Seit Jahrzehnten hat sich Gerd Vahsen ins Börsengeschehen eingearbeitet. Dabei hat der gebürtige Würzburger, der seit 16 Jahren in Tutzing lebt, viele Erfahrungen gesammelt und seine ganz eigene Methode entwickelt. Darüber hat der Sohn eines Landwirtschaftsrats und einer evangelischen Religionslehrerin nun, mit 74 Jahren, sein erstes Buch veröffentlicht: „Die Macht der Box“.
Die Box ist für Vahsen das A & O. Sie bildet einen Preisraum mit fester Ober- und Untergrenze. Der Kerngedanke: Nicht die Vorhersage der nächsten Kursbewegung steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wo sich der aktuelle Kurs innerhalb seiner Handelsspanne gerade befindet.
Am unteren Rand sucht Vahsen bevorzugt nach Long-Chancen, am oberen nach Short-Chancen – in der unklaren Mitte dazwischen bleibt er bewusst untätig. Eine Boxkante allein ist für ihn dabei noch kein Signal, erst die Reaktion des Preises darauf entscheidet. Diese Haltung fasst er auch in einem seiner Leitsätze zusammen: „Buy low, sell high – and never diddle in the middle.“ Kaufe billig, verkaufe teuer – aber mach’s bitte nicht in der Mitte.
Vahsens Weg an die Börse begann nach Abitur, Bundeswehr, Kaumannslehre und Betriebswirtschaftsstudium nicht am Schreibtisch, sondern in der Automobilbranche. Er startete bei Mercedes, wechselte später zu BMW und leitete dort zuletzt eine Filiale, bevor er sich selbstständig machte und seine eigene Firma 1997 verkaufte.
„Tutzing gefällt uns ausnehmend gut"
Bevor er nach Tutzing kam, wohnte Vahsen 35 Jahre in München, aber in Tutzing und Umgebung verbrachte er schon seit 50 Jahren die meiste Freizeit. Seiner Mutter als Religionslehrerin und einer Theologin als Schwester war die Evangelische Akademie nicht unbekannt und seinem Bruder als Soziologe und Dekan einer Universität die Akademie für politische Bildung nicht.
„So war Tutzing bei uns zuhause schon ein Thema“, erzählt er. In Bernried hatte er über 40 Jahre Boote, im GC Tutzing begann er vor über 25 Jahren mit Golf. Seine Frau Monika wollte schon immer aufs Land, und für ihn kam nur Tutzing in Frage.
Vor 16 Jahren hat sich das Ehepaar diesen Traum erfüllt, und sie haben es nicht bereut: „Tutzing gefällt uns ausnehmend gut.“ Einmal hat Gerd Vahsen sogar für den Gemeinderat kandiert - und er wurde Nachrücker bei den „Bürgern für Tutzing“.
Monika Vahsen hat eine Weile im Altenheim Garatshausen ehrenamtlich Menschen mit Demenz betreut, ihnen Gesellschaft geleistet, so dass ihre Angehörigen auch mal Zeit hatten, etwas zu unternehmen. Zur Vorbereitung darauf hat sie an Wochenenden einen Kurs besucht.
„Nicht jeder Tag muss ein Handelstag sein“
Die Trennung von seinem eigenen Unternehmen war für Gerd Vahsen ein Einschnitt, der den Eintritt in eine neue Phase+ bedeutete. Er habe verstehen wollen, erinnert er sich, wie Geldanlage und Börse tatsächlich funktionieren. Er besuchte Kurse, las Fachliteratur, tauschte sich mit erfahrenen Anlegern aus und gründete mit anderen einen Aktienclub.
Damals war die Börse noch ein Geschäft am Telefon, nicht am Bildschirm. Vahsen handelte zeitweise so häufig, dass ihm seine Hausbank eine eigene Telefonnebenstelle in der Effektenabteilung einrichtete – eine Zeit, in der Online-Broker und Realtime-Charts für Privatanleger noch keine Selbstverständlichkeit waren.
