Die Tutzinger Gemeinderätin Christine Nimbach ist der Partei „Die Basis“ beigetreten. Das hat sie am Dienstag in der Gemeinderatssitzung in einer kurz gehaltenen mündlichen Mitteilung bekanntgegeben. Sie erkundigte sich, ob diese Information formlos ausreiche oder ob sie schriftlich benötigt werde. Bürgermeisterin Marlene Greinwald meinte, dass es formlos genügen werde.
„Die Basis“ - kurz für „Basisdemokratische Partei Deutschland“ – ist aus der Querdenker-Bewegung hervorgegangen, wie sie selbst im Juli zu ihrem dreijährigen Bestehen erklärt hat („Entstanden aus einem Teil der Widerstandsbewegung gegen die unverhältnismäßigen Maßnahmen in der sogenannten ‚Corona-Pandemie‘“).
Christine Nimbach hat die Tutzinger Ortsgruppe der Grünen in den 1990er Jahren mitgegründet. Drei Amtsperioden, von 1996 bis 2014, hat sie die Grünen völlig allein im Gemeinderat vertreten. Von 2014 bis 2020 waren sie und Bernd Pfitzner zwei Vertreter dieser Partei, bei der Kommunalwahl 2020 gewannen die Grünen vier Mandate.
Schon bei der Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl 2020 hatte sich aber eine Entfremdung angedeutet: In mehreren Wahlgängen fiel sie durch, schließlich musste sie sich mit Platz fünf begnügen (siehe unten "Überraschung bei den Tutzinger Grünen"). Bei der Kommunalwahl erhielt sie das drittbeste Ergebnis der grünen Kandidaten.
Der Austritt aus der Gemeinderatsfraktion wurde mit mehr Ausschusssitzen belohnt
Doch schon bald traten die Klüfte immer deutlicher zu Tage. Mit Widerstand gegen Masken während der Corona-Pandemie und gegen das Impfen sorgte Nimbach plakativ für Aufsehen. Besondere Aufregung gab es wegen einer von ihr unterstützten Protestaktion mit Kinderschuhen und Plüschtieren, die neben dem Tutzinger Vetterlhaus ausgelegt worden waren, denn leere Kinderschuhe gelten als grauenvolles Symbol für die Ermordung vieler Kinder durch die Nationalsozialisten. Die drei anderen Gemeinderatsmitglieder der Grünen in Tutzing, Michael Ehgartner, Bernd Pfitzner und Flora Weichman, legten Nimbach die Trennung nahe. Sie kritisierten die „wiederholten öffentlichen Äußerungen von ihr gegen grüne Grundsatzziele und gegen grüne Programmatik“ und warfen ihr Antisemitismus vor.
Nimbach widersprach: „Ich wüsste nicht, wo ich mich gegen grüne Positionen gewandt hätte.“ Der Vorwurf, die Protestaktion mit Kinderschuhen verharmlose den Holocaust und komme aus der rechten Ecke, habe sie „fassungslos gemacht“, erklärte sie. Den Grünen warf sie ihrerseits vor, sie hätten „die Grundrechtseinschränkungen durch die Regierungsparteien klaglos von der Partei und ihren Vorsitzenden hingenommen“. Wie es dem Mittelstand, der Gastronomie, Hotels und den geschlossenen Einzelhandelsgeschäften und den dadurch arbeitslos gewordenen Menschen gehe, habe nicht weiter interessiert.
Bald verließ sie die Gemeinderatsfraktion und kurz darauf auch die Fraktion der Grünen im Starnberger Kreistag – ob gezwungen oder freiwillig, darüber waren die Angaben unterschiedlich. Auch aus der Partei Bündnis 90 / Die Grünen trat sie aus, blieb aber – fraktionslos – Mitglied des Tutzinger Gemeinderats. Fast wie eine Satire wirkte die kommunalrechtliche Folge: Die Trennung von ihrer Fraktion wurde Nimbach durch zusätzliche Ausschusssitze quasi belohnt, während die Grünen Ausschusssitze verloren. Damit ist Nimbach seitdem in den Ausschüssen allein genauso stark vertreten wie alle Grünen zusammen. Außer Bürgermeisterin Marlene Greinwald ist sie damit die einzige Tutzinger Kommunalpolitikerin mit ordentlicher Mitgliedschaft in allen drei Ausschüssen des Gemeinderats.
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