Von Lorenz Goslich

Das Kandidaten-Porträt: Bernd Pfitzner

„Wenn ich über mein Tutzing rede“, sagt Bernd Pfitzner, „könnte ich stundenlang reden.“ Dabei wohnt der Bürgermeisterkandidat der Grünen erst seit zwölf Jahren in dieser Gemeinde. Als Kind bayerischer Eltern ist er in Köln geboren. Dass er sich in Tutzing mittlerweile richtig heimisch fühlt, führt er auf ein Neubürger-Treffen der katholischen Pfarrgemeinde zurück. Ihr fühlt er sich bis heute verbunden.

So engagiert sich der leidenschaftliche Sänger zum Beispiel im Chor „Blue Notes“. In Tutzing hat er geheiratet, seine dreijährige Tochter besucht den Kindergarten St. Joseph. Der Diplom-Wirtschaftsmathematiker arbeitet beim Unternehmen LHI, wie er gern erzählt - „der Firma“, sagt er, „die Pöcking reich gemacht hat.“ Beruflich hat er viel mit Finanzen zu tun, und solche Kenntnisse, davon zeigt er sich überzeugt, könnten auch Tutzing zugute kommen. Auch bei schwierigen Themen glaubt er Lösungen finden zu können.

Beispielhaft versucht der 49-Jährige das beim Tutzinger Dauerbrenner Andechser Hof zu belegen, bei dem die Chancen auf Wiedereröffnung des begehrten Saals derzeit ein wenig ins Wanken zu geraten scheinen. Statt dass ein neuer Bürgersaal gebaut wird, sollte die Gemeinde nach seinem Konzept den Saal des Andechser Hofes fest für 30 Jahre mieten - mit dem Geld könne der Betreiber dann problemlos zu günstigen Kommunalkredit-Konditionen ein Darlehen für die Modernisierung aufnehmen und den Saal für Hochzeiten oder andere Feiern vermieten. „Gerade bei der Finanzierung einer Gemeinde muss man Lösungen finden, sagt Pfitzner.

"Global denken, lokal handeln" : Zwei Akademien könnten Tutzing helfen

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Bernd Pfitzner (re.) mit dem Naturwissenschaftler Prof. Harald Lesch (Mitte) und der Grünen-Kreisvorsitzenden Kerstin Täubner-Benicke kürzlich in der Evangelischen Akademie © Peter Klinder

Von zentraler Bedeutung sind für ihn natürlich besonders nachhaltige, ökologische Ideen. Er ist Kreisvorsitzender der Grünen und Sprecher der Tutzinger Ortsgruppe im Energiewendeverein. Aus seiner Enttäuschung über eher schleppende Fortschritte macht er kein Geheimnis: „Wir haben versucht, Vieles anzustoßen, aber es geht relativ wenig vorwärts in Tutzing.“

Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern und ein paar andere Maßnahmen sieht er als Erfolg, doch man merkt, dass ihm dass alles noch viel zu wenig ist. Auch mit seinem Plädoyer für eine Fair-Trade-Gemeinde Tutzing hat er es - ein paar Tage vor der Bürgermeisterwahl - erst im zweiten Anlauf geschafft.

Mit seiner Begeisterung für dieses Thema kann er Zuhörer gut mitreißen. Da verbindet er auch geschickt ökologische und ökonomische Aspekte, wenn er zum Beispiel schwärmt: „Strom kann man billiger erzeugen, als man ihn kaufen kann.“ Gerade in dieser Gemeinde gäbe es seiner Meinung nach Vorteile, die genutzt werden könnten: „Wir haben in Tutzing zwei Akademien." Dort würden doch ständig Zukunftsideen ersonnen, meint er: „Global denken, lokal handeln, wird da immer gesagt.“ Von solchem Fachwissen müsse doch auch Tutzing profitieren können.

"Alle sagen, das geht nicht - bis jemand kommt, der es gemacht hat"

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Neue Wege: Bernd Pfitzner bei einem Besuch in Traubing © L.G.

Der kommunalpolitische Weg zwischen Wünschen etwa für Wohnen oder Gewerbe und ökologischen Anforderungen wird gerade für Grüne manchmal zum Spagat. Solche Gratwanderungen kennt Pfitzner auch aus seinem Privatleben. So reist er gern. Da fühlt er sich in guter Gesellschaft: „Die Grünen-Wähler sind die, die am meisten in der Welt unterwegs sind.“ Wie es mit der Umweltverschmutzung beispielsweise durch Kerosin bei Flugzeugen aussieht? Man könne den CO2-Ausstoß bei „Atmosfair“ kompensieren lassen, sagt er dazu. Diese Organisation bietet Ausgleichsmöglichkeiten beispielsweise für Treibhausgasemissionen von Reiseflügen, Hochseekreuzfahrten oder Veranstaltungen an.

