Gemeindeleben
25.1.2020
Von vorOrt.news

Vier kulturelle Magneten

Die Traubinger MKV-Akteure sorgen weit über ihre Heimat hinaus für Begeisterung

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Ein Bild aus der Anfangszeit: Die Traubinger Blaskapelle © Archiv MKV

Die Geschichte des Traubinger Musik- und Kulturvereins begann 1970. Sieben Traubinger Bürger gründeten damals den MKV und die Blaskapelle. Zu ihnen gehörten Bürgermeister Fritz Geiger, der Geistliche Rat Alois Merxmüller, der Lehrer Fritz Jaud und das Traubinger „Urgestein“ Siegfried Lengger, der als treibende Kraft wichtige Anstöße gegeben hat. Sigi Lengger wurde zum ersten Vorstand gewählt und blieb viele Jahre an der Spitze. 1973 kam auf Initiative von Georg Daiser die Fotogruppe Traubing dazu, die zur zweiten Abteilung wurde. 1986 wurde die Theatergruppe, zu deren Initiatoren Wolfgang Hannes gehörte, zum Dritten im Bunde. 2012 ging schließlich ein von vielen lang gehegter Traum in Erfüllung: Der Traubinger Trommlerzug wurde gegründet. Manch einer hatte Bedenken, ob das Interesse der Menschen für ihn reichen würde. Doch auf Anhieb gab es Mitwirkende, erzählt sein Leiter Günter Tanner. Trommlerzüge gibt es nach seinen Worten „in Richtung Alpen fast in jedem Dorf“, erzählt Tanner. In der hiesigen Gegend sind sie seltener, die nächsten findet man in Haunshofen, Pähl oder Raisting.

Die Vernetzung der Traubinger Vereine ist ein Vorbild für andere Orte

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Der Trommlerzug stieß sofort auf viel Begeisterung © MKV-Jubiläumsprogramm

Das Vereinsquartett unter dem Dach des MKV hat sich als sinnvolle Lösung erwiesen. „Alle vier Abteilungen sind selbstständig und sehr aktiv“, sagt Christian Wolfert, der Vorsitzende des Musik- und Kulturvereins. Doch nach seinen Angaben gibt es auch viele Gemeinsamkeiten und gegenseitige Unterstützung. Das ist ein ähnlicher Grundgedanke wie bei der „Traubinger Gemeinschaft“, der noch weit mehr Vereine des Dorfs angehören. Sie bilden ein geballtes Engagement, wenn es um größere Veranstaltungen geht, und haben auf diese Weise schon Vieles geschafft, was ein Verein allein nicht bewältigt hätte.

„Es passt wunderbar zusammen“, sagt Peter Stich, der Vorsitzende der Traubinger Gemeinschaft, der 25 Jahre lang selbst Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender des MKV war. Das Jubiläumsprogramm belegt die gute Zusammenarbeit der Vereine. Die Fotogruppe beispielsweise fasst viele der Ereignisse zu einem Kalender fürs nächste Jahr zusammen. Sie ist ohnehin meist bei Vorführungen und Auftritten der anderen Abteilungen dabei, um alles mit Bilden und Filmen zu dokumentieren. Diese Vernetzung nehmen sich mittlerweile auch andere zum Vorbild, so die Machtlfinger.

Sogar aus Schleswig-Holstein kommen Gäste

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Fotogruppe Traubing: Der Einzugsbereich wird immer größer © Fotogruppe Traubing

Längst strahlen die Aktivitäten weit über Traubing hinaus. Für die Kontakte zu Nachbarorten wie Machtlfing und Aschering gilt das ohnehin, zu denen viele Traubinger freundschaftliche Verbindungen pflegen. Aber auch mit anderen Akteuren von auswärts gibt es viele Beziehungen. Oft besuchen sich Menschen mit ähnlichen Interessen gegenseitig. Zum MKV-Festwochenende am 18. und 19. Juli erwarten sie Blaskapellen und Trommlerzüge aus der ganzen Umgebung. Das wird bei einem Gemeinschaftschor ein toller Sound werden. Am Abend werden Freunde aus Schleswig-Holstein, die „Hartenholmer Blaskapelle", im Buttlerhof auftreten.

Die Fotogruppe pflegt enge Kontakte zu anderen Fotoclubs beispielsweise in Starnberg oder Wolfratshausen. Auch viele Akteure aus anderen Orten, von Starnberg über Seeshaupt bis Schongau, haben sich der Fotogruppe angeschlossen, bei der die Traubinger selbst mittlerweile in der Minderheit sind. Ihr Leiter Peter Christ ist selbst ein Starnberger. „Der Einzugsbereich wird immer größer“, sagt er.