Das 124 Seiten starke Buch führt vom persönlichen Weg des Autors an die Börse bis zur vollständigen Erläuterung seiner Methode. Dazu gibt es ein Glossar zentraler Begriffe und eine Beschreibung von Marktphasen, in denen bewusst nicht gehandelt werden sollte. Wer schnelles Geld erwartet, wird in „Die Macht der Box“ nicht fündig – und das ist ausdrücklich so gewollt.
Vahsen versteht sein Buch weder als Versprechen schneller Gewinne noch als Anlageberatung. Er stellt die persönliche Handelsweise eines erfahrenen privaten Traders vor. Im Mittelpunkt stehen Disziplin und Geduld: „Nicht jeder Tag muss ein Handelstag sein“, lautet einer seiner Leitsätze. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Vorhersage der nächsten Marktbewegung, sondern die Frage, wo der aktuelle Kurs innerhalb einer klar definierten Struktur steht.
Wer sich für Trading interessiert, findet damit eine Anleitung in allen Zeitebenen: im Daytrading für den schneller Erfolg, aber auch in längeren Zeiteinheiten, in Wochen oder Monaten. Nicht zuletzt kann man dabei auch lernen, wie sich Ruhe und ein klarer Rahmen in ein oft unübersichtliches Geschäft bringen lassen.
„Die Macht der Box“ ist bei Amazon als Taschenbuch und als Kindle-E-Book erhältlich. Bei Amazon steht zudem eine ausführliche Leseprobe zur Verfügung.
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Kommentare
In einem Punkt haben Sie indes recht. Ein einzelner Trade muss nicht zwingend zu Lasten der Gegenpartei gehen. Präziser ist mein Einwand so formuliert: Der Intraday-Händler hält die Aktie nicht lange genug, um an der Wertschöpfung des Unternehmens teilzuhaben; seine einzige Gewinnquelle ist die Kursbewegung. Und in der Summe aller aktiven Marktteilnehmer kann keiner den Markt schlagen, ohne dass ein anderer aktiver Teilnehmer dahinter zurückbleibt. Richtigzustellen ist also: „Relativ zum Markt" liegt ein Nullsummenspiel vor und nach Kosten ein Minussummenspiel.
Sie räumen ein, dass die große Mehrheit mit kurzfristigem Handel dauerhaft verliert, und bestätigen damit meine Aussage. Ihre Bemerkung über die „Leute[,] die Aktien verdammen oder als Teufelszeug [an]sehen" ist allerdings ein rhetorischer Strohmann. Denn niemand hat das in dieser Diskussion auch nur im Ansatz behauptet.
Ihrer Feststellung, Herr Rekus, Finanzbildung gehöre in die Schulen, stimme ich unbedingt zu. Bei solchen Forderungen stellt sich stets die schwierige und selten sinnvoll beantwortete Frage, was stattdessen aus dem Curriculum zu streichen ist. Derweil pflichte ich auch Ihrer Maßgabe bei, dass junge Menschen billige Werbeversprechen erkennen lernen sollen. Dafür sollten sie tatsächlich das Erfolgsrezept des norwegischen Staatsfonds begriffen haben, das Sie selbst auflisten: Zinseszins, Streuung, Kosten, Zeit sowie den so wichtigen Unterschied zwischen Investieren und Spekulieren. Kurzfristiger Handel stünde dann übrigens nicht im Lehrplan, sondern das wäre genau die Versuchung, gegen die das Gelernte die jungen Leute immunisieren sollte.
Ich bin weiterhin gespannt auf die Antwort der Redaktion bezüglich der Kennzeichnung des Beitrags.
-> Beide sehen eine Lücke bei bei der Vermittlung von zeitgemäßen Finanzwissen in unseren Schulen.
Ein zusätzliches Standbein wird für die Altersvorsorge aller Bürger immer wichtiger werden.