Auch in der Kommunalpolitik findet er durchaus seine Wege - und zwar manchmal ganz neue. Bei den auf dem ehemaligen Roche-Gelände geplanten Neubauten beispielsweise, die eigentlich als Gewerbeflächen gedacht sind, plädiert er für eine Zusammenführung von Gewerbe und Wohnen. „Leben und arbeiten im urbanen Raum“ ist für ihn ein wichtiges Stichwort. Von Gegenargumenten wie etwa dem, dass diese Kombination schnell zu Konflikten führen könne, lässt er sich nicht abschrecken. „Alle sagen, das geht nicht“, hält er in solchen Fällen gern entgegen, „bis jemand kommt, der es gemacht hat.“

Auch beim schwierigen Thema bezahlbarer Wohnraum verfolgt er hartnäckig Modelle, von denen er überzeugt ist, auch wenn Mehrheiten für sie schwer zu finden sind. Das gilt zum Beispiel für die „soziale Bodennutzung“, kurz SoBon, die gewisse erschwingliche Wohnanteile ermöglichen soll, wenn Grundeigentümern neues Baurecht zugestanden wird.

Der Landschaftsschutz ist ein "schwaches Schwert"

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Bernd Pfitzner © L.G.

Ein wenig allein auf weiter Flur sah sich Pfitzner in den vergangenen Wochen der Wahlvorbereitung beim Thema Gewerbe. „Es kommt so raus, als ob ich der Gewerbefeind wäre“, klagte er schon ein paar Mal. Das sei aber überhaupt nicht der Fall, beteuert er: „Ich sehe die Probleme, die dahinter stecken.“ Tatsächlich hat er sich immer dafür ausgesprochen, das bestehende Gewerbe zu halten und zu stärken. Zurückhaltend äußert er sich aber zur Ansiedlung neuer Firmen - unter Hinweis auf die geringe Arbeitslosenquote in der hiesigen Region, auf dann zu erwartenden Zuwachs an Verkehr und auf den Mangel an bezahlbaren Wohnraum, den schon die Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen zu spüren bekämen.

So zeigt sich Pfitzner auch in Hinblick auf neue Gewerbegebiete eher skeptisch, zumal dies mit Landschaftszerstörung verbunden sei. Der Landschaftsschutz sei ein schwaches Schwert: „Der Kreistag wird ihn im Zweifelsfall immer gegen die Stimmen der Grünen rausnehmen. Die grüne Fläche zwischen Tutzing und Unterzeismering habe die Tutzinger Ratsmehrheit nicht schützen wollen, kritisiert er.

In einem Programm für seine ersten 100 Tage als Bürgermeister, das Pfitzner vorgelegt hat, steht das Gewerbe sogar an erster Stelle. Es gebe viele leere Gewerbeflächen in Tutzing, sagt er unter beispielhaftem Hinweis auf die Räume über dem Drogeriemarkt Rossmann oder auch die der aus Tutzing weggezogenen Druckerei Molnar sowie auf einige Flächen in Ortsteilen wie Traubing oder Kampberg: „Dieser Sache möchte ich mich annehmen.“

Zum Programm der ersten Tage wird es aber auch besonders gehören, sich am neuen Arbeitsplatz zurechtzufinden. Pfitzner weiß, dass er da trotz seiner dreieinhalbjährigen Erfahrung als Gemeinderat eine Menge zu tun haben wird: „Ich möchte den Betrieb erst mal kennenlernen und in jedem Bereich hospitieren.“

Über den Autor
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Lorenz Goslich

Wirtschafts- und Lokaljournalist. Schreibt für diverse Medien und liebt seinen Heimatort Tutzing.

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Kommentare

Als seit mehr als 20 Jahren Wahl-Traubingerin, die zuvor in Tutzing wohnte, fühle ich mich beiden Orten (Traubing ist nämlich ein Ort und nicht etwa ein Ortsteil, wie mir neulich ein Alteingesessener erklärte) verbunden. Ich sehe in der Zukunft große Aufgaben der "Daseinsfürsorge" (Wasserversorgung resp. drohende Privatisierungsbestrebungen, Notwendigkeit sozialer Bauten und zusätzliches Gewerbe einerseits Flächenfraß und Naturverbrauch andererseits etc.) und der positiven, an Mitmenschlichkeit orientierten, Gemeindegestaltung (u,a, Haupstraße, die allen gerecht werden muss, öffentlicher Nahverkehr und so einiges andere)auf den oder die neue/n Bürgermeister/in zukommen. Und sicher auch sehr viel Arbeit! Dafür wird diese Person einen langen Atem, Durchsetzungsvermögen, freundliche Bürgernähe, aber auch klare Zielvorstellungen mitbringen müssen. Ich traue Bernd Pfitzner diese Aufgabe zu. Als ökologisch engagierte, regelmäßig die Sitzungen des Gemeinderats über Jahre hinweg verfolgt habende Person würde ich ihm die Chance geben, zu beweisen, dass Tutzing eine grüne Gemeinde ist und bleiben wird :-). Jedenfalls ist das ein Maßstab, an dem die Bürger ihn messen könnten.
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