Kommunikation
7.12.2021
Von vorOrt.news

Im Reich von John Malone

In Tutzing steht die Glasfasererschließung durch Liberty Global Networks zur Debatte

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Lehrrohre für Glasfaser in der Verlegung © obs/MICUS Strategieberatung GmbH

„Glasfasererschließung in der Gemeinde Tutzing durch Liberty Global Networks GmbH“: Dieses Thema steht heute Abend unter anderem auf der Tagesordnung der Tutzinger Gemeinderatssitzung, die im Saal des Traubinger Buttlerhofs stattfindet und schon um 18 Uhr - nicht wie sonst um 19 Uhr - beginnt.

Wer ist Liberty Global Networks? Es handelt sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der Investmentgesellschaft Liberty Global Ventures mit der französischen Finanzbeteiligungsgruppe InfraVia Capital Partners. Liberty Global Networks soll den Ausbau von Glasfasernetzen bis ins Haus („Fiber-to-the-Home“, FTTH) besonders im ländlichen Raum vorantreiben.

Liberty Global Networks gehört wiederum zum Konzern Liberty Global und damit zum Reich von John Malone, den das Forbes Magazine zu den vermögendsten US-Amerikanern zählt. Malone ist auch bekannt für den Kauf der Rennserie Formel 1 durch sein Unternehmen Liberty Media. Vor knapp 20 Jahren scheiterte sein Konzern mit dem Versuch, das gesamte deutsche Kabelnetz von der Deutschen Telekom zu übernehmen. 2009 erwarb sein Unternehmen den zweitgrößten Netzbetreiber Unitymedia, verkaufte diesen aber vor zwei Jahren an Vodafone.

Mit Liberty Global Networks ist Malones Konzern nun wieder zurück auf dem deutschen Markt. Der Aufbau von Glasfasernetzen in einem Land, in dem Millionen von Haushalten noch keinen Zugang zu schnellen und zuverlässigen Breitbandanschlüssen hätten, biete attraktive Renditen, schwärmte ein Verantwortlicher von Liberty Global. „Liberty Networks Germany drängt auf den TK-Markt“, titelte die „Zeitung für kommunale Wirtschaft“.

"Malone hat die Medien- und Kommunikationsbranche geprägt wie kaum ein zweiter"

Die Urteile über John Malone sind vielschichtig. Über ein „kaum noch überschaubares Firmengewirr“ berichtete das Manager Magazin, einen der besten Investoren der Welt nannte ihn der Hedgefonds-Manager Chris Hohn. Nach Einschätzung der „Börsen-Zeitung“ hat Malone die globale Medien- und Kommunikationsbranche geprägt wie kaum ein zweiter. Mit einer Mischung aus Skepsis und Respekt wird Malone auch immer wieder als „Steuervermeider“ bezeichnet. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hat berichtet, Liberty Global habe mit Unitymedia Milliardengewinne erzielt, doch Unitymedia habe in Deutschland nur gut 50 Millionen Euro Unternehmenssteuern gezahlt. Multinationale Unternehmen, so wurde dies erklärt, können legal das Steuersystem ausnutzen, indem sie sich viel Geld leihen, sich selbst hohe Ausschüttungen gewähren und enorme Kapitalgewinne erzielen.

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