Eine „Urbanisierung“ des Landkreises Starnberg kritisiert die FDP-Kreisvorsitzende Britta Hundesrügge. Bei einem Jahresempfang ihrer Partei, der wegen Corona virtuell abgehalten wurde, mahnte sie: „Wir wollen unseren Charme erhalten und nicht zur Vorstadt von München werden.“ Auf Nachfrage nach der Veranstaltung erwähnte sie auch ein Tutzinger Beispiel: eine Bebauung des Seehof-Grundstücks.
Zu einer kürzlich vorgestellten Plankonzeption für eine Gestaltung des Seehof-Areals bezeichnete es Hundesrügge als wichtig, ein Hotel „landschaftlich schön anzupassen“. Viele neue Gebäude würden funktional, aber nicht schön gestaltet, kritisierte die Gautingerin, die auch dem Gemeinderat ihres Wohnortes und dem Starnberger Kreistag angehört und die Direktkandidatin im hiesigen Wahlkreis für den Bundestag ist. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere Werte ausverkaufen“, warnte sie. Heutzutage müsse alles funktionell sein: „Aber auch das Auge spielt eine Rolle.“
„Wir brauchen eine Architektur, die unserer Region schmeichelt"
Beispielhaft nannte sie beim Empfang auch das Starnberger Hotel „Bayerischer Hof“ in Bahnhofsnähe, das die Stadt, selbst Eigentümer dieser Immobilie, vor wenigen Tagen wegen Einsturzgefahr geschlossen hat. Ein Abbruch gilt als wahrscheinlicher als eine Sanierung. Britta Hundesrügge sprach sich dafür aus, das 1865 erbaute Gebäude als „Kulturstätte“ zu bewahren. Negativbeispiele sind für sie auch zwei aktuelle Projekte in Gauting: der Sontowski-Bau an der Bahnhofstraße und die Planungen für das AOA-Gelände. Typisch seien bei modernen Bauwerken Supermärkte in den Erdgeschossen und oben Wohnen: „Dieses Geschäftsmodell brummt offenbar, aber das braucht keine Gemeinde.“ Investoren zögen zurzeit durch die Lande, sagte die FDP-Kreisvorsitzende. Es sei viel Geld im Markt, der Landkreis Starnberg sei gefragt - und die Gemeinden seien „alle klamm“, sie neigten dazu, „alles Investoren zu geben“.
Auf die Frage, ob eine solche Haltung nicht dem Image der FDP widerspreche, erwiderte sie, dieses Plädoyer sei nicht „der grüne Touch der FDP“. Es gehe darum, den Menschen gerecht zu werden, und dazu gehöre nicht nur die Natur, sondern auch die Kultur: „Unsere Region ist eine Wirtschafts- und Tourismusregion, die es zu erhalten gilt.“ Denn diese Kombination sei in dieser Form in Bayern fast einzigartig. Bei aller Funktionalität dürfe man nicht das Ambiente und den Charme verlieren. Besucher aus Norddeutschland kämen oft mit hohen Erwartungen, wie schön es am Starnberger See sei, und seien dann angesichts vieler Neubauten enttäuscht. Die Herausforderung sieht sie in einer Paarung von Funktionalität und Anmut: „Wir brauchen eine Architektur, die unserer Region schmeichelt.“
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