Energie
30.6.2020
Von vorOrt.news

Solarpark bei Traubing abgelehnt

Keine Chance im Landschaftsschutzgebiet - Planer zeigt sich verärgert

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So eine Anlage war in Traubing vorgesehen © DR Solar GmbH

Neben der Ascheringer Straße bei Traubing befindet sich bereits eine relativ große Fotovoltaik-Anlage. Ein weiterer Solarpark war nun unweit von ihr entfernt geplant. Doch daraus wird wohl nichts: Der Bau- und Ortsplanungsausschuss des Tutzinger Gemeinderats hat das Vorhaben des Münchner Unternehmens DR Solar GmbH in dieser Woche abgelehnt.

Begründet wurde dies vor allem mit dem Landschaftsschutzgebiet, in dem sich das einem Traubinger Landwirt gehörende Areal befindet. Nach Auskunft des Landratsamts Starnberg gebe es keine Möglichkeit, die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt hatte nach Angaben der Gemeinde bereits signalisiert, dass dies nicht genehmigt werden würde. Es gibt zwar „privilegierte“ Vorhaben auch für Landschaftsschutzgebeite, so Einheimischenmodelle, Gewerbegebiete und Windparks. Für Fotovoltaik-Anlagen aber gelte dies nicht, bekräftigte Christian Wolfert, der als Bauamtsleiter die Nachfolge von Klaus Menzinger angetreten hat.

Einsparung von 2000 Tonnen CO2 im Jahr

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Die bestehende Anlage in Traubing, im Hintergrund die Gegend, in der die neue Anlage errichtet werden sollte © L.G.

Der Solarpark sollte bei rund 4000 kWp Leistung auf etwa vier Hektar Bebauung einen Stromertrag von rund vier Millionen Kilowattstunden im Jahr bringen. 1600 Haushalte könnten damit theoretisch versorgt werden, rechnete der Planer vor, wobei er einen durchschnittlichen Verbrauch von 2500 Kilowattstunden je Haushalt zugrundelegte. Etwa 2000 Tonnen CO2 im Jahr könnten damit nach seinen Angaben eingespart werden. Damit trage die Gemeinde zum Klimaschutz bei, denn Fotovoltaik ersetze konventionelle Energiequellen.

Da die Betreibergesellschaft in der Gemeinde Tutzing ansässig sein sollte, hätte diese laut Rechl deren gesamte Gewerbesteuer erhalten. Als wesentlichen Bestandteil des Konzepts bezeichnete er die Einbindung der Bürger in ein solches Projekt. Falls erwünscht werde ein Lehrpfad mit Informationen zur Fotovoltaik errichtet, für Schulklassen und andere Interessierte. Der Boden, auf dem sich die Anlage befinde, werde in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr gedüngt oder sonstigen Maßnahmen unterzogen, deshalb könne er sich in dieser Zeit vollständig biologisch regenerieren.

Verwunderung angesichts der Plädoyers für Energiewende

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Neben der Ascheringer Straße steht seit Jahren diese Fotovoltaik-Anlage © L.G.

Angesichts der vielen Plädoyers für eine Energiewende zeigte sich Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) überrascht über eine solche ablehnende Grundhaltung. Wenn die Chancen so schlecht seien, habe es aber wenig Sinn, über dieses Thema zu diskutieren.

Wirklich kritisch zu der Ablehnung zeigte sich nur Christine Nimbach (Grüne). Geplant sei ja nicht ein Gebäude, sagte sie. Das Konzept sehe Blühwiesen vor, eine negative Einwirkung auf die Natur sei nicht zu befürchten. Sie plädierte dafür, einen Bebauungsplan aufzustellen, auch wenn es die Naturschutzbehörde anders beurteile. Bauamtsleiter Wolfert gab jedoch zu bedenken, einen solchen Bebauungsplan werde man wegen der Stellungnahme der Naturschutzbehörde nicht zu Ende führen können.

