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Versteckt hinter einer hohen Mauer

Über ein geheimnisvolles Tutzinger Gemäuer wird wieder gesprochen: die „Violaburg“

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Eine hohe Mauer verbirgt die "Violaburg" © L.G.

Zu sehen ist das Bauwerk nicht, jedenfalls nicht, wenn man festen Boden unter den Füßen hat. Nachbarn meinen, man könnte vom See aus einen Blick erhaschen. Für die meisten Tutzinger aber bleibt sie geheimnisvoll: die „Violaburg“. Ein wenig Aktualität scheint das klassizistische Gebäude aber nun doch zu gewinnen. Für den Bereich des Schlosses und der Violaburg soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Bau- und Ortsplanungsausschuss hat dies dem Gemeinderat bereits einstimmig empfohlen.

Es handelt sich um den Teilbebauungsplan 9 des Bebauungsplans „Ortszentrum“, in dessen Rahmen derzeit auch ein weiterer Teilbebauungsplan 7 zum Seehof-Gelände behandelt wird. Seehof-Eigentümer will Wohngebäude Konkrete Bauüberlegungen scheinen für die Überplanung des Areals von Schloss und Violaburg nicht der Anlass zu sein. Solche gebe es nicht, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald auf eine Frage des Ortsplanungsreferenten Wolfgang Marchner.

Nach dem Krieg bekam die Kirche das Schloss und Maler Leidl den Pavillon

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Ein "V", eine angedeutete Burg, dezent der Name "Violaburg": Tor an der Monsignore-Schmid-Straße © L.G.

Der Name Violaburg stammt von dem Maler Anton Leidl (1900-1976), der lange in diesem Gebäude gelebt hat. Als die evangelische Kirche das Schloss und sein Areal nach dem Zweiten Weltkrieg für 350 000 DM erworben hat, war das kleinere Grundstück mit der Violaburg südlich davon nicht dabei. Diesen Bereich übertrugen die Eigentümer aus den Unternehmerfamilien Oetker und Kaselowsky stattdessen an den mit ihnen befreundeten Leidl, der den alten Pavillon um ein Atelier erweiterte und dort bis zu seinem Tod wohnte.

Zuvor hatte Ida Kaselowsky, die Witwe von Rudolf Oetker und spätere Frau von Firmenteilhaber Dr. Richard Kaselowsky, das Schloss erworben, nachdem die Gestapo dessen vorherigen Eigentümer Albert Hackelsberger verhaftet hatte. Das repräsentative Anwesen sollte als Ferienheim besonders „bewährten Gefolgschaftsmitgliedern“ nach mindestens zehn Jahren Unternehmenszugehörigkeit dienen, wie in dem 2013 erschienenen Buch „Dr. Oetker und der Nationalsozialismus“ (Verlag C.H. Beck) nachzulesen ist.

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Die Kirche hätte weiteren Raumbedarf - aber nicht um jeden Preis

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Schloss Tutzing: Die Violaburg wäre der Kirche als Ergänzung wohl willkommen © L.G.

Die evangelische Kirche hätte zweifellos Interesse an dem Grundstück mit der Violaburg, um ihr Gelände abzurunden, so nicht zuletzt wegen Raumbedarfs für die im Sommer gefragten „Ferien im Schloss“ - aber offenkundig nicht zu jedem Preis. Angeblich waren schon vor Jahren zehn Millionen Euro im Gespräch. Bei derartigen Summen scheinen aber auch vermögende Kaufwillige selbst bei bester Seeuferlage das Interesse zu verlieren, wenn die Nutzungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Vor Jahren gab es eine Voranfrage zur Möglichkeit eines Abbruchs und eines Neubaus, doch unter anderem unter Hinweis auf Bestandsschutz wurde der Antrag damals abgelehnt. Wie es künftig aussehen wird, darüber muss nun der vorgesehene Bebauungsplan Aufschluss geben. Obwohl es sich ums Ortszentrum handelt und der Bebauungsplan auch so heißt, fragte Christine Nimbach (Grüne) im Ausschuss nach, ob es sich um Innen- oder Außenbereich handele. Darauf erwiderte die Bürgermeisterin: „Das werden wir feststellen.“

Quelle Titelbild: L.G.
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