-Ride-Anlage. Nach dem etwas kompliziert wirkenden Vertragswerk mietet die DB BahnPark GmbH zum 1. Oktober am Bahnhof P+R-Parkplätze an der Bahnhofstraße/Heinrich-Vogl-Straße und am Beringerweg mit insgesamt 312 Stellplätzen von der DB Station&Service AG zur Bewirtschaftung an. Park-and-Ride wird kostenpflichtig neuen Schilder weisen aber darauf hin, dass die bisher kostenlosen Parkplätze künftig bezahlt werden müssen. Es gibt allerdings Ausnahmen. So sollen die Stellplätze direkt vor dem Bahnhofsgebäude "entgeltfrei" bleiben.

Aus starken Expansionsabsichten wird bei Contipark kein Geheimnis gemacht. In einer Eigendarstellung erklärt das Unternehmen: „Angestrebt wird ein stetiges Wachstum durch den Erwerb von Parkeinrichtungen, Akquisitionen im Bereich Miet-, Pacht- und Managementobjekte, den Erwerb von Parkhausgesellschaften sowie Kooperationen und individuelle Partnerschaften.“

Die belgische Interparking-Gruppe ist nach eigenen Angaben in neun Ländern und 397 Städten vertreten. Sie betreibt nach diesen Informationen mehr als 930 Parkeinrichtungen mit über 383 000 Stellplätzen und mehr als 2400 Mitarbeitern. Für Interparking ist dieses Geschäft offenkundig lukrativ: Seinen Jahresumsatz nennt das Unternehmen für 2018 mit fast 463,5 Millionen Euro.

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Kommentare

Danke für nichts!
Keinerlei Leistungsverbesserung, keinerlei Lösung der Probleme. Stattdessen werden sich die Probleme noch verschärfen, wie Frau Pesl richtigerweise vermutet. Ich selbst bin Pendler, ich selbst habe das so verhasste "WM"-Kennzeichen. Aber so lange nicht am Tarifgefälle gearbeitet wird (die Monatskarte bei der DB von Weilheim nach Tutzing kostet sage und schreibe 95 EUR!), werde ich weiterhin von Wilzhofen nach Tutzing fahren. Ich werde mir die Park-Monatskarte (22 EUR) besorgen. Einerseits, um die Anwohner nicht mehr zu plagen (aktuell parke ich im Anwohnergebiet mangels Parkplatz auf dem P+R-Gelände) und andererseits in der Hoffnung, nun endlich auch zum 8- Uhr-Zug noch einen Parkplatz zu finden (weil vermutlich Etliche nicht bereit sein werden, die happigen Gebühren (1,50/Tag in Tutzing im Vergleich zu 0,50/Tag in Starnberg/Nord bzw. 1,00/Tag in Starnberg/See) zu bezahlen).
Macht was (z.B. Tarifgefälle abbauen, MVV erweitern)! Baut was (z.B. ein Parkdeck in Skelett-Bauweise wie in Starnberg/Nord). Aber nur die Hand aufzuhalten, ist zu kurz gesprungen und hilft weder Pendlern, noch Anwohnern. Aufwachen, Gemeinde Tutzing! Aufwachen, Ihr Landräte!
Mir ist eigentlich ziemlich egal, wer da nun das Geld einkassiert. Viel mehr Interessiert es mich, wie die Gemeinde nun die Bewohner der umliegenden Straßen, vor den Pendlern mit Autokennzeichen LL und WM etc. schützen will. Es hieß doch einmal, in diesen Straßen würde das Anliegerparken eingeführt. Interessant wäre es auch, welche Straßen das betreffen soll. Ich wohne im Riedwinkel und befürchte, dass bei uns dann auch plötzlich Dauerparker stehen! Der 1. Oktober ist schnell da, es besteht Handlungsbedarf!
(Bearbeitet)
Wieso muss es eigentlich derart hervorgehoben werden, dass die Gewinne der P+R-Anlage zukünftig von einem belgischen Unternehmen erwirtschaftet werden? In unserer durchökonomisierten Gesellschaft ist schon dem Siebtklässler hinlänglich bekannt, dass Wirtschaftsunternehmen Wachstum anstreben und gewinnorientiert arbeiten. Vor dem Hintergrund erscheint die Wortwahl dieses Beitrags (der nicht als Kommentar gekennzeichnet ist) eigenartig tendenziös. Schon im Titel, wo "die Belgier" an der Tutzinger Park-and-Ride-Anlage "kassieren". Später machen sie "kein Geheimnis" daraus, dass ein "stetiges Wachstum" angestrebt wird. Natürlich ist dieses Geschäft "lukrativ", sonst würde auch ein deutsches Unternehmen sich dafür nicht interessieren. Warum ist es derart bemerkenswert, dass es sich um "die Belgier" handelt, die demnächst in Tutzing wirtschaften? Der Euro-Raum ist ja doch im Wesentlichen eine grenzüberschreitend gedachte Wirtschaftsunion, und nebenbei bemerkt dürfte es in Resteuropa kaum ein florierendes Geschäft geben, an dem deutsche Anleger nicht beteiligt sind, sich ordentlich, und das ist jetzt bewusst tendenziös formuliert, die Taschen voll machen.
...war ja nur eine Frage der Zeit ;) - was ist heutzutage schon/noch „umsonst“ ? - evtl bleiben dann mal Weilheimer fern - die sich den erhöhten DB Tarif sparen wollten - so war es zumindest früher - für die umliegenden Straßen wird das mit Sicherheit Auswirkungen haben - aber Tutzinger können den Bahnhof ja zu Fuß oder per Rad den erreichen :) - und für „Pendler“ sind das €1,10 am Tag - das sollte man sich leisten können, wenn man in Tutzing wohnt ;)