Von Karin und Lorenz Goslich

Wahl ohne Kampf

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Beste Stimmung: Florian Schotter, Marlene Greinwald und Bernd Pfitzner (von links) im Tutzinger Hof © L.G.

Das Wort "Wahlkampf" trifft es nicht so recht, jedenfalls bisher noch nicht. Wenn sich die drei Tutzinger Bürgermeister-Kandidaten Marlene Greinwald (Freie Wähler), Bernd Pfitzner (Grüne) und Florian Schotter (CSU) treffen, geht es eher harmonisch zu. Neulich im "Tutzinger Hof" war das zum Beispiel der Fall. "Sehr glaubwürdig und positiv" fand der Moderator, der stellvertretende Tutzinger SPD-Vorsitzende Ernst von der Locht, am Ende der Diskussionsrunde alle drei Bewerber.. Die SPD, die selbst keinen Kandidaten aufgestellt hat, wollte sie kennenlernen, deshalb hatte sie sie zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Etwa 60 Besucher kamen, mehr, als die SPD-Ortsvorsitzende Renate Geiger erwartet hatte.

Bei etlichen Themen zeigten die drei Bewerber sogar viel Übereinstimmung. Die Bebauung an der Traubinger Straße beispielsweise - jemand aus dem Zuschauerraum sprach von "Plattenbauten" - gefällt keinem von ihnen so recht. Schotter kommt sich dort eher wie in Hollywood als in Tutzing vor. Marlene Greinwald erläuterte, dass westlich und östlich der Traubinger Straße Bebauungspläne aufgestellt worden sind, die Flachdächer künftig nicht mehr vorsehen. An der Straße selbst mit ihrem "Wildwuchs" sei aber kein Bebauungsplan möglich gewesen. Pfitzner sagte aber auch, der Gemeinderat entscheide nicht über Geschmack. Und einen Rückbau werde es schon mit dem Landratsamt nicht geben. Die Bebauungspläne sollten ausgenutzt werden, sagte Schotter.

Gewerbeflächen: Leerstand provoziert Plädoyer für Umwandlung zu Wohnraum

Schwierig ist auch für alle drei Kandidaten das Thema Wohnraumbeschaffung. Viele Tutzinger werden nach Meinung von Pfitzner nicht für die 70 geplanten neuen Wohnungen des Verbands Wohnen am Kallerbach in Frage kommen, für die der Landkreis Starnberg soeben 920 000 Euro Darlehen zur Verfügung gestellt hat. Bei den Vorbereitungen für ein Einheimischenmodell sei man aber auf gutem Weg, meinte Greinwald. Für Schotter muss das Wohnraumthema für die Gemeinde hohe Priorität haben.

Von Zuschauerseite wurde der auffallend lange Leerstand von Flächen angesprochen, so etwa im Gewerbekomplex Foursite an der Ecke Bahnhofstraße/Bräuhausstraße. Wie lange das erlaubt sei, wurde gefragt, und ob man diese Flächen nicht als Wohnraum nutzen könne. Dazu habe die Gemeinde keine Handhabe, sagte Pfitzner. Greinwald betonte, dass ja auch Gewerbe gebraucht werde. Schotter mahnte, auch für das ansässige Gewerbe müsse etwas getan werden, um es am Ort zu halten.

Seehof: Der Eigentümer könnte sofort ein Hotel errichten - er will aber Wohnbauten

Einige Tutzinger Dauerbrenner durften in der Diskussion nicht fehlen. So wurde auch über den Seehof gesprochen. Auf dem bevorzugt, aber seit Jahrzehnten brach liegenden Grundstück könnte der Eigentümer Münchner Grund sofort ein Hotel bauen, sagte Marlene Greinwald. Das will er aber nach ihren Worten nicht. Lieber wären ihm Wohnbauten. Greinwald gab zu bedenken, man müsse aufpassen, dass eine Bebauung des Seehof-Grundstücks den Ortskern nicht "erschlägt". Eher witzelnd verwies Pfitzner auf Aussagen, man könne auf dem Seehof ein kleines Hotel wirtschaftlich betreiben - wenn man das Grundstück nicht kaufen müsse. Er hält es durchaus für denkbar, die Bürger noch einmal über das Areal abstimmen zu lassen.

