Der Andechser Hof ist der älteste Gasthof von Tutzing. 1865 wurde er als Schäfflerwirt gegründet. 1874 übernahm Freiherr von Wendland aus Bernried das Anwesen und benannte es um in „Bernrieder Hof“. 1894 wurde ein großer Saal angebaut. 1934 erwarb die Benediktinerabtei St. Bonifaz in München das Gebäude. Später gab es weitere Umbenennungen, erst in „Gasthof zur Post“, dann schließlich in „Andechser Hof“. Über lange Zeit war er quasi Inbegriff des gesellschaftlichen Lebens in Tutzing. Faschingsbälle, Bürgerversammlungen, Hochzeitsfeiern – viele Veranstaltungen haben in seinem Saal stattgefunden. Aber Ende Januar 2012 war Schluss, da beendeten die letzten Pächter ihre Tätigkeit. Unter dem Kloster Andechs, dem damaligen Eigentümer, gab es jahrelang keinen Weiterbetrieb.
Merkwürdiges Verhalten der Denkmalschützer
Zu den vielen Merkwürdigkeiten beim Andechser Hof gehört das Verhalten der Denkmalschützer. Bereits im März 2012, kurz nach dem Auszug der letzten Pächter, regte die damalige Vorsitzende des Tutzinger Fördervereins für Tourismus, Kristina Danschacher, Denkmalschutz für den Andechser Hof an, scheiterte damit aber. Angesichts starker baulicher Veränderungen reiche dessen Bedeutung „unter Zugrundelegung eines bayernweiten Maßstabes“ nicht aus, einen Nachtrag als Baudenkmal zu begründen, erklärte Detlef Knipping, Oberkonservator beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in seiner Antwort vom Oktober 2013. Jahre später unternahmen die Denkmalschützer dann plötzlich eine Kehrtwende: Sie drangen auf einmal doch darauf, "das Bestandsgebäude in seinem Erscheinungsbild zu erhalten". Kehrtwende der Denkmalschützer
In seiner abweisenden Antwort im Jahr 2013 machte Knipping noch einige Angaben zur historischen Entwicklung des Andechser Hofs. So verwies er auf die Erweiterung des Gebäudes im Jahr 1894 durch einen winkelförmig anschließenden Saalanbau mit einer qualitätsvollen bauzeitlichen Kassettendecke, darüberliegenden Fremdenzimmern und Flachsatteldach. Zur Haupterschließung von der Straßenseite aus wurde eine zweiarmige Freitreppe errichtet. Die Lüftlmalerei an der Hauptfassade stammt laut Knipping aus dem Jahr 1954.
2425 Unterschriften für das Ende des Stillstands
Von seiten des damaligen Eigentümers Kloster Andechs gab es in dieser Phase viele Versprechungen und Vertröstungen. Bereits im Mai 2013 hatte Klostersprecher Martin Glaab an: „Wir hoffen, den Andechser Hof binnen Jahresfrist wieder aufmachen zu können.“ Doch aus all diesen Beteuerungen wurde nichts. Anfang Februar 2014 organisierte der Tutzinger Förderverein für Tourismus eine Lichterkette am Andechser Hof unter dem Motto „Damit dem Kloster ein Licht aufgehe“. Fast 400 Teilnehmer wurden gezählt. Auch Pressesprecher Glaab kam dazu. Er berichtete, das Kloster habe im Jahr zuvor einen ernst zu nehmenden Bewerber gehabt, doch die Verhandlungen mit ihm hätten sich ebenso zerschlagen wie die mit zehn weiteren Interessenten. 2014 stellte das Kloster Andechs dem Landkreis Starnberg sein früheres „Motel“ im rückwärtigen Bau auf dem Grundstück als Asylbewerber-Unterkunft zur Verfügung. Das Hauptgebäude vorn an der Straße wurde davon ausgenommen, um die Wiedereröffnung des Lokals vorantreiben zu können.
Die Vorsitzenden aller Tutzinger Gemeinderatsfraktionen wandten sich mit einem Brief an Abt Johannes Eckert vom Kloster Andechs und machten ihm ein Gesprächsangebot. Über die Reaktion berichtete später Heinrich Reiter, der damals Gemeinderat der Freien Wähler war, der „Süddeutschen Zeitung“, die Antwort sei „gleich null“ gewesen: „Es kam nur Nichtssagendes, die reden nicht mit uns.“ In einer von Kristina Danschacher organisierten Unterschriftensammlung "Tutzing braucht den Andechser Hof" erklärten 2425 Personen 2015: "Wir fordern den Abt des Klosters Andechs auf, endlich einen Weg zu finden, den Andechser Hof wieder zu eröffnen. 3 Jahre Stillstand sind genug!"
Das Kloster fragte die Gemeinde nach ihrem Interesse
Christian Rieger, der kaufmännische Leiter der Klosterbrauerei, versicherte im April 2015 bei einem Pressegespräch: „Wir wollen auf keinen Fall, dass da eine Ruine entsteht.“ Zu dieser Zeit erkundigte sich das Kloster Andechs bei der Gemeinde Tutzing nach ihrem Interesse an einer Mitwirkung. Beim damaligen Tutzinger Bürgermeister Rudolf Krug fragte die Klosterbrauerei an, „ob und wenn ja, in wie weit die Gemeinde Tutzing sich ggf. an der Finanzierung oder dem Betrieb der Gaststätte beteiligen möchte, so wie es beispielsweise in ähnlicher Form beim gemeindeeigenen Buttlerhof in Traubing geschieht“.
Auch die Vorsitzenden aller Tutzinger Gemeinderatsfraktionen wandten sich mit einem Brief an Abt Johannes Eckert vom Kloster Andechs und machten ihm ein Gesprächsangebot. Über die Reaktion berichtete später Heinrich Reiter, der damals Gemeinderat der Freien Wähler war, der „Süddeutschen Zeitung“, die Antwort sei „gleich null“ gewesen: „Es kam nur Nichtssagendes, die reden nicht mit uns.“ In dieser Phase zeigte sich ein Investor interessiert an einer Neubelebung des Anwesens. Doch auch daraus wurde nichts.
Weitere Jahre vergingen ohne Ergebnis. 2018 griff das Ehepaar Schuster zu. Das hat Georg Schuster viel Ärger eingebracht. Dem Unternehmer, der seit 2014 dem Gemeinderat angehörte, wurde die Nutzung von Insiderwissen vorgeworfen. Worin dieses Insiderwissen bestehen solle, wisse er nicht, sagt er dazu. Schließlich sei allgemein bekannt gewesen, dass sich das Kloster Andechs von der Tutzinger Wirtschaft trennen wollte. Der Andechser Hof sei für alle erkennbar am Markt gewesen: „Jeder hätte ihn kaufen können.“
Trotz der Vorhaltungen schien sich alles zunächst recht positiv zu entwickeln. Anfang 2019 gab es im Gemeinderat sogar viel Beifall für eine Neuplanung des Andechser Hofs mit einer Wirtschaft, einem Biergarten, Wohnungen, Büros und Praxisräumen. „Ein Entwurf, der Freude macht“ Nun, dachten viele in Tutzing, werde es endlich eine neue Lösung geben.
Doch nach und nach tauchten wieder Probleme auf. Immer wieder seien Einschränkungen gemacht und Änderungen verlangt worden, sagt Georg Schuster. Im April 2021 teilten er und seine Frau öffentlich ihren Rückzug vom Bauvorhaben mit. Eigentümer des Andechser Hofs sind sie geblieben, doch wie es weitergehen wird, steht vorerst weiter in den Sternen.
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