Verkehr
3.11.2019
Von vorOrt.news

Deutliche Kritik am Landratsamt

Ortsschild Lindemannstraße: "Nicht zu verstehen" - Ähnliche Erfahrungen in Garatshausen

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Nicht zu verstehen ist die Entscheidung des Landratsamts für Gemeinderat Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg © L.G.

Die Entscheidung des Landratsamts zum Ortsschild an der Tutzinger Lindemannstraße stößt auf Kritik. Sie sei „nicht zu verstehen“, erklärt Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg, Gemeinderat der „Tutzinger Liste“, auf der Website seiner Gruppe. Wegen deutlicher Verkehrsbelebung in diesem Bereich hatte sich die Tutzinger Liste vehement für eine Versetzung des Ortsschildes in Richtung Diemendorf vor die Einmündung am Kallerbach eingesetzt, um die Geschwindigkeitsbegrenzung innerhalb geschlossener Ortschaften in diesem Bereich nach Süden zu erweitern.

Drei Anträge hatte die Tutzinger Liste in dieser Angelegenheit seit 2015 eingereicht, den letzten von ihnen erst im Juli dieses Jahres. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte sich für eine Versetzung des Ortsschilds eingesetzt, nachdem er sich bei einer Besichtigung an Ort und Stelle über die Verkehrssituation informiert hatte.

Viele Autofahrer seien dort sehr schnell unterwegs, warnten die ADFC-Vertreter anschließend. Nach Angaben von Ortssprecher Martin Held schneidet etwa die Hälfte der Fahrer die Kurve. Gewarnt wurde auch vor Kollisionen mit Linksabbiegern, die von Tutzing kommend am Kallerbach abbiegen. Immer wieder sei es zu gefährlichen Situationen. Die Versetzung des Ortsschilds sei deshalb dringlich, weil man sehen müsse, "dass da der Ort losgeht".

Bürgermeisterin Greinwald: "Das muss man nicht verstehen"

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Viel Verkehr an der Einmündung "Am Kallerbach" - fürs Landratsamt bisher kein Grund für eine Versetzung des Ortsschildes

Ignoriert das Landratsamt diese Verkehrsrisiken? Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung kürzlich im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats über die Haltung der Kreisbehörde in dieser Angelegenheit berichtete. Nach ihren Angaben haben Verantwortliche der Kreisbehörde klipp und klar erklärt, solange die Baustelle des Verbands Wohnen nicht fertig sei, werde das Ortsschild nicht umgesetzt werden. Inzwischen ist zwar vor der Baustelle selbst Tempo 30 eingerichtet worden. Doch angesichts der vielen Berichte über erhöhte Verkehrsgefahren in diesem Bereich stieß die Entscheidung des Landratsamts auf allgemeine Verwunderung. Für Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald ist sie „logisch nicht nachvollziehbar.“ Die Rathauschefin folgerte: „Das muss man nicht verstehen.“

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Dabei hatte der erste Antrag der Tutzinger Liste zur Versetzung des Ortsschildes mit der Baustelle des Verbands Wohnen noch gar nicht so viel zu tun. Damals wurde auf eine deutlich gestiegene Verkehrsfrequenz an der Straße „Am Kallerbach“ verwiesen. Die Tutzinger Liste sah schon lange vor Beginn der Bauarbeiten durch den Verband Wohnen neue Verkehrsrisiken wegen der dort über Jahre entstandenen erheblichen Belebung durch einen Kindergarten, eine Schule, das Gewerbegebiet „5-Seen-Businesspark“ und das Wohngebiet des Einheimischenmodells „Am Kallerbach“.

Garatshausen: Entscheidung des Landratsamts anderthalb Jahre nach dem Antrag

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Die Garatshausener hätten das Ortsschild gern versetzt: Ein Bild aus der Zeit zunehmender Bautätigkeit © L.G.

Mit solchen Erfahrungen sind die Tutzinger nicht allein. Ganz ähnlich ist es vor einiger Zeit den Nachbarn in Garatshausen ergangen. Dort hatten Bürger den Wunsch geäußert, die nördlichen Ortsschilder von Feldafing aus gesehen vor die Abbiegung nach Traubing zu setzen. Für die Garatshausener bildet die Staatsstraße ein besonderes Problem, weil sie quasi durch den Ort führt. Dass er beginnt, sollte mit einer Versetzung des Schildes den Autofahrern früher signalisiert werden, um sie zu veranlassen, sich in ihrer Fahrweise darauf einzustellen. Das Landratsamt lehnte dies aber ab.

In einer Ortsteilbürgerversammlung Ende 2017 teilte Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim unter Gelächter der Anwesenden mit, die Entscheidung der Kreisbehörde sei vielleicht anderthalb Jahre nach dem Antrag eingegangen. Sontheim machte sich dann sichtlich einen Spaß daraus, ausgiebige hinzugefügte Erläuterungen des Landratsamts über allgemeine Vorschriften zu geschlossenen Ortschaften, die betreffenden Verkehrszeichen und denkbare Standorte für Ortsschilder vorzulesen.

Quelle Titelbild: Martin Held
ID: 2323
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Kommentare

Den Verwunderungen kann ich mich nur anschließen (Frage: in welchem Ort wohnen denn die Menschen vor dem Ortsschild..?) und eine weitere benennen: Vor einigen Tagen las ich im MM, dass die Empfehlung der Polizei für die Straße "Am Höhenberg" Tempo 30 einzuführen, von der Gemeinde abgelehnt wurde! Nun, lange Jahre wohnten wir dort im unteren Bereich, und haben uns für unsere Schulkinder, für Fußgänger auf dem Weg zum Bahnhof und für alle Anwohner für Tempo 30 eingesetzt. Oft genug hörten wir die Bremsen quietschen... Die Polizei empfand den Bereich als nicht gefährdet. Nun kommt von dieser Stelle endlich (vor 20 Jahren war die erste Initiative) Einsicht, jetzt wird von politischer Seite dagegen gehalten. Unfaßbar, traurig, gefährlich und schon gar nicht motivierend sich für irgendwelche Belange einzusetzen.