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Wie Tutzing Erholungsort werden kann

Das Prädikat vergibt ein Fachausschuss nach genau festgelegten Regeln

Für Tutzing ist das Prädikat "Erholungsort" im Gespräch. Vor Jahrzehnten war Tutzing ein "Luftkurort", doch dieses Prädikat ist aufgegeben worden. Im Tutzinger Förderverein für Tourismus wird schon seit einiger Zeit über eine die Möglichkeit eines "Erholungsorts" gesprochen. Vielleicht wird Tutzing Erholungsort Mittlerweile interessieren sich auch einige Gemeinderäte für diese Idee. Sie haben sie per Antrag in den Gemeinderat eingebracht, wo er heute zur Debatte steht.

Ob ein solches oder ein anderes Prädikat vergeben werden kann, das richtet sich nach konkreten Regeln. Nach der „Verordnung über die Anerkennung als Kur- oder Erholungsort und über die Errichtung des Bayerischen Fachausschusses für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ oder kurz der „Bayerischen Anerkennungsverordnung“ (BayAnerkV) gibt es unterschiedliche Prädikate wie Kurort, Luftkurort, Erholungsort, Heilbad, Kneippheilbad, Schrothheilbad oder Bad. In der Verordnung werden konkrete Voraussetzungen für die jeweiligen Prädikate gefordert.

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Voraussetzung landschaftlich bevorzugte Lage: Das dürfte für Tutzing zutreffen © L.G.
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Das Prädikat "Erholungsort"

Als Erholungsort kann nach Paragraf 11 der Verordnung eine Gemeinde oder auch ein Gemeindeteil anerkannt werden, wenn eine landschaftlich bevorzugte und klimatisch günstige Lage sowie „regelgerechte Verhältnisse“ der Ortshygiene bei Wasser, Boden und Luft gegeben sind. Darüber hinaus müssen geeignete Einrichtungen für die Erholung und angemessene entsprechende Angebote vorhanden sein.

Die durchschnittliche Übernachtungsdauer der Gäste, berechnet aus Übernachtungen geteilt durch die Zahl der Ankünfte, sollte in der Regel mindestens drei Nächte betragen, die Zahl der Gästeübernachtungen sollte in der Regel das Siebenfache der Einwohnerzahl übersteigen. Schließlich sollte ein der Erholung und touristischen Bedeutung entsprechender Ortscharakter vorliegen.

Das Prädikat "Luftkurort"

Bei einem Luftkurort sollte nach Paragraf 10 der Anerkennungsverordnung ein der Erholung dienliches und gesundheitsförderndes Klima gegeben sein, dessen Eigenschaften periodisch überprüft werden. Wie beim Erholungsort auch werden außerdem „regelgerechte Verhältnisse der Ortshygiene bei Wasser, Boden und Luft“ vorausgesetzt.

Eine angemessene medizinische Versorgung und ein angemessenes entsprechendes Angebot soll es nach der Verordnung geben. Bei den Gästeübernachtungen und der Übernachtungsdauer sollten mindestens die Anforderungen an Erholungsorte erfüllt werden. Und es sollte ein der Gesundheitsorientierung, der Erholung und touristischen Bedeutung entsprechender Ortscharakter vorliegen.

Was alles benötigt wird: Gutachen, Unterlagen, Analysen, Verzeichnisse

Die Anerkennung setzt einen Antrag der Gemeinde voraus. Er muss begründet und über die Rechtsaufsichtsbehörde eingereicht werden.

Erforderlich sind dazu nach der Verordnung ein Gemeinderatsbeschluss sowie ein Gutachten des Landratsamts zur Ortshygiene hinsichtlich Wasser, Boden und Luft, das mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt ist.

Hinzu kommen müssen je nach der beantragten Anerkennung weitere Unterlagen, Analysen oder Gutachten ärztlicher, balneologischer, klimatologischer, lufthygienischer und hydrologischer Art. Gefordert wird darüber hinaus ein Verzeichnis der bestehenden Kurbetriebe sowie Kur- und Erholungseinrichtungen mit Lageplan und Erläuterungen.

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Klimatisch günstige Lage: Gutachten müssen es belegen © L.G.

Der zuständige Fachausschuss und seine Mitglieder

Ob die Grundlagen für eine Anerkennung vorhanden sind, darüber erstellt der „Bayerische Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ ein Gutachten.

Diesem Ausschuss gehören Vertreter des Innen-, Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums sowie Mitglieder etlicher weiterer Stellen an. Dazu gehören der Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwigs-Maximilians-Universität München, das Institut für Wasserchemie und Chemische Balneologie der Technischen Universität München, die Landesärztekammer, der Deutsche Wetterdienst, die Bayern Tourismus Marketing GmbH, die Tourismusverbände Oberbayern München, Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Ostbayern und Franken, der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V., der Bayerische Heilbäderverband e.V., die Deutsche Rentenversicherung, der Bayerische Städtetag und der Bayerische Gemeindetag.

Die Anerkennung kann befristet und unter Auflagen ausgesprochen werden. Dabei können Betriebs- und Überwachungspflichten mit periodischen Kontrollmaßnahmen festgelegt werden. Auflagen können auch nachträglich verfügt werden.

"Einrichtungen für die Erholung und angemessene entsprechende Angebote"

Was da wohl alles zählt?

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Biergarten Ilkahöhe © L.G.
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Vergnügungen für Wasserratten © L.G.
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Schifffahrt auf dem Starnberger See © L.G.
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Schloss Tutzing: Die Evangelischen Akademie bietet "Ferien im Schloss" © L.G.
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Südbad © L.G.
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Ab und zu ist sogar ein Zirkus in Tutzing - auch ein Erholungsfaktor? © L.G.
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Comments

Ich Finde die Aktion gut , aber mit der Hygiene der öffentlichen Toiletten ist es nicht gut bestellt ferner müst bei den Restaurant nach gebessert werden.