Gesundheit
29.11.2021
Von vorOrt.news

„Jetzt rennen sie Ärzten und Impfzentren die Bude ein“

Landratsamt zur Aktion in Tutzing: Bisher plätscherte das Impfgeschehen nur so vor sich hin

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Informationen an der Straße wiesen im August dieses Jahres auf eine Corona-Impfaktion in der Tutzinger TSV-Halle hin. Diese Gelegenheit nahmen damals aber gerade mal 37 Personen wahr. © L.G.

In Tutzing hat die Impfaktion am vergangenen Freitag zu vielen Diskussionen geführt. Etliche Personen, die sich impfen lassen wollten, mussten wieder weggeschickt werden, weil der Impfstoff begrenzt war. Bei Impftag kommen nicht alle zum Zuge Dazu hat das Landratsamt Starnberg heute Stellung genommen. Nach seinen Angaben wollten bei der Aktion im Roncallihaus weit mehr als 200 Menschen eine Impfung haben. Vorgenommen werden konnten 126 Impfungen. In der angesetzten Zeit - geplant war die Aktion von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr - schaffe das Team des BRK-Impfzentrums in der Regel etwa 50 bis 60 Impfungen, so das Landratsamt. Erhöht wurde diese Kapazität durch Verstärkung um ein weiteres Impfteam, das an diesem Tag in einer Einrichtung Mitarbeitende und Bewohnerinnen und Bewohner impfte und gegen Mittag dazu kam.

Das Landratsamt lässt in seiner Stellungnahme Kritik durchklingen: „Bis dato plätscherte das Impfgeschehen in den letzten Wochen und Monaten nur so vor sich hin. Unsere zahlreichen Angebote haben die Menschen kaum interessiert, und nur wenige Menschen kamen, aber sie kamen immerhin. Jetzt, wo die Lage so ist, wie sie ist, rennen die Menschen den Ärzten und den Impfzentren quasi die Bude ein. Alle Städte und Landkreise mussten im Sommer auf Verlangen des Gesundheitsministeriums die Impfzentren zum großen Teil abbauen und Personal entlassen. Das müssen wir nun mühsam wieder aufbauen. Unsere Räumlichkeiten im Landkreis haben wir im Wesentlichen behalten. Geimpft wird derzeit in den Impfzentren Gauting und in Herrsching; demnächst auch wieder in Feldafing. Wir sind auch vorbereitet, jedoch bilden sich derzeit Warteschlangen; das lässt sich aktuell nicht verhindern.“

Impfzentrum stellt verstärkt Fachpersonal ein

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Es war ein Samstag, aber Landrat Stefan Frey (rechts) kam im August eigens nach Tutzing. "Bitte lasst Euch impfen", appellierte er an die Bevölkerung. Von besonders starkem Andrang bei der Impfaktion in der TSV-Halle konnte aber zu dieser Zeit keine Rede sein, obwohl sich Fachkräfte in ihrer Freizeit zur Unterstützung zur Verfügung stellten, so der Leiter der Tutzinger BRK-Bereitschaft, Georg Brenner (links) © Anerkennung für "Impfen to go" L.G.

Landrat Stefan Frey verweist auf die von Woche zu Woche ansteigenden Impfzahlen im Landkreis Starnberg. „Dafür unternehmen wir auch alle Anstrengungen“, versichert er. Das Impfzentrum stelle derzeit verstärkt weiteres geschultes Fachpersonal ein. Wie andere Landkreise und Städte auch suche das Landratsamt Starnberg auf dem Markt nach allen verfügbaren Kräften.

„Unser Impfangebot setzt sich zusammen aus dem Angebot der zahlreich impfenden Ärzte, den Sprechstunden des Impfzentrums und regelmäßigen Sonderimpfaktionen, wie im Landratsamt am letzten Wochenende, wo 659 Menschen eine Impfung erhalten haben“, so Frey. Gerade bei den Sonderimpfaktionen könne jeweils nur eine bestimmte Menge an Impfstoff verimpft werden, denn die übrigen Impfteams seien an anderen Orten eingesetzt und gebunden.

Bei den Auffrischungsimpfungen sei der Landkreis Starnberg weit oben mit dabei, betont Frey: „Allein die Arztpraxen haben bereits rund 12 000 Auffrischungsimpfungen durchgeführt, damit stehen wir oberbayernweit gleich hinter der Landeshauptstadt München und den wesentlich größeren Landkreisen München und Fürstenfeldbruck.“ Insgesamt seien im Landkreis Starnberg bereits knapp 19 000 Auffrischungsimpfungen durchgeführt worden. Die Zahl steige von Woche zu Woche.

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Auch bei den nächsten Sonderimpftagen kann es zu Wartezeiten kommen

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Immer wieder haben sich in diesem Jahr auch Mitglieder der Tutzinger Wasserwacht bei Impfaktionen engagiert. Das Bild zeigt sie im Mai bei einer Impfaktion speziell für Menschen mit Einschränkungen. © Die zweite Impfrunde Wasserwacht Tutzing

Die Anmeldung läuft in den Impfsprechstunden des Impfzentrums teilweise über Terminvereinbarung. Vor Ort gibt es aber nach Angaben des Landratsamts jeweils ein Kontingent für spontane Impfungen. Bei den Sonderimpfaktionen gebe es keine Terminvereinbarungen, die Menschen könnten spontan kommen, deshalb gebe es teilweise die Wartezeiten. Die Ärzteschaft impfe nach Terminvereinbarung.

„Bitte aktuell immer mehrere Ärztinnen und Ärzte anfragen“, empfiehlt das Landratsamt, „nicht nur den eigenen Hausarzt.“ Geimpft werde vor allem Biontech und Moderna. In der kommenden Zeit werde man verstärkt Moderna verwenden, was sich auch bei Kreuzimpfungen als hochwirksam erweise.

Das Impfzentrum ist nach Angaben des Landratsamts angewiesen, wöchentlich so viel Impfstoff wie möglich über den Großhandel zu bestellen. Derzeit gebe es keine gesetzlichen Priorisierungen nach Altersgruppen oder etwa bei Vorerkrankungen. Es gebe auch keine Eingrenzung auf das jeweilige Gebiet des Landkreises oder der Stadt. Diese Flexibilisierung wie auch die Absenkung der Grenze bei der Boosterung auf fünf Monate für alle Altersgruppen führe gleichzeitig zur erhöhten Nachfrage.

Bei der Tutzinger Impfaktion wurden am Freitag 22 Erst-, 11 Zweit- sowie 93 Drittimpfungen vorgenommen, wie das Landratsamt mitteilt. Am Freitag dieser Woche, dem 3. Dezember, ist eine weitere Impfaktion im Roncallihaus angesetzt. Das Landratsamt kündigt an: „Bei der Kommunikation werden wir künftig verstärkt deutlich machen, wie viele Dosen an einem Sonderimpftag zur Verfügung stehen und darauf hinweisen, dass es zu Wartezeiten kommen kann, weil diese Aktionen ohne Terminvereinbarung durchgeführt werden, aber auch, dass an diesem Tag nicht jeder geimpft werden kann.“

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