Bürgermeisterin Marlene Greinwald sagte dazu: „Fotovoltaikanlagen sind wunderbar für die Energie eines Ortes, aber man sollte nicht die Landschaft zersiedeln.“

Kein Kontakt zum Energiewendeverein

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Das rote Feld markiert die bestehende Fotovoltaik-Anlage. Die neue Anlage war links davon vorgesehen. © geolis.lk-starnberg.de

Der Geschäftsführer des Unternehmens DR Solar GmbH machte nach der Sitzung kein Geheimnis aus seiner Verärgerung. Als Start-Up versuche er im Fotovoltaik-Freiflächen-Bereich „aus Überzeugung etwas nachhaltig zu bewirken“. Die meisten Gemeinden kooperierten jedoch in der Frage einer Genehmigung eines Solarparks nicht, sagte er. Damit werde die Energiewende gelähmt: „Ich hatte mit vielen Gemeinden Kontakt und es entstehen ähnliche Probleme wie in diesem Beispiel.“ Die Begründungen seien meist „absurd“. Auf sein „ganzheitliches Konzept mit einem Lehrpfad und einer Blühwiese“ sei die Gemeinde nicht eingegangen: „Ich denke, es hat sich keiner richtig durchgelesen.“

Kontakt zum hiesigen Energiewendeverein hat Rechl nicht gesucht, wie er auf Frage von vorOrt.news sagte. Die Grenze des Landschaftsschutzgebiets bezeichnete er als „willkürlich“ gewählt. Nach Angaben eines Landschaftsarchitekten, sagte er, hätte man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Befreiung erreichen können.

Nebenan gab es Widerstände von Bauernverband und Bund Naturschutz

Auch bei der bereits bestehenden Fotovoltaikanlage daneben an der Ascheringer Straße hatte es diverse Widerstände gegen eine Erweiterung gegeben, so vom Bayerischen Bauernverband und vom Bund Naturschutz. Beide konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Der Bayerische Bauernverband hatte unter anderem wegen einer „extrem zunehmenden Flächenknappheit für die Landwirtschaft“ Bedenken angemeldet und kritisiert, „dass hierdurch wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen aus der Produktion fallen“. Die landwirtschaftlichen Flächen seien daher ganz besonders knapp. Der Bund Naturschutz hatte Schutz betroffener Biotope gefordert. Die betreffende Fläche sei nicht optimal für eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage. Da sich die Fläche sehr gut für die Gewinnung erneuerbarer Energien eigne, erklärte die Gemeinde, werde dem Erfordernis, diese auszubauen, „der Vorrang gegenüber der Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen gegeben“. Zu den Argumenten des Bunds Naturschutz verwies die Gemeinde auf die Festsetzung einer Ausgleichsfläche, die den Biotop-Verbund verdichte und erweitere.

