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Tutzinger Gymnasiasten packen an

„Fridays for Future“ auf andere Art: Statt zur Schülerdemo Arbeit für den Umweltschutz

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Viel Arbeit gab es am Freitag auf dem Schulgelände

Direkt neben der Kalle-Villa haben Tutzinger Gymnasiasten am Freitag kräftig gearbeitet. Auf dem Schulgelände haben sie Pflanzen gesetzt und aus einem alten Ikea-Regal ein Insektenhotel gebaut. Ganz einfache Zusammenhänge führten zu Aha-Effekten. In einer „Kräuterspirale“ befand sich viel Schnittlauch, das an Ort und Stelle gewachsen war. „Die Schüler merken, es handelt sich um ein Lebensmittel, das nicht in einem Auto war“, sagte Margit Kleber. Die Lehrerin hatte die Idee für diesen fächerübergreifenden Aktionstag der Fachschaften Biologie, Deutsch und Kunst unter dem Titel „’Fridays for Future’ am Gymnasium Tutzing - angelehnt an die inzwischen bekannten Schülerdemonstrationen, aber halt doch ein wenig anders.

„Den beteiligten Schülern und Lehrern geht es darum, nicht nur einfach zu demonstrieren, sondern etwas Konkretes für die Umwelt zu tun“: Das wurde von vornherein betont. Lehrerkollegen und Schüler seien sofort Feuer und Flamme von diesem Ansatz gewesen, berichteten die Organisatoren. Auch an diesem Freitag haben sich zwar zehn Tutzinger Gymnasiasten nach München zur Demonstration für den Klimaschutz aufgemacht. Doch die Teilnahme an dem Aktionstag, der gleichzeitig auf dem Schulgelände stattfand, war deutlich stärker: Da waren 44 Schüler aus zwei Kursen der Qualifikationsphase Q11 dabei. Auch der Förderverein „Freunde des Gymnasiums Tutzing“ hat die fächerübergreifende Aktion unterstützt.

"Viele Schüler wollen über diese Themen diskutieren"

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Direkt neben der Kalle-Villa wurde gepflanzt

Großes Engagement war erkennbar, im Schulgarten wurde gebuddelt und gepflanzt, und es wurde viel gefachsimpelt. Zur Sicherheit lagen Bücher zum Nachschlagen bereit. Die beteiligten Lehrer Margit Kleber, Gabi Beulke, Teresa von Lerchenhorst und Bertram Fischer waren selbst mit erkennbarer Begeisterung dabei, gaben aber auch offen zu, nicht alles zu wissen.

Die aktuellen Aktivitäten der Schüler in vielen Ländern und ihre Demonstrationen haben ganz offenkundig einiges bewirkt. „Man spürt es in den Klassen“, sagte der Lehrer Bertram Fischer: „Viele Schüler wollen über diese Themen diskutieren, auch abseits des Lehrstoffs.“ Ob der Aktionstag eine Konkurrenz zu den Schülerdemonstrationen sein soll? Nein, so wollte es niemand von den Beteiligten sehen. Es sei eine Ergänzung, beides sei wichtig. So sieht es generell auch Schulleiter Bruno Habersetzer. Für ihn ist das alles dennoch ein „Spagat“, wenn er an die Schulordnung denkt. „Von oben kommt nichts“, sagte er, „oder nur warme Worte.“ Deshalb hat er in einem Elternbrief klar mitgeteilt, was geht und was nicht.

Der Tutzinger Elternbrief zu den Schülerdemonstrationen "Fridays for Future"

  Elternbrief.pdf herunterladen

Demo-Teilnahme schützt nicht vor Schulaufgaben

Wer zur Demo will, muss einen Beurlaubungsantrag stellen - und es wird von vornherein angekündigt, dass ein solcher Antrag abgelehnt wird. Wer trotzdem zur Demo geht, verstößt gegen die Schulordnung. „Im Sinn einer ersten erzieherischen Maßnahme“ wird er oder sie dann zur Teilnahme am Klimadialog des Landratsamts Starnberg am 29. März verpflichtet. Wenn Schüler an Freitagen aber kontinuierlich wegen Demo-Teilnahme dem Unterricht fernbleiben, dann müsse die Schule „härtere Maßnahmen ergreifen“, steht ausdrücklich in dem Elternbrief. Letztlich könne das bis zu Bußgeldern der Eltern führen, sagte Habersetzer gegenüber vorOrt.news unter Hinweis auf entsprechende Konsequenzen, wenn Schüler schon vor Ferienbeginn am Flughafen auf dem Weg in den Urlaub erwischt werden. Die Schüler müssen den versäumten Stoff selbstständig nachlernen und an Leistungserhebungen wie Schulaufgaben oder Referaten teilnehmen.

Vor den Demos ist Zeit für Unterricht - aber manche Schüler schlafen lieber aus

Die Schüler selbst sehen das alles recht souverän. „Wir bereiten ja das Abitur vor“, sagte Helena Krestan, eine der Schülersprecherinnen: „Wir wollen den Unterricht.“ Genauso wichtig ist ihnen aber auch, dass in Sachen Klimaschutz endlich mehr passiert, wie es Chiara Bachfischer, eine andere Schülersprecherin, formulierte. Eine weitere Schülersprecherin, Carolin Manz, zeigte sich sogar sicher, dass die Aktionen der Schule gut tun.

Schon seit Wochen nehmen Tutzinger Gymnasiasten an den Demonstrationen teil. Die beginnen in München immer freitags um 11 Uhr. Da wäre also noch Zeit, die ersten zwei Stunden in den Unterricht zu gehen. Viele machen das, aber nicht alle. „Manche schlafen aus und fahren dann zur Demo“, erzählten die Lehrer. Aber den Anteil der wirklich am Umweltschutz interessierten Schüler schätzte einer von ihnen, Bertram Fischer, dennoch auf 80 Prozent.

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Tutzinger Aktion für die Umwelt: Die Gymnasiasten mit Schulleiter Bruno Habersetzer und den Lehrern Margit Kleber (untere Reihe, 3. u. 4. von links) und Bertram Fischer (mittlere Reihe rechts) © Fotos: L.G.
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