Die Tutzinger Gemeinderätin Christine Nimbach verlässt die Grünen. Sie hat den Austritt aus der Partei erklärt, für die sie seit 1996 dem Tutzinger Gemeinderat angehört und deren Ortsgruppe sie in den 1990er Jahren mitgegründet hat. Dieser Schritt war erwartet worden, nachdem die Tutzinger Gemeinderatsfraktion der Grünen die Zusammenarbeit mit Nimbach vor zehn Tagen einstimmig beendet hat.
Unmittelbarer Anlass dafür war ihre Mitwirkung an Protestaktionen gegen Corona-Maßnahmen, die Vorschriften für ihre Kinder wie regelmäßige Tests nicht akzeptieren wollen. Besonders entsetzt zeigten sich Nimbachs bisherige Fraktionskollegen über eine von ihr unterstützte Aktion mit Kinderschuhen und Plüschtieren, die plakativ neben dem Tutzinger Vetterlhaus ausgelegt worden waren. Denn leere Kinderschuhe gelten als grauenvolles Symbol für die Ermordung vieler Kinder durch die Nationalsozialisten.
Ein Fraktionsmitglied der Tutzinger Grünen bezeichnete diese Aktion als „mindestens antisemitisch“. In ihrer Austrittsbegründung erklärt Nimbach dazu, der Vorwurf, die Aktion von Eltern aus Tutzing verharmlose den Holocaust und komme aus der rechten Ecke, habe sie „fassungslos gemacht“.
Die Entfremdung hat sich schon länger angedeutet
Eine zunehmende Entfremdung zwischen Nimbach und den Grünen war aber schon über längere Zeit immer mehr zu Tage getreten. Das galt für lokale wir für überregionale Themen. Die Tutzinger Fraktion der Grünen hat Nimbach wiederholte öffentliche Äußerungen gegen Grundsatzziele und Programmatik der Grünen vorgehalten. Nimbach wiederum wirft den Grünen unter anderem vor, sie hätten „die Grundrechtseinschränkungen durch die Regierungsparteien klaglos von der Partei und ihren Vorsitzenden hingenommen“, und kritisiert: „Man muckt nicht auf und legt sich stattdessen für die vielleicht kommende ‚Regierungsmacht‘ ins Bett mit CDU/CSU und SPD.“ Wie es dem Mittelstand, der Gastronomie, Hotels und den geschlossenen Einzelhandelsgeschäften und den dadurch arbeitslos gewordenen Menschen gehe, habe nicht weiter interessiert. „Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“ sei für sie die Enthaltung der Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen bei der Abstimmung zur „Bundes Notbremse“ gewesen. Sie beklagt: „Dass die Kinder und Jugendlichen unter den Maßnahmen leiden, wird negiert.“
Von 1996 bis 2014 war Christine Nimbach einzige Tutzinger Gemeinderätin der Grünen
Drei Amtsperioden, von 1996 bis 2014, hat Christine Nimbach die Tutzinger Grünen völlig allein im Gemeinderat vertreten. Von 2014 bis 2020 waren sie und Bernd Pfitzner zwei Vertreter dieser Partei, seit 2020 haben die Grünen vier Mandate. Bei der Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahl 2020 hat Christine Nimbach zusammen mit zwei anderen Bewerberinnen - Flora Weichmann und Heike Dewitz - für Listenplatz eins kandidiert. Nimbach erhielt aber gerade mal zwei Stimmen - eine tiefe Enttäuschung für sie. Für Platz drei kandidierte sie wieder, aber auch da klappte es nicht - gewählt wurde Heike Dewitz. Für Platz fünf bewarb sich Christine Nimbach abermals - endlich mit Erfolg: Sie bekam alle Stimmen. Bei der Kommualwahl erhielt sie das drittbeste Ergebnis der grünen Kandidaten.
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Kommentare
Von der Person oder den Personen, die diese Äußerungen getan haben, erwarte ich eine öffentliche Entschuldigung. Das ist das Mindeste, was man einer Gemeinderätin schuldig ist, die sich seit über 20 Jahren für Tutzing einsetzt.
Nun kann ich beispielsweise die bislang im Dunkeln liegenden Gründe für ihre Probleme mit den FFP2 Masken grundsätzlich nachvollziehen.
Beim früheren Artikel aus der Vorwoche zum gleichen Thema habe ich in der Kommentarspalte ein paar zwar kritische aber auch sachliche Fragen (wie ich meine) an die Grünen gestellt. Bislang ohne jede Antwort; weder öffentlich, noch privat. Immerhin ein Mitglied (m/w/d) der Grünen Gemeinderatsfraktion hatte mir vor Monaten über ein digitales Netzwerk eine sog. Freundschaftsanfrage gestellt, der ich auch entsprochen habe. Wie der Zufall so will bekam ich am Tag nach meiner Fragen dort Besuch. Aber nur Besuch, klassische Kommunikation fand nicht statt. Kommunikation durch Nichtkommunikation nennen dies wohl die Experten.
So ist das Leben; das muss man akzeptieren.
Nachtrag:
Später wurde das Kommunikationsdefizit per Anruf behoben. Danke.
Mehrere Blickwinkel zu bekommen, fördert die Transparenz und schadet wohl nie.