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Comments

So etwas hinterlässt einen doch wirklich einigermaßen sprachlos.
Die kritische Haltung und die Ablehnung durch mehrere Instanzen ist nachvollziehbar.
Ökostrom und der evtl. „Lehrpfad“ … das klingt erst mal wunderschön.
Aber wie sieht eine solche Solarfarm denn in der Realität aus? Die Fläche wird größtenteils verschattet, viele kleine Fundamente werden in Reih' & Glied gesetzt und überall werden die notwendigen Stromleitungen verlegt. Natürlich muss das Areal zum Schutz von Mensch und Anlage komplett eingezäunt werden, damit keine Kinder beim Herumspielen gefährdet werden und mögliche Vandalen draußen bleiben.
Auch als bekennender Freund der Solarenergie scheinen mir Solarmodule auf bestehenden Dächern sinnvoller zu sein, als auf Wiesen oder auf potentiellen Äckern. Auch auf Tutzinger (und Traubinger) Dächern liegt diesbezüglich bislang noch so manches Potential brach. Gibt es nicht Unternehmen, die statt Wiesen für ihre Solaranlagen Hausdächer anmieten?
Hat Sie das wissenschaftlich gesicherte Faktum nicht erreicht, lieber Herr Rekus, dass wir, namentlich die nachfolgenden Generationen, mit dem Klimawandel ein riesengroßes Problem haben? Ist Ihnen nicht bewusst, dass wir auf alle möglichen Kipp-Punkte zusteuern und die Uhr auf fünf nach zwölf steht? Sie schreiben, als könne angesichts dieser Entwicklung die Welt bleiben, wie sie ist. Das ist das alte Denken, angesichts dessen junge Leute verzweifeln und in ihrer Not Freitags die Schule schwänzen, die jetzt ja ohnehin kaum mehr stattfindet. Die auf dem Papier christlichen Parteien haben in Zusammenarbeit mit der nur noch theoretisch sozialdemokratischen Partei den bemerkenswert erfolgreichen Ausbau der regenerativen Energien durch perfide Blockademanöver fast zum Stillstand gebracht. Vor dem Hintergrund muss es nicht wundern, dass der Gemeinderat, der ebenfalls für die Seilschaften, Feindbilder und Besitzstände der Altvorderen steht, nicht verantwortlich und zukunftsweisend zu entscheiden vermag. Ich finde es erschütternd, wie erbarmungslos unsere Generation ihre Interessen gegebenüber den nachfolgenden Generationen durchpeitscht. Die Ichbezogenheit, die es dafür braucht, spottet jeder Beschreibung.
Sehr geehrter Herr Kerbs, keine Ahnung, was mein Beitrag mit Ihren Vorwürfen tun haben könnte. Vielleicht ein Mißverständnis? Eine Projektion? Egal... Schwamm drüber.
Jeder kann hier selbst nachlesen, was ich geschrieben habe, und was ich keinesfalls geschrieben habe.
In diesen Sinne...
"Die kritische Haltung und die Ablehnung durch mehrere Instanzen ist nachvollziehbar". So schreiben Sie und sprechen dann von verschatteten Flächen, notwendigen Stromleitungen und Zäunen, während es aus den genannten Gründen sehr, sehr schnell eine Energiewende bräuchte. Damit befinden Sie sich ganz präzise auf der Linie des ergrauten Gemeinderats und einer Politikergarde, die erkennbar Schwierigkeiten damit haben, wichtig von unwichtig zu unterscheiden.
(Bearbeitet)
Toll, Sie haben die ersten beiden Absätze meines Beitrages gelesen. Und dann? Haben Sie meinen letzten Absatz auch so aufmerksam gelesen?
Im Übrigen:
→ Ich bin nur ein einfacher Bürger, der hier gelegentlich seine Meinung zu manchen Sachfragen schreibt. Ein demokratisches Grundrecht. Aber ich habe kein Interesse daran, mich mit anderen Mitbürgern auf persönlicher Ebene zu streiten. Das sollten auch Sie bitte respektieren.
→ Ich war und bin kein Mitglied des Tutzinger Gemeinderates. Wenn Sie diesen kritisieren wollen, dann adressieren Sie Ihre Kritik bitte auch ausdrücklich an den Gemeinderat, und nicht an „gewöhnliche“ Bürger wie mich!
→ Wenn Sie etwas für Tutzing, für Bayern, für Deutschland oder für die Welt verändern wollen, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich selbst politisch direkt in den zuständigen Institutionen zu engagieren. Suchen Sie sich die passende Partei oder gründen Sie Ihre eigene Partei oder treten Sie gegebenenfalls als unabhängiger Kandidat an. Bewerben Sie sich für ein politisches Amt. Finden Sie Wähler, die Sie dabei unterstützen und übernehmen Sie dann die Verantwortung für die konkrete Gestaltung der Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft.
