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Neue Zeiten fürs Tutzinger Gymnasium

Landkreis Starnberg übernimmt Trägerschaft - Gutachten soll Lage klären - Hoher Investitionsbedarf

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Die schönstgelegene Schule weit und breit, sagen viele: Gymnasium Tutzing

Im Gymnasium Tutzing dürfte jetzt manch einer erst mal auftatmen. Das Hin und Her um die Trägerschaft der Schule hat ein Ende - der Landkreis Starnberg übernimmt sie von der Gemeinde Tutzing. Das hat der Kreistag am Montag beschlossen und damit einen entsprechenden Antrag der Gemeinde befürwortet.

Bis die Entscheidung tatsächlich realisiert wird, dürfte es allerdings noch längere Zeit dauern. Der Landkreis will erst einmal eine Schulverwaltung aufbauen. Zunächst will er eine Person einstellen, die die Übernahme des Tutzinger Gymnasiums vorbereitet und durchführt. Auch ein Gutachten zur Untersuchung der Lage soll erstellt werden.

Was die Wartezeit bis zur tatsächlichen Übergabe der Trägerschaft für die im Gymnasium als dringlich betrachteten Investitionen bedeutet, ist zurzeit nicht klar. Der Landkreis betrachtet diese Maßnahmen derzeit noch als Aufgabe der Gemeinde Tutzing, solange sie noch der Träger des Gymnasiums ist. Landratsamts-Sprecher Stefan Diebl hat aber gegenüber vorOrt.news versichert: „Wir unterstützen die Tutzinger dabei, es auf den Weg zu bringen.“

Sechs Schulen kommen für Trägerschaft des Landkreises in Frage

Das Tutzinger Gymnasium wird wohl nicht die einzige Schule sein, deren Trägerschaft der Landkreis Starnberg übernehmen wird. In Frage kommt dies bei insgesamt sechs Schulen: dem Gymnasium Tutzing, dem Gymnasium Starnberg, dem Gymnasium und der Realschule Gauting, dem Gymnasium Gilching, der Realschule Herrsching sowie dem geplanten neuen Gymnasium in Herrsching. Träger der Schulen sind bisher die jeweiligen Gemeinden oder - im Fall von Gilching - ein Zweckverband.

Tutzinger Benedictus-Realschule nicht betroffen

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Die alte "Kalle-Villa" (rechts) bildet den Mittelpunkt des Gymnasiums, ist aber ein Sanierungsfall © Fotos: L.G.

Ein anderer Fall ist die Tutzinger Benedictus-Realschule. Sie wird kirchlich geführt, ihr Träger ist die Diözese Augsburg. Damit wird für sie keine Trägerschaft durch den Landkreis in Frage kommen.

Ob der Landkreis bei den anderen Schulen Träger wird, das dürfte in nächster Zeit noch zu heftigen Diskussionen führen. Nach früheren Verlautbarungen waren bei den einzelnen Schulen keineswegs alle Verantwortlichen mit so einer Vorgehensweise einverstanden. Ob dies nun alle nach der Entscheidung im Fall Tutzing anders sehen, ist derzeit offen.

Im Kreistag wollte Landrat Karl Roth (CSU) die Stimmung offenbar erst mal austesten. Deshalb ließ er einen bereits vorbereiteten Beschlussvorschlag zur Übernahme der Trägerschaft beim Tutzinger Gymnasium zunächst in der Tasche und der Diskussion ihren Lauf.

Sieben Millionen Euro Investitionen gelten als notwendig

Hitzige Diskussionen über dieses Thema hatte es vor dem Beschluss im Kreistag vorige Woche schon im Kreisausschuss gegeben. Dabei gab es Behauptungen von seiten der Kreisverwaltung, die Gemeinde Tutzing stehe finanziell gar nicht so schlecht da, wie sie oft beklage. Sie habe für das Gymnasium 1,6 Millionen Euro mehr bekommen als ausgegeben. Auch für notwendige Investitionen von sieben Millionen Euro müssten die vom Landkreis beigesteuerten Finanzmittel ausreichen.

Diese Worte stießen auf energischen Widerspruch der Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald von den Freien Wählern. Sie erwiderte, Tutzing habe über 30 Jahre gesehen etwa 8,4 Millionen Euro zu wenig erhalten. Angesichts der gesetzlichen Pflicht des Landkreises, für die Trägerschaft weiterführender Schulen zu sorgen, kündigte Greinwald für den Fall einer Ablehnung des Tutzinger Antrags eine Klage an.

Dann zeichnete sich aber schnell eine Mehrheit für die Übernahme der Trägerschaft durch den Landkreis ab. Die Freien Wähler waren sofort auf diesem Kurs, auch SPD und Grüne schlossen sich an. Landrat Roth zog schließlich gegen Ende der Sitzung seinen Beschlussvorschlag zur Übernahme der Trägerschaft hervor - und damit war die Sache gelaufen.

