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Tutzinger Schulpatenschaft mit Togo

Eine Initiative von Gymnasiasten – Urkunde in der Würmseehalle feierlich unterzeichnet

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Erstmals die ganze Schulfamilie des Tutzinger Gymnasiums an einem Ort: Die Würmseehalle bei der Patenschaftsfeier

Das gesamte Tutzinger Gymnasium schien sich aufgemacht zu haben, um eine Partnerschaft der ganz besonderen Art zu vereinbaren: Eine Patenschaft mit einer Schule in Togo (Westafrika) haben die Tutzinger übernommen. Bei der Unterzeichnung der Urkunde waren am Freitag Schülerinnen und Schüler aller Klassen in der Würmseehalle dabei, dazu Verantwortliche des Gymnasiums, der Gemeinde Tutzing, des Landkreises Starnberg, des Elternbeirats und des Fördervereins. Er habe noch nie erlebt, dass die ganze Schulfamilie an einem Ort zusammengekommen sei, sagte Oberstudiendirektor Andreas Thalmaier. Für ihn ist das Projekt ein Beleg dafür, wie die Schulfamilie zusammenstehe und zusammen Großes bewegen könne. „Ich bin mächtig stolz auf euch“, rief er den Mitwirkenden der Projektleitung zu: „Das ist der Beginn von etwas ganz, ganz Großem - ein Projekt, das die Welt ein bisschen besser machen wird.“ Dieses Schulprojekt werde ein wichtiger Teil der „Schul-DNA“ werden. Er hoffe, dass sich alle, die sich nun kennenlernen werden, „mit Respekt und großer Achtung“ begegnen werden.

Die Intiative zu der Patenschaft ging von Gymnasiasten aus. Über etwa ein Jahr hatten sie das Projekt intensiv vorbereitet. Dass dies keineswegs selbstverständlich ist, bescheinigte ihnen Sibylle Jendrowiak. Die Vorsitzende der Organisation „Kinderhilfe global“ war eigens aus Niedersachsen nach Tutzing zu dieser Feier angereist. Über sie haben die Tutzinger die Schule in dem Dorf Nargbal in Togo gefunden, die sie nun nach besten Kräften unterstützen wollen und zu deren Schülern sie möglichst auch persönliche Kontakte aufbauen wollen, so beispielsweise durch Brieffreundschaften. „Schulpartnerschaften sind nach unseren Erfahrungen eher die Ausnahme als die Regel“, sagte Sibylle Jendrowiak. Die Kinderhilfe global betreut nach ihren Angaben bisher 14 Schulpartnerschaften - alle mit indischen Schulen. Durch die Tutzinger kommt nun erstmals eine Schule in Togo dazu. „Darüber freue ich mich besonders“, sagte sie. Zudem sei es die erste, die auf Initiative von Schülern entstanden sei.

Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald zeigte sich „unendlich stolz und zutiefst berührt“. Auch in ihrer Generation habe es durchaus Bewegungen wie für den Umweltschutz gegeben: „Aber irgendwie wurde es aufgegeben.“ Dann sei es um anderes gegangen: „Geiz ist geil“, Selbstbestätigung, egoistische Interessen. Sie forderte die Schülerinnen und Schüler auf: „Wenn eure Eltern sagen, ihr sollt auf euch schauen, dann sagt ihnen, dass Empathie und soziale Fähigkeiten der Schlüssel zu einem glücklichen, erfolgreichen und geborgenen Leben sind.“

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Die Verantwortlichen waren stolz auf die neue Schulpartnerschaft: Links vorn Schulleiter Andreas Thalmaier und Bürgermeisterin Marlene Greinwald, rechts vorn die drei Projekleiterinnen Antonia Haes, Lara Heineke und Magdalena Pain, hinten der Elternbeiratsvorsitzende Dr. Karl Kolmsee (2.v.li.) und Vizelandrat Matthias Vilsmayer (4.v.li.).

Das abgelegene, kleine Dorf Nargbal im Bezirk Guérin Kouka im Nordwesten Togos besaß eine Dorfschule, die aus nicht viel mehr als ein paar Stöckern und Palmenmatten bestand, wie aus einer Beschreibung von „Kinderhilfe global“ hervorgeht. Dank deutscher Spender konnte ein sicheres Schulgebäude errichtet werden, das zumindest ein wenig Schutz von der brennenden Sonne bietet. Die Schülerinnen und Schüler stammen aus sehr armen Verhältnissen, wie die Kinderhilfe schreibt. Viele Eltern seien Analphabeten und könnten ihre zahlreichen Kinder kaum ernähren. Bildung sei die einzige Chance, der Armutsspirale aus Abhängigkeit, Ausbeutung und Perspektivlosigkeit zu entkommen. Doch der Schule fehle es an allem. Bänke und Tafeln würden ebenso benötigt wie Bücher, Schreibmaterialien und viel mehr.

