Der Zustand des Bahnhofs nervt viele Menschen in Tutzing. Von einer „Schande für Tutzing“ hat kürzlich eine Besucherin der Bürgerversammlung gesprochen, ein anderer Besucher gar von einem „stinkenden Drecksloch“. Die Anbringung von Kameras wurde angeregt, um verfolgen zu können, wer für Verschmutzungen und Verschandelungen verantwortlich ist. Jemand wies auf eine bereits vorhandene Videoanlage hin, fragte aber zweifelnd, ob die Aufzeichnungen überhaupt angeschaut würden.
Da meldete sich ein weiterer Besucher zu Wort, der offenbar bei der Bahn tätig ist. Solche Bilder würden alle 72 Stunden gelöscht, wenn kein Hinweis gegeben werde, sagte er. Es falle auch nicht in die Zuständigkeit des Bahn-Personals, sich „72 Stunden vor die Kamera zu setzen“. Der Besucher, der auf die Kameras hingewiesen hatte, berichtete, in einer Wohnanlage habe man auf so eine Weise den Schadenverursacher gefunden – aber der weigere sich, den Schaden zu bezahlen. Auch per Gericht sei von ihm nichts zu holen: „Man rennt den Personen lange hinterher, aber oft kommt dabei überhaupt nichts raus.“ Erfolgversprechender wäre eine Welle von Kündigungen aus Tutzing bei den Fahrkarten der Bahn, meinte dieser Besucher.
Bürgermeister Ludwig Horn äußerte sich ebenfalls kritisch über die starken Verschmutzungen und den Vandalismus, gerade bei den Toiletten. In diesem Zustand sei der Bahnhof nicht gerade ein schönes Einfallstor für Tutzing, sagte er. Aber er verwies darauf, dass das Bahnhofsgebäude nicht der Gemeinde Tutzing gehöre, sondern sich im Eigentum der Deutschen Bahn befinde. Seit Jahren sei es der Wunsch der Gemeinde, das Bahnhofsgebäude zu erwerben, aber das habe sie nicht durchsetzen können. Die Gemeinde habe oft schriftlich wegen der Reinigung bei der Bahn angefragt, aber meist keine Antwort erhalten
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Nach Horns Informationen steht fest, dass die Bahn bei den Toiletten nichts unternehmen werde. Im Nahverkehr halte man bei der Bahn Toiletten nicht für erforderlich. „Eine Alternative wäre es, die Toiletten selbst zu reinigen“, sagte er. Dabei stelle sich aber für die Gemeinde sofort die Frage nach einer Abwägung. Es würde sich um eine freiwillige Leistung der Kommune handeln, doch das Geld werde dringend für Pflichtaufgaben benötigt. Eine Besucherin merkte daraufhin an: „Der Jugendbeirat könnte sich doch darum kümmern.“ Oft seien es Schüler, die „alles fallen“ ließen. Auch die Fliesen würden ständig abgeschlagen: „Das ist nicht hinnehmbar.“ Horn erwiderte, dass es bereits viel ehrenamtliches Engagement gebe. Auch Mitglieder des Jugendbeirats und andere junge Leute haben sich schon häufig an Aufräumaktionen in Tutzing beteiligt.
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Kommentare
Das ist nicht "unser Tutzinger" Bahnhof, sondern der Bahnhof des DB Konzerns in Tutzing.
DB und MVV - beides Unternehmen der öffentlichen Hand - machen zwar gern in & mit Tutzing Geschäfte, halten sich aber mit dringend notwendigen Investitionen in den Unterhalt und in die Sanierung der eigenen Anlagen in Tutzing seit Jahrzehnten viel zu sehr zurück!
Das Ergebnis erkennen Einheimische wie auch Gäste auf den 1. Blick.
Das ist der Kern des Problems.
Die DB soll entweder endlich komplett sanieren & nachhaltig Ordnung halten ... oder an die örtliche Gemeinde zu einem vertretbaren Preis verkaufen!
