Wo fängt Tutzing an? Wenn man sich der Gemeinde von Diemendorf und Kampberg auf der Lindemannstraße nähert, etwa dort, wo die Straße „Am Kallerbach“ abzweigt, könnte man meinen. Dort gibt es erkennbare Bebauung, von der mit den 70 neuen Wohnungen des „Verbands Wohnen“ zurzeit noch eine Menge hinzukommt. An der Straße „Am Kallerbach“ signalisiert auch recht bald nach der Abzweigung ein Schild „Tutzing“, dass der Ort beginnt. Nicht so aber an der Lindemannstraße: Dort steht eine Ortstafel erst ein Stück weiter in Richtung Zentrum - hinter der großen Baustelle des Verbands Wohnen. Und dabei soll es vorerst bleiben: Die Gemeinde würde das Ortsschild gern nach Süden versetzen, um mit der für Ortschaften vorgeschriebenen Geschwindigkeit das nicht selten recht hohe Tempo der Autos in diesem Bereich zu reduzieren - doch das Landratsamt Starnberg ist dagegen.
Schon im April 2015, also lange vor dem Baubeginn durch den Verband Wohnen, gab es im Gemeinderat einen Antrag der „Tutzinger Liste“, das Ortsschild in Richtung Diemendorf zu versetzen, um so auf der Staatsstraße eine Temporeduzierung zu erreichen. Die Gruppe verwies damals auf eine deutlich gestiegene Verkehrsfrequenz an der Straße „Am Kallerbach“ in Zusammenhang mit der dort über Jahre entstandenen erheblichen Belebung durch einen Kindergarten, eine Schule, das Gewerbegebiet „5-Seen-Businesspark“ und das Wohngebiet des Einheimischenmodells „Am Kallerbach“. Die Tutzinger Liste hat in dieser Angelegenheit inzwischen bereits einen dritten Antrag eingereicht.
Auch der Fahrradclub ADFC hat im Juli dieses Jahres einen neuen Vorstoß unternommen und die Versetzung des Ortsschilds nach Süden gefordert. Der Club hatte sich die Lage an Ort und Stelle angeschaut und riskante Manöver an der Lindemannstraße auf Höhe der Einmündung "Am Kallerbach" beobachtet. Immer wieder sei es zu gefährlichen Situationen gekommen, sagte der ADFC-Ortssprecher Martin Held nach dieser Begehung. Nach seinen Worten schneidet etwa die Hälfte der Autofahrer die Kurve. ADFC-Mitglied Gerhard Sening warnte vor Kollisionen mit Linksabbiegern, die von Tutzing kommend am Kallerbach abbiegen. Der stellvertretende Club-Ortssprecher Claus Piesch berichtete von einem Lastwagen, der im Bereich der Einmündung durch die Kurve "gerast" sei und diese darüber hinaus auch noch geschnitten habe.
Bürgermeisterin: "Logisch nicht nachvollziehbar"
Dieser Tage hat sich der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss mit diesem Thema befasst. Doch es gab lediglich eine Vertröstung: Das Landratsamt Starnberg habe eine Versetzung der Ortstafel zum aktuellen Zeitpunkt abgelehnt - und damit auch den bereits dritten Antrag der "Tutzinger Liste". Solange die Baustelle des Verbands Wohnen nicht fertig sei, werde das Ortsschild nach Angaben des Landratsamts nicht umgesetzt werden, sagte eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung klipp und klar.
Bürgermeisterin Marlene Greinwald war darüber wenig erfreut. Sie hat offenkundig schon daran gedacht, die Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen, und dies offenbar auch bei der Kreisbehörde angedeutet. „Ich habe gefragt, was passiert, wenn wir es machen“, bestätigte sie im Ausschuss. Die Antwort des Landratsamts schilderte sie so: „Dann kriegen wir richtig Ärger.“ Für die Rathauschefin ist das „logisch nicht nachvollziehbar.“ Ihre Schlussfolgerung: „Das muss man nicht verstehen.“
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dass auf der Lindemannstrasse deutlich zu schnell gefahren wird. Nicht nur am Kallerbach sondern Innerorts im Bereich Bushaltestelle / Einfahrt Kellerwiese in beide Richtungen, Tempo 70 / 80 ist nicht selten, oft sogar schneller. Hier sollte die Gemeinde ansetzen, die Geschwindigkeiten einzuschränken und sich auch Gedanken über Fußgänger und Fahrradfahrer machen, die an schönen Wochenenden zahlreich auf der Lindemannstrasse unterwegs sind. Die Beschilderung für Radfahrer und Fußgänger von der Ortsmitte zur Ilkahöhe ist offensichtlich verwirrend und nicht nachvollziehbar. Heute Nachmittag unter vielen anderen eine Gruppe Fußgänger, mit Kinderwagen und einem Rollstuhlfahrer!