Norwegen gibt mit seinem Staatsfonds (Pensionsfonds) ein gutes Beispiel, dem die vormalige Ampelregierung grundsätzlich nacheifern wollte.
Umso mehr sollten die Bürger die Regeln und Mechanismen rund um Kapitalanlagen, ETFs, Aktien, Aktienfonds, Aktienrente usw. erklärt bekommen und verstehen; und die Jugend natürlich erst recht!
Herr Vahsen verfügt offenbar zumindest im Bereich Börsen & Geldanlagen über entsprechendes Wissen & Erfahrung, welche man beim allgemeinen Lehramtsstudium wohl nicht vermittelt bekommt.
Aber vielleicht gäbe es Möglichkeiten zur ehrenamtlichen Kooperation mit unseren Tutzinger Schulen?
Vielleicht Seminare oder Workshops auf freiwilliger Basis?
Nicht zum "anfixen", sondern um nicht jedem billigen Werbeversprechen ausgeliefert zu sein.
Die kritische Auseinandersetzung mit meinem Buch begrüße ich grundsätzlich. Gerade beim Börsenhandel sind Hinweise auf Risiken notwendig. Allerdings sollte eine fundierte Kritik an einem Buch auch voraussetzen, dass man das Buch tatsächlich gelesen hat. Wer lediglich einen Zeitungsbeitrag und ein einzelnes Chartbeispiel beurteilt, kann daraus nur sehr eingeschränkt Rückschlüsse auf Inhalt, Methodik und Risikohinweise des gesamten Buches ziehen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: „Die Macht der Box“ ist kein reines Daytrading-Buch. Die beschriebene Methode ist ausdrücklich nicht auf den Minutenchart oder den Handel innerhalb eines einzigen Börsentages beschränkt. Boxen und klar erkennbare Handelsstrukturen entstehen ebenso im Stunden-, Tages- oder Wochenchart. Der Ansatz richtet sich deshalb an Trader und aktive Anleger, die unterschiedliche Zeiteinheiten handeln – vom kurzfristigen Intraday-Handel bis zu Positionen, die mehrere Tage oder Wochen gehalten werden.Einige Aussagen des Beitrags möchte ich deshalb richtigstellen, weil dort die Darstellung in einem Zeitungsartikel teilweise mit dem Inhalt meines Buches vermischt und die Methode zugleich auf Daytrading reduziert wird.
Zunächst: „Die Macht der Box“ verspricht weder schnelle Gewinne noch eine Rendite von 2,5 oder 3 Prozent pro Tag. Das genannte Beispiel von 250 bis 300 Euro bei 10.000 Euro Einsatz war eine nachträgliche Betrachtung eines konkreten Handelstages. Es sollte veranschaulichen, was an diesem Tag bei mehreren gelungenen Trades theoretisch möglich gewesen wäre und übrigens auch tatsächlich war. Daraus eine dauerhaft erzielbare Tagesrendite abzuleiten, wäre falsch – und wird im Buch an keiner Stelle behauptet.
Besonders wichtig ist mir der Einwand, dass Boxen im Nachhinein leicht zu erkennen seien. Genau darin liegt jedoch ein Missverständnis der beschriebenen Methode: Die Box selbst ist noch kein Handelssignal. Entscheidend ist die Reaktion des Marktes innerhalb der Box und insbesondere an ihren Grenzen.
Die eigentliche Schwierigkeit besteht gerade darin, in Echtzeit zu beurteilen, ob eine Seitwärtsphase Bestand hat, ob ein Ausbruch lediglich ein Fehlausbruch ist oder ob sich tatsächlich ein neuer Trend entwickelt. Genau diese Situationen werden im Buch behandelt.
Das gilt unabhängig von der gewählten Zeiteinheit. Eine Box im 5-Minuten-Chart folgt grundsätzlich derselben Logik wie eine Struktur im Stunden-, Tages- oder Wochenchart. Was sich verändert, sind Haltedauer, Schwankungsbreite, Positionsgröße und Risikomanagement. Die Grundfrage bleibt jedoch dieselbe: Ist die Struktur noch intakt – oder hat sich das Marktverhalten verändert?