Bei aller einstigen Schönheit, macht das Bahnhofsgebäude auf mich keinen werthaltigen Eindruck mehr. Der Werthaltigkeit der Immobilie scheint mir nur mehr aus dem Bodenwert zu bestehen, abzüglich evtl. Sanierungskosten.
Außerdem ist bei der realistischen Wertermittlung zu berücksichtigen, dass die Immobilie für jeden Käufer nur eingeschränkt nutzbar ist, sofern die Funktion als Bahnhof auch weiterhin erhalten bleiben soll.
Nachtrag I:
Ich kenne kein einziges Geschäft, kein Lokal oder Hotel und auch keinen sonstigen gewerblichen Betrieb, der mit solch optisch abstoßenden und objektiv heruntergewirtschafteten Betriebsräumen auch nur 1 Kunden empfangen würde, als die DB mit so manchen ihrer Bahnhöfe. Beispielsweise der Seebahnhof im benachbarten Starnberg ist ja kein Stück besser. Hier in Tutzing und andernorts nutzt die DB meines Erachtens ihre Stellung im Markt (Personenbeförderung) über alle Grenzen aus.
Nachtrag II:
Ein Wort zu den Buslinien, die am Bahnhof in Tutzing starten & enden:
Da ist es doch auch Aufgabe der Anbieter (es ist wohl RVO Regionalverkehr Oberbayern GmbH?) ihrem fahrenden Personal eine Toilette zur Verfügung zu stellen! Das kann doch nicht ungefragt & unbezahlt einfach bei den Anwohnern bzw. in deren Hecken - im wahrsten Sinne des Wortes - abgeladen werden ???
Wofür haben wir das Arbeitsrecht? Was ist mit der Gewerbeaufsicht? Jeder Arbeitgeber muss doch seinen Mitarbeitern zumindest Toiletten zur Verfügung stellen? Da könnten DB, MVV und RVO kooperieren und sich die Kosten für Reinigung & Unterhalt teilen.
Denn die Schmierei bildet nur die Oberfläche eines im Wesentlichen politischen Problems ab, das tiefer reicht und viel früher einsetzt. Nämlich bei der systematischen Unterfinanzierung der Infrastruktur des ÖPNV, namentlich der Bahn. Seit 2009 wurde diese Politik von drei CSU-Verkehrsministern und seit nun drei Jahren von Herrn Wissing von der FDP mit großer Konsequenz betrieben. Diese vier Herren haben einseitig die Straßenverkehrsinfrastruktur ausgebaut und die Bahn ökonomisch ausgehungert.
Zurück zur entscheidenden Frage. Wer hat also letztlich die Misere der Tutzinger Bahnhofstoilette zu verantworten? Ganz klar, das sind diejenigen Wähler, die sich über 15 Jahre hinweg an der Wahlurne für genau diese Verkehrspolitik entschieden haben. Und denen die weitreichenden gesellschaftlichen Folgen ihrer Wahlentscheidung anscheinend nicht bewusst waren.
Dass es anderen Gemeinden vergleichbarer Größe trotz alledem gelingt, schöne und funktionale Bahnhöfe zu realisieren, zeigt das Beispiel des sogenannten Bürgerbahnhofs in Murnau. Das Gebäude ist nicht nur von außen sehr schön anzusehen. Es enthält einen täglich geöffneten Kiosk, einen angenehmen Aufenhaltsraum, in dem es genug Sitzplätze mit ansprechenden Holzbänken gibt. Und natürlich auch ein breitbandiges WLAN mit guter Abdeckung. Wenn es auf dem Gelände mal riechen sollte, dann nach den würzigen Kräuterwiesen des Murnauer Moos'.
So fragt man sich unweigerlich, warum Tutzing bisher keine vergleichbare Lösung umsetzen konnte. Und landet letztlich wieder beim Wählerwillen.