"Ich war immer für ein Hotel", sagte Schotter. Von den Arbeitsplätzen bis zu den Gewerbesteuereinnahmen sprechen seiner Meinung nach etliche Gründe dafür. Das hat er schon vor vielen Jahren aus ganz persönlichen Gründen so gesehen, wie er erzählte: Als er eine Hotelfachlehre absolviert hat, dachte er, nach Beendigung dieser Ausbildung werde er im dann fertigen neuen Seehof-Hotel anfangen können und so kurze Wege von daheim zur Arbeit haben. Das ist lange her, aber von einem Hotel ist nach wie vor nichts zu sehen.

Verkehr: Straßenausbaubeiträge gelten nur in geringer Höhe als akzeptabel

Schotter, von Beruf trotz Hotel- und anderer Ausbildungen heute Polizeioberkommissar, sah sich an diesem Abend auch mehrmals als Polizist gefordert. So etwa, als mehr Zebrastreifen für Tutzing verlangt wurden. Die würden überbewertet, sagte er, und führten sogar zu höherer Unfallhäufigkeit. Warum die Polizei nicht mehr kontrolliere, wurde gefragt. Schotter sagte, das sei auch eine Personalfrage. In der Starnberger Polizeiinspektion gebe es 50 Beamte - das reiche nicht für intensive Kontrollen im ganzen Landkreis aus. Pfitzner sprach sich für eine generelle Tempo-30-Zone im ganzen Tutzinger Ortszentrum aus. Marlene Greinwald sagte aber, in Tutzing werde gar nicht so viel zu schnell gefahren, wie oft behauptet wird. "Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen", fügte sie hinzu. Parkplätze bremsen den Verkehr nach Schotters Meinung "besser als jedes Tempo-30-Schild".

Zum Thema Verkehr wurde ein weiterer Dauerbrenner angesprochen: eine Verbindungsstraße von den Siedlungen Bareisl und Luswiese zur Bundesstraße 2. "Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten", warnte Pfitzner. Da sei er absolut dagegen. Genauso sah es Marlene Greinwald. Große Teile des Verkehrs betrachten alle drei Kandidaten als "hausgemacht".

Auch die umstrittene Straßenausbaubeitragssatzung kam zur Sprache. Geinwald und Schotter waren klar gegen sie, Schotter bezeichete sie gar als unfair. Bei einem Verzicht auf sie riskiere die Gemeinde aber, keine Kredite mehr aufnehmen zu können, schränkte Greinwald ein. Deshalb müsse man sie möglichst gering halten, mahnte Schotter. Unter dieser Bedingung hält sie Pfitzner für akzeptabel.

Gemeinde: Fragen nach der Berechtigung nicht-öffentlicher Sitzungen

Die Zuschauer interessierten sich auch für die Vorgänge im Rathaus selbst. Angemahnt wurde unter Hinweis auf etliche nicht-öffentliche Gemeinderatssitzungen eine bessere Kommunikation. Aus bestimmten Gründen - so etwa wegen finanzieller oder persönlicher Aspekte - müssten manche Dinge nicht-öffentlich behandelt werden, wandte Marlene Greinwald ein. Pfitzner bezeichnete die Öffentlichkeit als wichtig, er regte sogar an, Gemeinderats-Unterlagen an Bürger auszugeben. Und der kommunale Bauhof solle ruhig auf Facebook über seine Tätigkeiten berichten, die den Leuten allzu wenig bekannt seien. Schotter versprach, das Amt im Fall seiner Wahl mit "maximaler Transparenz" zu führen.

Später gab es noch Gelegenheit für manche Gespräche im kleinen Kreis. Da wurde noch klarer, dass die drei Kandidaten persönlich recht gut miteinander auskommen. Marlene Greinwald und Florian Schotter kennen sich ohnehin schon sehr lange, auch mit Bernd Pfitzner verstehen sie sich. Schotter war sich sicher: Einen "Kampf" werde es bis zur Wahl im Januar nicht geben.

Quelle Titelbild: L.G.
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