Von Anita Piesch

Demenz und Humor? „Es geht nicht ohne“

Der Cartoonist Gaymann und der Gerontologe Klie liefern in Tutzing begeisternde Belege

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Eindrücke von einem Spaziergang am Tutzinger Seeufer verarbeitete Cartoonist Peter Gaymann gleich mit dem Zeichenstift

Demenz und Humor: Passt das? Ein viel zu ernstes Thema! Oder lebt gar ein menschenfreundlicher Umgang mit Menschen mit Demenz von Humor? In der Demenz liegt vor allem eine kulturelle Herausforderung - davon sind der Sozialexperte und Gerontologe Prof. Dr. Thomas Klie und der Künstler und Cartoonist Peter Gaymann überzeugt.

Das Thema gehört in die Mitte der Gesellschaft: Das haben sie in einem Dialogabend deutlich gemacht, zu dem die Ambulante Krankenpflege Tutzing e.V. anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums am 2. Juni 2021 in das Roncallihaus eingeladen hat. Der Dialogabend war Ersatz für die ursprünglich im April geplante Ausstellungseröffnung „DEMENSCH“, die Corana-bedingt nicht stattfinden konnte. Von der Ambulanten Krankenpflege konnten der erste Vorsitzende Pfarrer Peter Brummer und Geschäftsführer Armin Heil zahlreiche Gäste begrüßen.

Prof. Dr. Thomas Klie ist derzeit auch als Sachverständiger für den Gesundheitsausschuss des Bundestags bei der Reform der Pflegeversicherung tätig. Er erläuterte in einem Kurzvortag, wie Gaymann und er bei dem Thema „DEMENSCH“ den Menschen in den Mittelpunkt rücken. Geht Humor und Demenz zusammen? Sie sind überzeugt: „Es geht nicht ohne.“

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Sie rücken das Thema "Demenz und Humor" in die Mitte der Gesellschaft: (von links) Armin Heil, Jutta Rommel, die Vorsitzende des Tutzinger Freundeskreises "Wir in einem Boot", Prof. Thomas Klie, Peter Gaymann und Pfarrer Peter Brummer
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Tutzing, der See und Sonnenanbeter leicht verfremdet: So sieht es der Cartoonist

Mit der Aktion „DEMENSCH“, die beide 2013 ins Leben gerufen haben, widmet sich der Cartoonist mit Fingerspitzengefühl dem Thema Demenz. Alljährlich erscheint seitdem ein Postkartenkalender mit neuen Motiven. Ein kleiner Teil der Bilder ist in der Ausstellung zu sehen.

Die Gäste waren begeistert und fasziniert, besonders als Gaymann einfach mal zu zeichnen begann - inspiriert von einem Seespaziergang am Nachmittag, bei dem er Badende beobachtet hat. Er erklärte, dass er ein Huhn auf einem Liegestuhl mit Sonnenbrille zeichne. Dazu gesellte sich noch ein weiteres Huhn. Die Hühner nutzt er sehr gerne als Comicfigur und vermenschlicht sie. Der See wird mit ein paar Strichen angedeutet, im Hintergrund die Berge und eine Kirche. Neben der Zeichnung gibt es den Text dazu, der eine wichtige Funktion hat. Da sagt das eine Huhn: „Wir wollten doch diesen Sommer jeden Tag ein Ei legen.“ Die Hühnerfreundin entgegnet schlicht: „Vergiß es!“

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Hauptsache sieben Buchstaben

Genau so entsteht auch das zweite Bild: Drei Bewohner sitzen in einem Heim zusammen und lösen ein Kreuzworträtsel. Einer liest vor: Hauptstadt von Kuba mit sieben Buchstaben. Der andere antwortet: Tutzing. Sie sagt: Passt!

Beide Zeichnungen werden nun gerahmt im neuen Betreuten Wohnen Bernried ihr Zuhause finden. Mehr von Peter Gaymann gibt es im Zeitraum vom 26. Juni 2021 bis 24. Oktober 2021 im Buchheim Museum der Phantasie in Bernried zu sehen mit einer Retrospektive: „50 Jahre Peter Gaymann: von Freiburg über Rom und Köln bis nach Bayern.“

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Pfarrer Peter Brummer (re.) freut sich über die Bilder von Peter Gaymann, die in der neuen betreuten Wohnanlage in Bernried Ehrenplätze erhalten werden © Ambulante Krankenpflege
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Anita Piesch

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