Quelle Titelbild: L.G.
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Comments

Drei Dinge verstehe ich nicht. Erstens, dass das Landratsamt behauptet, genug Geld für das Gym überwiesen zu haben, das auch ausreicht, die 7 Millionen Investitionsstau zu bezahlen - was die Gemeinde aber wohl nicht weiß? Zweitens, dass die Gemeinde sogar 8,4 Millionen Zuschüsse aus 30 Jahren vermisst, aber 30 Jahre offenbar nichts dagegen getan hat. Drittens wieso auf vorOrtNEWS Frau Greinwald immer in Klammern die (Freie Wähler)-Herkunft angehängt wird, obwohl sie sich doch sicher als Bürgermeisterin für alle Tutzinger versteht. Verseht IHR das?
Helge Haaser Passau
Die finanziellen Wirrungen bei diesem Thema sind tatsächlich für Außenstehende großenteils unverständlich. Da sitzen die Leser von vorOrt.news mit allen anderen Bürgern und Journalisten in einem Boot - wie bei vielen anderen Themen auch. Das Publikum einschließlich Presse erhält in solchen Sitzungen oft nur lückenhafte Informationen. Weil diese Lücken anschließend bei den Verantwortlichen aus Zeit- oder anderen Gründen häufig nicht oder zumindest nicht schnell genug gefüllt werden können, recherchieren Journalisten oft zusätzlich in anderen Kreisen - bei Beteiligten, Nachbarn, Kennern der Materie und so weiter. Doch klare Informationen aus erster Hand kann eine solche Vorgehensweise meist nicht ersetzen. So bleiben viele Berichte in Zeitungen, in Radio und Fernsehen und auch bei vorOrt.news ein Stück weit unbefriedigend.

Das ist bedauerlich. Es müsste auch nicht sein, weil ja alle Beteiligten und gerade auch die jeweils Verantwortlichen eigentlich hohes Interesse an einer möglichst korrekten und auch verständlichen Berichterstattung haben müssten. Viele Journalisten versuchen regelmäßig, die Informations-Grundlagen zu verbessern. Das ist offen gestanden ein hartes Stück Arbeit. Aber es gibt dabei zunehmend Erfolgserlebnisse.

Im Tutzinger Gemeinderat beispielsweise haben wir Journalisten schriftlich über längere Zeit ausschließlich die Tagesordnungen der jeweiligen Sitzungen erhalten, mehr nicht. Als Grund dafür wurde uns meist die Datenschutzgrundverordnung genannt. Die Gemeinderäte dagegen haben oft ausführliche Unterlagen zu den einzelnen Punkten bekommen. Seit einiger Zeit hat sich dies deutlich geändert. Bürgermeisterin Marlene Greinwald hat sich dankenswerterweise persönlich darum gekümmert, der Presse mehr Erläuterungen zur Verfügung zu stellen. Das erweist sich als sehr hilfreich und hilft auch dabei, Missverständnissen und Fehlern vorzubeugen.

Natürlich bleiben immer noch Wünsche offen. So haben beispielsweise die Mitglieder des Bauausschusses kürzlich offenbar zu etlichen Bauanträgen schriftlich die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und Bürgern erhalten. An die Presse wurden diese schriftlichen Stellungnahmen dagegen nicht verteilt. "Sie haben die ausführlichen Unterlagen gelesen", sagen dann die jeweiligen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zu den Gemeinderäten. Die Journalisten schauen sich dann gern fragend an und witzeln: Habt Ihr auch gelesen, was Ihr nicht bekommen habt? In den mündlichen Ausführungen wurden sie zwar kurz erwähnt, doch das geht meist zu schnell, um Details erfassen zu können. Nachfragen sind für Journalisten in diesen Sitzungen ohnehin nicht möglich. Ob in solchen Stellungnahmen interessante Themen auch für die Öffentlichkeit stecken, ist auf diese Weise nur schwer zu beurteilen.

Zum konkreten Thema Gymnasium: Die im Kommentar angesprochenen Fragen zu den Finanzen sind zweifellos wichtig und angebracht. Wir werden sie sammeln und versuchen, bei geeigneter Gelegenheit Antworten zu erhalten. Selbstverständlich würden wir uns auch über kompetente Angaben hierzu zum Beispiel von Kommunalpolitikern oder Kennern aus dem Landratsamt freuen.

Zur Angabe der Partei in Klammern oder als Ergänzung: Diese Gepflogenheit ist zugegebenermaßen nicht schön, aber im Journalismus aus guten Gründen üblich. Auch wenn sich Bundeskanzler, Ministerpräsidenten oder Bürgermeister fürs ganze Volk zuständig fühlen, ist es für die Einordnung ihrer Aussagen vielfach hilfreich, den Hintergrund der jeweils zitierten Personen zu kennen. In Tutzing dürften zwar die meisten Menschen wissen, welcher Partei die Bürgermeisterin angehört, doch eine solche Kenntnis kann man vermutlich nicht bei allen Lesern voraussetzen.
(Bearbeitet)
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