Es geht deshalb nicht darum, nach Börsenschluss ein Rechteck um einen Chart zu zeichnen und daraus rückwirkend erfolgreiche Trades abzuleiten. Beurteilt werden vielmehr Marktstruktur, Reaktionen an Unterstützung und Widerstand, Volatilität, Fehlausbrüche und die Frage, ob überhaupt eine handelbare Situation vorliegt.
Ein wesentlicher Bestandteil der Methode ist ausdrücklich die Entscheidung, nicht zu handeln. Trendtage, sehr enge Handelsbereiche oder Situationen, in denen eine Box erkennbar ihre Gültigkeit verliert, gehören zu den Marktphasen, in denen Zurückhaltung erforderlich ist.
Ebenso behandelt das Buch Stop-Loss, Positionsgröße, Risiko je Trade, Spread und den Umgang mit Fehltrades. Der Ansatz lautet also gerade nicht: „Box erkennen, unten kaufen und oben verkaufen.“
Die Einordnung als klassisches Range-Trading beschreibt daher nur einen Teil der Methode und greift zu kurz. Der eigentliche Ansatz des Buches liegt näher am Prinzip der Mean Reversion: Kurse entfernen sich innerhalb einer bestehenden Marktstruktur von einem Gleichgewichtsbereich und tendieren unter bestimmten Voraussetzungen dazu, wieder in diesen Bereich zurückzukehren.
Die Box ist dabei nicht die Strategie selbst, sondern der strukturelle Rahmen, in dem diese Mean-Reversion-Bewegungen beurteilt werden. Unterstützung und Widerstand bilden die äußeren Grenzen. Hinzu kommen Marktstruktur, Kursreaktionen, Volumenbereiche, Fehlausbrüche und weitere Orientierungspunkte.
Der Ansatz besteht deshalb nicht einfach darin, „unten zu kaufen und oben zu verkaufen“. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob an einer Boxkante tatsächlich eine belastbare Rückkehrbewegung in Richtung des Gleichgewichts wahrscheinlich wird – oder ob die bisherige Struktur gerade ihre Gültigkeit verliert.
Genau darin liegt der Zweck des Buches: Mean Reversion nicht als isolierte Idee zu betrachten, sondern sie in eine klar definierte und nachvollziehbare Handelsstruktur zu bringen. Die Box liefert dafür den Rahmen. Das entspricht auch dem Grundgedanken des Buches: „Traden in Strukturen – die Box ist der Rahmen.“
Diese Logik ist nicht auf Daytrading beschränkt. Sie kann grundsätzlich im Minuten-, Stunden-, Tages- oder Wochenchart angewendet werden. Die jeweilige Zeiteinheit verändert Haltedauer, Schwankungsbreite, Positionsgröße und Risikomanagement, nicht aber das zugrunde liegende Prinzip.
Auch die wissenschaftlichen Untersuchungen zu den schlechten Ergebnissen vieler privater Daytrader sind ernst zu nehmen. Sie zeigen zweifellos, dass die große Mehrheit mit kurzfristigem Handel nicht dauerhaft erfolgreich ist. Allerdings sollte man auch diese Untersuchungen vollständig wiedergeben. Häufig zitierte Studien kommen zwar zu dem Ergebnis, dass nur ein sehr kleiner Teil der Daytrader über längere Zeit dauerhaft profitabel bleibt. Sie zeigen zugleich aber auch, dass es eine Gruppe von Tradern gibt, deren überdurchschnittliche Ergebnisse sich wiederholt nachweisen lassen.