Die Kinderhilfe bezeichnet es als ihr Ziel, möglichst allen Kindern grundlegende Kenntnisse in Mathematik und französischer Sprache in Wort und Schrift zu vermitteln, damit sie einen fair entlohnten Beruf ergreifen und sich und ihren Familien ein besseres Leben aufbauen können. In den ländlichen Gegenden Togos lebten die Menschen in den meisten Dörfern nach wie vor ohne sauberes Trinkwasser. Die Frauen holten das dreckige Wasser aus den Flüssen und müssten dafür oft weite Wege gehen. Der Weg sei insbesondere für die Kinder nicht ungefährlich und aufgrund der heißen Witterung eine enorme Anstrengung. Das verdreckte Wasser sei zudem ein ewiger Quell von Krankheiten und Parasiten, unter denen vor allem die Kleinsten der Kleinen litten. Aus diesem Grund bohre die Kinderhilfe Tiefbrunnen, die mit einer einfachen wartungsarmen Handpumpe betrieben werden und langfristig bis zu 1000 Menschen täglich mit sauberem Trinkwasser versorgen könnten. Das Projekt verbessere die Lebensbedingungen der Menschen erheblich, sei kaum fehleranfällig und bewege sich mit je 6500 Euro je Brunnen auch im bezahlbaren Rahmen, so die Organisation.

Der gemeinnützige Verein Kinderhilfe global e.V. wurde 2021 mit einem klaren Ziel gegründet: „Wir wollen Kindern rund um den Globus eine lebenswerte Zukunft schenken.“ Dazu baue man Kontakte zu weltweiten Partnerorganisationen auf, um überschaubare Projekte, die den Ansprüchen an Transparenz und Effizienz gerecht würden, langfristig zu unterstützen.

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Peter Maffay lebt in Tutzing, kam aber nicht persönlich, sondern per Videobotschaft

Mit wichtigen Kontaktleuten in Togo ist das Tutzinger Projektteam in Verbindung. Einige von ihnen hatten Videobotschaften geschickt, die bei der Feier gezeigt wurden, so André Beguem, der Bürgermeister des Bezirks Guerin-Kouka, zu dem Nargbal gehört, und der Pater Marian Schwark vom Orden der Steyler, der sich in Togo stark engagiert hat, so für den Aufbau einer Krankenstation. Beide hatten bereits die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. In Tutzing folgten jetzt bei der Feier mit ihren Unterschriften Oberstudiendirektor Thalmaier, Sibylle Jendrowiak sowie die Projektleiterinnen Antonia Haes, Lara Heineke und Magdalena Pain.

„Uns war nicht klar, was für ein steiniger Weg uns bevorstehen würde“, bekannte Lara Heineke. Es habe lange Diskussionen in der Schule, mit Eltern und Freunden gegeben. Nach einiger Zeit kam dann die Verbindung zur Organisation „Kinderhilfe global“ zustande. Die Tutzinger Gymnasiasten haben parallel dazu bereits mehrere Aktionen organisiert, damit Geld für die dringend benötigte Hilfe zusammenkommt. So haben sie beispielsweise mit einem Platzerlverkauf auf dem Tutzinger Adventsmarkt und mit einer Tombola zusammen schon etwa 1100 Euro eingenommen.

Videobotschaften steuerten zu der Feier auch mehrere Prominente bei, die für die Schmirmherrschaft der Schulpatenschaft gewonnen werden konnten: der in Tutzing lebende Rocksänger Peter Maffay, die Schauspielerin Michaela May, der Kabarettist Hannes Ringlstetter und die Moderatorin Carolin Matzko. Am Rande zeigten sich einige Schülerinnen und Schüler allerdings recht enttäuscht, dass Maffay „nur“ per Video erschien – sie hatten sich darauf gefreut, ihn persönlich kennenzulernen.

„Eine Partnerschaft bringt Verantwortung mit sich“, sagte Lara Heineke. Es gehe darum, den Schülern in Togo zu helfen, aber auch persönliche Kontakte aufzubauen und das alles in den Schulalltag zu integrieren. „Schule ist viel mehr als lernen und Noten“, rief sie aus. Eine Partnerschaft von ungleichen Menschen sei immer besonders interessant, weil die Menschen voneinander lernen könnten, sagte Dr. Karl Kolmsee, der Vorsitzende des Elternbeirats, der volle Unterstützung ankündigte: „Wir gehen gemeinsam mit Verantwortung und auch mit Spaß in diese Partnerschaft.“ Der stellvertretende Landrat Matthias Vilsmayer sagte, dass durch Partnerschaften des Landkreises Starnberg wie mit Bad Dürkheim und Taiwan zahlreiche persönliche Freundschaften entstanden seien, auch unter Schülern: „Davon hat auch unser Landkreis profitiert.“ Man sehe die Welt mit anderen Augen. Eine Schulpartnerschaft sei ein großes Zeichen für den Zusammenhalt auf der Welt. Gerade der Krieg in der Ukraine belege, wie wichtig ein friedvolles Miteinander sei. „Toll, dass ihr als junge Generation dieses Projekt initiiert habt“, rief er den jungen Leuten zu.

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Gut drauf war die Big Band des Gymnasiums unter der Leitung von Stephan Beck, unter anderem mit John Lennons "Imagine" und dem Swing-Klassiker "Take the A-Train" © Fotos: L.G.
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