(Bearbeitet)
Schade, dass Sie die Debatte genau dann auf die persönliche Ebene bringen, wenn sie inhaltlich interessant wird. Im Bereich der Social-Media und im Rechtspopulismus ist das ein probates Mittel, um sich gekränkt aus der Affäre zu ziehen und dabei noch ein wenig Stimmen des Mitgefühls zu sammeln. Inhaltlich ist es so, dass Sie sich einerseits als Freund der Solarenergie bezeichnen, sich gleichzeitig aber gegen eine sehr wichtige Solarfarm stellen. Sie werden verstehen, dass ich diesen Widerspruch nicht unerwähnt stehen lassen möchte. Legitim ist es, den Gemeinderat und Sie in einen Absatz zu erwähnen, wenn Sie dessen Entscheidung als korrekt bewerten. Schlussendlich glaube ich nicht, dass man nur mit einem Parteibuch in der Hand ein politischer Bürger sein darf, eher im Gegenteil. Denken Sie an Greta Thunberg, die so Vieles in Bewegung gebracht hat; an die daraus entstandene Initiative Fridays for Future, die keinerlei Organisationsform aufweist; und nicht zuletzt an die Montagsdemonstrationen der Vorwendezeit, bei denen relativ wenige eingeschriebene SED-Mitglieder mitmarschiert sein dürften. Die Leipziger haben damals besonds dadurch Verantwortung übernommen, dass Sie sich gegen Rede- und Versammlungsverbote gestellt haben. Lassen Sie uns also auch hier weiter reden und uns gedanklich versammeln, selbst wenn man sich hin und wieder die Haare raufen möchte. Es ist gelebte Demokratie, den Andersdenkenden zu ertragen und mit ihm oder ihr im Gespräch zu bleiben.
Vorsicht! Von Anfang an kommen persönliche Schärfen, absurde, den Sachverhalt verdrehende Andeutungen und Unterstellungen, etc. - nachlesbar - nicht von mir. Auf ein solches Niveau werde ich mich auch weiterhin nicht einlassen.
Ich werde aber die Moderatoren bitten, in diesem Thread mal nach dem Rechten zu sehen; Stichwort Netiquette.
Leben Sie wohl!
(Bearbeitet)
An diesem Ihrem Rückzug aus dem Dialog zeigt sich in prototypischer Weise gleich mehrerlei: 1. Das Thema Klimawandel und die daraus resultierenden Handlungserfordernisse sind zutiefst emotional besetzt. 2. Die Verantwortung der heute Erwachsenen, insbesondere der Älteren für diese Katastrophe macht es schwer, sie ihnen gegenüber zur Sprache zu bringen. 3. Deshalb sind die jungen Leute auch in den Schulstreik getreten. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass das Gespräch beendet ist oder ins Leere läuft, sowie verantwortliches Handeln eingefordert wird. So blieb ihnen nur der Streik. Ich hingegen streike nicht und höre gerne Ihre Argumente.
Was mit dem bisherigen Dialog aus dem Blick geriet, ist der Anlass für meine erste Äußerung, die Ablehnung des Antrags durch den Gemeinderat hinterlasse einen als Bürger einigermaßen sprachlos. Der VorOrt.news-Artikel beschreibt die Zusammenhänge sehr klar, so dass unmittelbar zwei Absurditäten auffallen. Zum einen ist dies die Stellungnahme der Naturschutzbehörde beim Landratsamt, die kafkaesk anmutet: Ein Landschaftsschutzgebiet sei grundsätzlich unantastbar, es könnten nur in Ausnahmefällen Flächen herausgenommen werden, etwa bei Gewerbegebieten (!) oder bei Einheimischenmodellen. Wenn also eine vollständige Bodenversiegelung erfolgt und der Schaden an der Natur maximal ist, dann dürfen Flächen aus Landschaftsschutzgebieten entnommen werden. Nicht gestattet ist dies hingegen für Fotovoltaik-Anlagen, die (neben der CO2-neutralen Stromversorgungen von 1.600 Haushalten) Blühwiesen schaffen, eine Humusboden-Regeneration bewirken und insgesamt ohne nachteilige Naturauswirkungen bleiben. Bitte wie?! Die Regelung des Landratsamtes ist somit komplett widersinnig und reichlich absurd. Drum weist auch der Geschäftsführer der DR Solar GmbH darauf hin, dass man die Entnahme der Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet mit einiger Wahrscheinlichkeit doch durchbekommen hätte. So bleibt schlussendlich nur noch der zweite Irrsinn zu bestaunen: Dass es vor dem Hintergrund wirklich keinen einzigen guten und sachbezogenen Grund für den Gemeinderat gegeben hat, diesen Antrag abzulehnen. Und dennoch entschied der sich so. – Liebe Schüler, ihr werdet wohl noch eine Weile streiken müssen.
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