Von der Fischerhochzeit bis zum Midgardhaus: Die Traubinger Blaskapelle ist dabei

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Seit Jahren beliebt sind die Konzerte der Traubinger Blaskapelle im Biergarten des Midgardhauses © L.G.

Die Traubinger Blaskapelle - die einzige ihrer Art in der Gemeinde Tutzing - hat in der ganzen Umgebung einen guten Ruf. Bei ihr spielen auch etliche Tutzinger mit, so etwa mehrere Mitglieder der Familie Stöckerl, aber auch viele Machtlfinger, obwohl es auch in Erling eine Blaskapelle gibt. In Tutzing gehört die Traubinger Blaskapelle mit ihren derzeit 32 Mitgliedern in vieler Hinsicht fest dazu, von der Fischerhochzeit bis zu regelmäßigen sommerlichen Auftritten im Biergarten des Midgardhauses, die Fritz Häring organisiert hat, solange er der Chef dieses Restaurants am See war. Die Beliebtheit dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Traubinger neben traditioneller Blasmusik auch bekannte Pop- und Filmhits von Abba und den Beatles über Winnetou bis James Bond im Programm haben. „Wir wissen, was über die letzten 50 Jahre gelaufen ist“, sagt Abteilungsleiter Sebastian Kammermeier. Beim Osterkonzert am 12. und 13. April, das lässt sich heute schon sagen, wird die Post abgehen.

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Die Traubinger Blaskapelle heute © Archiv MKV

Professionelle Unterstützung

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Katerina Jacob und Michael Fleddermann am Rande der Traubinger Theateraufführung im vorigen Jahr © L.G.

Was in den einzelnen MKV-Abteilungen geschieht, hat trotz der durchweg ehrenamtlichen Aktivitäten recht professionellen Charakter. Bei der Theatergruppe engagieren sich Profis wie der bekannte Schauspieler Michael Fleddermann, bei der Blaskapelle fungierte Hans Stautner, der erste Klarinettist des Münchner Gärtnerplatztheaters, als Dirigent, auch Lehrer der Tutzinger Musikschule wie Arthur Lehmann oder Reitinger haben sich immer wieder engagiert. Die 32 Mitglieder der Fotogruppe machen oft durch ihre technisch und künstlerisch herausragenden Kenntnisse von sich reden, die sie in Ausstellungen beispielsweise im Landratsamt oder im Tutzinger Rathaus belegen. Eigene Veranstaltungen werden immer wieder bestimmten Themen gewidmet, so etwa der Porträt- oder der Nachtfotografie.

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Ihr Auftritt wird mit Spannung erwartet: Das diesjährige Ensemble der Traubinger Theatergruppe © Theatergruppe Traubing

Mehr als 50 Stücke hat die Traubinger Theatergruppe seit ihrer Gründung bereits aufgeführt. Mit seinen Leistungen genießt das von Peter Heinzl geleitete Ensemble unter den Heimatbühnen rundherum hohen Respekt. Sichtlich beeindruckt war im vorigen Jahr bei der umjubelten Aufführung des Stücks „Der Pantoffelheld“ die bekannte Schauspielerin Katerina Jacob, die als Partnerin Sabrina Lorenz von Ottfried Fischer im „Bullen von Tölz“ bekannt ist. „Einige der Mitwirkenden sind besser als manche Profis, die ich kenne“, sagte sie. Auf das Stück im Jubiläumsjahr warten viele mit besonderer Spannung, denn es stammt aus der Feder von Klaus Menzinger, der in Tutzing seit Jahrzehnten von einem öffentlichen Amt bekannt ist. Er ist seit Jahren engagiertes Mitglied der Theatergruppe. Den Schwank mit dem Titel „Oh Mai, oh Mai“ hat er schon in den 1990er Jahren geschrieben. Es geht um Anstrengungen, den Fremdenverkehr zu beleben, und um das Dorfleben um den 1. Mai herum. Dabei hat Menzinger manche Anekdoten und Erlebnisse aus dem realen Traubinger Leben verarbeitet. Aber es ist „nichts Verwerfliches dabei“, versichert er. Genauso könne die Geschichte irgendwo anders spielen, so etwa in Niederbayern. Michael Fleddermann kann diesmal nicht mitmachen. Er hat Menzinger ermuntert, von dessen Stück er wusste - und der Autor übernimmt nun auch die Spielleitung.

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Feierlicher Start ins Jubiläumsjahr

Quelle Titelbild: MKV-Archiv
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