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Schauspieler in Tutzing gesucht

Die Heimatbühne hofft dringend auf neue Mitwirkende – sonst droht die Vereinsauflösung

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Seit 1977 gibt es die „Heimatbühne Tutzing e.V.“. Über lange Zeit hat sie regelmäßig mit Theateraufführungen begeistert. Doch nun droht die Vereinsauflösung. „Es ist fünf Minuten vor zwölf“, sagt ihr Vorsitzender Hubert Heirler. Denn in dem Laienensemble gibt es immer weniger aktive Schauspieler. Der Verein hat zwar immer noch mehr als 90 Mitglieder. Aber nicht mal 20 Aktive stehen als Darsteller und für die vielen sonstigen Aufgaben – von der Beleuchtung bis zum Kulissenschieben - zur Verfügung.

Heirler will nicht aufgeben. „Ich probier’s nochmal“, sagt er entschlossen. Eine Aufführung würde er in diesem Jahr gern anpeilen. Ein Stück hat er schon ausgesucht: „Die Erbschleicherin“, eine bayerische Version von Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ von Hans Herberts. Elf Schauspieler wirken da normalerweise mit. „Wir haben es auf sechs reduziert“, sagt Heirler, fügt aber ernüchtert hinzu: „Nicht mal die bringen wir zusammen.“

Zwei Vorsitzende seit 1977: Hubert Hupfauf und Hubert Heirler

Die Heimatbühne ist ein Verein mit treuen Mitgliedern und Mitwirkenden. Viele von ihnen haben die Tutzinger Theatergruppe über Jahrzehnte unterstützt. Seit ihrer Gründung 1977 gab es nur zwei Vorsitzende: Erst Hubert Hupfauf, seit 1993 Hubert Heirler. Schon bei der früheren Katholischen Jungen Gemeinde hat er mit 16 Jahren Theater gespielt. Später war er im Sportclub Tutzing beim Judo engagiert. Nicht zuletzt dort haben sich viele persönliche Kontakte auch für die späteren Aktivitäten der Heimatbühne ergeben. Über lange Zeit hat der Verein fast in jedem Jahr ein Stück aufgeführt. Der größte Erfolg war nach Heirlers Erinnerung 1978 eine Aufführung des „Brandner Kaspar“. Drei Mal, später sogar sechs Mal wurden die Stücke gespielt. Die alte TSV-Halle in der Greinwaldstraße war für die Theatergruppe Heimstatt und Theatersaal. 400 Personen hat sie gefasst, und oft war sie voll besetzt. Auch beim Tutzinger Ferienprogramm hat der Verein regelmäßig mitgewirkt.

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"Gspenstermacher" hieß die bisher letzte große Aufführung der Tutzinger Heimatbühne 2018 - hier die Mitwirkenden beim umjubelten Schlussapplaus

In den vergangenen Jahren haben viele Probleme das Laienspiel erschwert

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Hubert Heirler sorgt sich um den Fortbestand der Tutzinger Heimatbühne, deren Vorsitzender er seit 1993 ist

Aber in den vergangenen Jahren ist Vieles nicht mehr so rund gelaufen. Die letzten großen Aufführungen sind Jahre her: 2017 spielte das Ensemble „Im Pfarrhaus ist der Deife los“, eine Komödie von Sebastian Kolb und Markus Scheble, und 2018 den schaurig-lustigen Schwank "Gspenstermacher“ von Ralph Wallner. Seitdem hat das Team die Lust am Theaterspiel auf andere Weise zu erhalten versucht, so zum Beispiel mit bunten Abenden und Sketchen. „Wir haben immer versucht, irgendetwas zu machen“, sagt Heirler. Einmal ist ein Gstanzlsänger aufgetreten.

Aber alle möglichen Probleme haben das Laienspiel immer mehr erschwert. „Corona hat einen tiefen Riss hinein gebracht“, sagt Heirler. Auch Raumsorgen kamen hinzu. Es geht ja nicht nur ums Proben und Aufführen. Der Verein hat im Lauf der Zeit viele Requisiten, große Kulissenteile, Beleuchtungen und andere technische Einrichtungen angeschafft. Kenntnisreiche Mitglieder haben Vieles selbst angefertigt und für die Bühnenzwecke umgebaut. Das alles muss irgendwo untergebracht werden, vom Platz fürs Proben ganz zu schweigen. Aber immer wieder gab es Einschnitte. Als die alte TSV-Halle 2011 abgebrochen wurde, verlor die Heimatbühne im wahrsten Sinn des Wortes ihre Heimat. Einen perfekten Theaterraum gibt es seitdem nicht mehr. Sehr gefreut haben sich die Vereinsmitglieder über die Nutzungsmöglichkeit der Kloster-Turnhalle, die ihnen die Missions-Benediktinerinnen zur Verfügung gestellt haben. Die Dreifachturnhalle gilt nicht als geeignet, weil es dort keine Bühne gibt. Räume für die Lagerung von Requisiten und für andere Zwecke konnte der Verein nutzen, so beispielsweise im Obergeschoss des alten Volksschulgebäudes, doch auch damit war Schluss, als Bedarf für die Kinderbetreuung entstand. Auch andere Räume sind kurzfristig weggefallen. „Es gibt keinen Ersatz“, bedauert Heirler, der inzwischen seine eigene Garage als Lagerraum zur Verfügung gestellt hat.

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"Im Pfarrhaus ist der Deife los": Mit dieser Aufführung sorgte die Heimatbühne 2017 für ein Highlight in Tutzing. Von links Moritz Aigner, Martin Paukner, Sebastian Graba und Marlene Thun © Volker Herrmann

Wo gibt es in Tutzing Schauspiel-Nachwuchs?

Vor allem aber fehlt es an aktiven Mitwirkenden. Heirler hofft sehr auf Schauspiel-Nachwuchs. Eigentlich gibt es in Tutzing viele Theater-Begeisterte, gerade auch unter jüngeren Menschen. Das belegen qualitativ häufig hochwertige Aufführungen an den Schulen. Heirler würde sich sehr freuen, wenn sich Interessierte bei ihm melden würden. Dabei zeigt er sich auch für neue Theaterformen offen. Es müsse auch keineswegs immer bayerisch sein. „Man sollte ‚Heimatbühne‘ nicht so wörtlich nehmen“, meint er. Man spiele halt Theater in der Heimat.

Irgendwann im Zeitraum Februar bis April dieses Jahres steht die nächste Vorstandswahl an. „Bis dahin müssen wir wissen, ob es genug Interesse gibt“, sagt Heirler. Andernfalls sieht er keine andere Wahl: „Dann müssen wir den Verein auflösen.“ Er selbst ist Vorsitzender und Spielleiter, zweiter Vorsitzender ist Sebastian Graba, Kassenwart Florian Müller, Schriftführer Martin Paukner, technische Leiterin Michaela Heidler, Beisitzer sind Vanessa Heirler, Claudia Schiffner und Sascha Tatum, Kassenprüfer Brigitte Sturm und Diethart Drexler. Drei der Vorstandsmitglieder werden sicher aufhören, sagt Heirler. Das hängt auch damit zusammen, dass einige mittlerweile nicht mehr in Tutzing wohnen.

Kontakt

Heimatbühne Tutzing e.V.
c/o Hubert Heirler
Hauptstrasse 53
82327 Tutzing

Tel. 08158 1201
[email protected]
https://www.heimatbuehne-tutzing.de/

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