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Steine des Anstosses in Ufernähe

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Dort oben soll neu gebaut werden: Das Grundstück mit den Altbauten vom Tutzinger Freibadegelände aus gesehen © L.G.

Ein Neubauplan in der Nähe des Tutzinger Seeufers stößt auf klare Ablehnung. Es handelt sich um ein Vorhaben in exponierter Lage, oberhalb des Tutzinger Freibadegeländes beim Freibad Garatshausen. Dem Bau- und Ortsplanungsausschuss des Gemeinderats lag am Dienstag ein Vorbescheidantrag des Unternehmers Dr. Thomas Lindner vor. Er ist ein Nachkomme des Fabrikanten und Tutzinger Ehrenbürgers Friedrich Seelmann-Eggebert, der früher in dem Gebäude am Hang oberhalb des Seeuferwegs gewohnt hat.

Das Haus befindet sich an einer kleinen Abzweigung vom Sprungleitenweg. Der Altbau soll zum Teil abgebrochen und durch den Neubau ersetzt werden. Dessen Planung sei aber deutlich höher geworden als ein früherer Entwurf, sagte Christian Wolfert von der Gemeindeverwaltung. Ein kleineres Nebengebäude nehme nun die Höhe des Hauptgebäudes auf. Damit werde eine geschlossene Wirkung erzielt.

Verärgerung über manche Eigentümer und Planer

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Der Altbau liegt an einer kleinen Abzweigung vom Sprungleitenweg © L.G.

Genau das sei nicht gewünscht gewesen, betonten mehrere Ausschussmitglieder sichtlich ungehalten. „Es ging immer darum, das Verhältnis zwischen Haupt- und Nebengebäude zu erhalten“, sagte Dr. Ernst Lindl (CSU). Das sei nun jedoch nicht mehr der Fall. Vom See aus gesehen sei das linke Gebäude in der neuen Planung „zu gleichwertig“.

Dr. Heinrich Reiter (Freie Wähler) sprach recht deutlich von einer „Unmaßstäblichkeit“ von Haupt- und Nebengebäude. Er verwies außerdem darauf, dass sich die Gemeinde gerade im Bebauungsplan-Verfahren befinde und dass dabei auch besonders die Rechte der Nachbarn berücksichtigt werden müssten. Die um fünf Meter höhere Bauweise sei rücksichtslos gegenüber den Nachbarn.

Es sind also regelrecht Steine des Anstoßes, die da nahe des Seeufers aufgebaut werden sollen. Quer durch die Parteien und Gruppen machte sich im Ausschuss an diesem Beispiel aber auch generell Verärgerung über die Vorgehensweise mancher Eigentümer und Planer breit. Immer wieder gebe es Versuche, gegen den Planungswillen der Gemeinde etwas mit immer neuen Anträgen durchzusetzen, kritisierte Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing): „Es kann nicht sein, dass wir uns immer wieder aufs Neue über immer das gleiche Thema unterhalten müssen.“ Regelrecht erzürnt äußerte sich Georg Schuster (ödp): „Es ist eine absolute Frechheit, was in Tutzing passiert.“ Er empfahl nachdrücklich, den Planern in solchen Fällen künftig im Vorfeld „mitzugeben, dass es keinen Sinn hat“.

Vizebürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) wandte sich zudem gegen die Dachgestaltung des vorgesehenen Gebäudes: „Wir wollen immer ruhige Dachlandschaften - das hier ist ein Extrem, sowas wollen wir nicht.“

"Wer will zustimmen?" - Da hob keiner die Hand

Als es um den Beschluss ging und die ablehnende Stimmungslage der Ausschussmitglieder klar zu erkennen war, fragte die Vizebürgermeisterin: „Wer will zustimmen?“ Niemand hob die Hand. Der Beschluss war klar gegen die Planung.

Zugestimmt hat die Gemeinde dagegen bereits vor einiger Zeit einem weiteren Neubau auf dem Nachbargrundstück, direkt am Sprungleitenweg. Seit auf dem Gelände vor ein paar Monaten abgeholzt worden ist, hat man vom Weg aus besten Seeblick. Ein Zweig der Familie Mitschke-Collande plant auf dem Grundstück ein Bauwerk, das wegen der vorgegebenen Baulinien länglich ausfallen wird. Zur optischen Verschönerung soll ein Türmchen draufgesetzt werden. Das gefällt aber dem Kreisbauamt nicht.

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Am Nachbargrundstück ist nun bester Seeblick © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
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