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Zweistelliger Millionenbetrag fürs Gymnasium

Landkreis will der Gemeinde nicht alle Ausgaben erstatten - Greinwald will sich wehren

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Die Turnhallen sind nach Auffassung des Kreiskämmerers am Ende ihrer Lebenszeit © L.G.

Das Tutzinger Gymnasium steht vor tiefgreifenden Baumaßnahmen. Der Landkreis Starnberg, der die Trägerschaft der Schule im August übernommen hat, will sie in den nächsten vier bis fünf Jahren vornehmen. Dafür wird er nach bisherigen Kostenschätzungen einen zweistelligen Millionenbetrag aufwenden müssen - doch wieviel genau, das ist bisher offen. Kreiskämmerer Stefan Pilgram hat jüngst im Schulausschuss des Kreistags offen bezweifelt, dass eine bisher genannte Größenordnung von 15 Millionen Euro ausreichen wird. Mehrere Gutachten will der Landkreis erstellen lassen und dann bis Ende nächsten Jahres ein Sanierungskonzept anfertigen lassen. Im Zuge dieser Vorarbeiten dürften auch die Kosten konkretisiert werden.

Tutzing soll auf mehr als 10 000 Euro verzichten

Nicht gut angekommen ist in Tutzing unterdessen eine finanzielle Ankündigung des Kämmerers: Der Landkreis will der Gemeinde die von ihr noch vor der Übertragung übernommenen Ausgaben nicht vollständig erstatten. Sie soll zwar rund 82 000 Euro bekommen, doch ein Rest von mehr als 10 000 Euro bleibt übrig - auf den soll sie verzichten. Das will Bürgermeisterin Greinwald nicht akzeptieren, betonte sie auf der Bürgerversammlung: „Dagegen werde ich mich wehren.“ Im Schulausschuss des Kreistags war der Eindruck entstanden, dass die von der Gemeinde Tutzing vorgenommen Untersuchungen und Planungen nicht komplett die Ansprüche des Landkreises erfüllen.

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Wundervolle Schule oder nur wundervoller Standort? © Jahresbericht Gymnasium Tutzing 2019

Gemeinde hat mehr als 200 Aktenordner an den Landkreis übergeben

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Keine rollstuhlgerechte Rampe? © L.G.

Für die Gemeinde Tutzing sei die Übertragung auf den Landkreis „ein großes Stück Arbeit“ gewesen, sagte demgegenüber Marlene Greinwald auf der Bürgerversammlung. Allein mehr als 200 Aktenordner habe die Gemeinde dem Landratsamt übergeben. Sichtlich irritiert zeigte sich die Bürgermeisterin über Darstellungen des Kreiskämmerers. Er habe das Tutzinger Gymnasium im Schulausschuss des Kreistags „schlecht geredet“, kritisierte sie. Sie erwähnte ein von Pilgram gezeigtes Bild der Schule und kommentierte, der Kämmerer hätte auch ein schöneres Foto nehmen können: „Darüber habe ich mich sehr geärgert.“ Das Gymnasium sei eine schöne Schule und keineswegs so marode, wie es bei Pilgrams Präsentation im Schulausschuss wirken konnte. Der Kämmerer bezeichnete dagegen nur den „Standort“ der Schule vielsagend als „wundervoll“.

Als besonders problematisch hat Pilgram vom Schulausschuss den Zustand der Turnhallen geschildert, die nach seiner Einschätzung quasi das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. Erheblichen Sanierungsbedarf bescheinigte er auch der Kalle-Villa und dem Südbau. Mit dem Nordbau sieht es nach seinen Worten noch besser aus, doch in dessen Innenräumen müsse er ebenfalls saniert werden. Viel weiteren Erneuerungsbedarf gibt es laut Pilgram in der Haustechnik, beim Brandschutz und bei der Raumluft wegen zu vermutender Schadstoffe. Ebenso hält er die Barrierefreiheit nicht für gegeben: Aufzüge und rollstuhlgerechte Rampen fehlten im gesamten Schulgebäude, sagte er trotz der langen Rampe, die den Südbau durchzieht.

Straßensanierung verzögert Glasfaser-Anschluss

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Als Schule mit hohem Sanierungsbedarf betrachtet der Landkreis das Tutzinger Gymnasium © Abiturzeitung Gymnasium Tutzing 2018

Einige Arbeiten sind nach den Angaben im Schulausschuss schon für das nächste Jahr vorgesehen, so zumindest behelfsmäßige Reparaturen am Dach des Südbaus und am Dach der Turnhalle. Auch eine mobile Heizung wurde angekündig - der derzeitigen Heizung wird offenbar nicht mehr so recht getraut.

Umgebaut werden soll der Server-Raum in der Kalle-Villa, denn bei ihm werden Ausfallrisiken gesehen. Im Nordbau soll ein Computerzentrum mit einem neuen Netzwerk entstehen.

Die gesamte Informationstechnik der Schule würde wohl eine Modernisierung vertragen, doch die Verantwortlichen im Landratsamt wollen offenbar nicht mit allzu frühzeitigen Arbeiten in diesem Bereich riskieren, dass sie nach der Gebäudesanierung alles nochmal machen und damit doppelt bezahlen müssen. Aus einem bereits im Frühjahr vom Landratsamt beantragten Glasfaser-Anschluss, der die Internet-Nutzung im Gymnasium beschleunigen soll, scheint wegen der Sanierungsarbeiten an der Hauptstraße ohnehin so schnell nichts zu werden.

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Erstaunlich, wie viel hier seit Wochen und Monaten über Geld und Formaljuristisches, wie wenig aber mit den jungen Menschen und über ihre ureigensten Angelegenheiten gesprochen wird. Als gäbe es in diesen Gebäuden keine Schüler, die im übrigen substanzielle Beiträge zu dieser Renovierung hätten liefern können. Zum Beispiel zu der Frage, ob es mit der Rampe und der Barrierefreiheit selten, ständig oder gar nie Probleme gab.
(Bearbeitet)
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