Die richtige Schlussfolgerung lautet deshalb nicht, dass erfolgreicher aktiver Handel grundsätzlich unmöglich sei. Sie lautet vielmehr, dass er nur einer Minderheit dauerhaft gelingt und Erfahrung, Methodik, Risikomanagement und Disziplin entscheidende Voraussetzungen sind. Außergewöhnlich hohe Jahresrenditen einzelner erfolgreicher Trader kommen durchaus vor; sie dürfen aber ebenso wenig als allgemeine Renditeerwartung dargestellt werden wie die Verlustquote der Mehrheit als Beweis dafür dienen kann, dass niemand dauerhaft erfolgreich handeln könne.
Hinzu kommt, dass sich „Die Macht der Box“ nicht ausschließlich an Daytrader richtet. Eine Untersuchung über Daytrading kann deshalb ohnehin nicht als wissenschaftlicher Nachweis gegen eine Methode herangezogen werden, die ausdrücklich auch auf Stunden-, Tages- und Wochencharts angewendet werden kann.
Die Forderung nach einem mehrjährigen dokumentierten Track Record wäre selbstverständlich berechtigt, wenn ich eine Vermögensverwaltung anbieten, Anlegergelder verwalten oder eine bestimmte Rendite versprechen würde. Genau das ist jedoch nicht Gegenstand des Buches. „Die Macht der Box“ ist ein Praxisbuch über eine Handelsmethode und kein Anlageprodukt mit Renditeversprechen.
Auch die Darstellung des kurzfristigen Aktienhandels als einfaches Nullsummenspiel greift zu kurz. Käufer und Verkäufer können völlig unterschiedliche Zeithorizonte, Einstiegspreise und Anlageziele besitzen. Dass ein Marktteilnehmer heute eine Aktie mit Gewinn verkauft, bedeutet keineswegs zwangsläufig, dass der Käufer einen entsprechenden Verlust erleidet.
Was schließlich die Frage betrifft, ob der Beitrag der vorOrt.news als „Anzeige“ oder „Werbung“ zu kennzeichnen gewesen wäre, liegt diese Entscheidung allein bei der Redaktion. Auf die redaktionelle Gestaltung, das Redaktionskürzel oder die Kennzeichnung eines journalistischen Beitrags habe ich keinen Einfluss.
Wo ist das Problem ?
Für mein Buch gilt dagegen eine klare Aussage: Es soll keine Gewinnerwartungen verkaufen. Es beschreibt einen strukturierten Handelsansatz einschließlich seiner Risiken, seiner Grenzen und der Marktphasen, in denen gerade kein Trade die richtige Entscheidung ist. Der Kern ist dabei nicht schlichtes Range-Trading, sondern die Anwendung des Mean-Reversion-Prinzips innerhalb einer klar definierten Marktstruktur – und dieser Ansatz ist auf unterschiedliche Zeiteinheiten übertragbar.
Im übrigen richtet sich das Buch auch nicht an Leute die Aktien verdammen oder als Teufelszeug sehen. Aktien sind normale Sachwerte ebenso wie Immobilien. Wer kauft erwirbt damit einen Anteil an einem Unternehmen und da sollte man schon wissen was man tut. Ich teile dazu die Meinung von Frau Eisenmann dass Schulen hier wesentlich mehr zum Verstehen beitragen sollten. Andere Länder sind da viel weiter und stützen ihre Rentenversicherungen auf Unternehmensbeteiligungen.
Die vorOrt.news haben sich selbst klare Regeln gegeben. „Alle Werbungen und Beiträge mit werblichem Charakter werden ausschließlich mit den Begriffen ‚Werbung' oder ‚Anzeige' gekennzeichnet." Bei einer Eisdiele ist die Grenze zwischen Lokalporträt und Werbung fließend, und die Sache ist harmlos. Bei einem Produkt, das Leser zum Handel mit ihrem Ersparten anleitet, gilt ein anderer Maßstab. Von der Redaktion würde ich mir Antworten auf drei Fragen wünschen: Wie ist der Beitrag zustande gekommen? Bestehen zwischen Redaktion und Autor Verbindungen, die die Leser kennen sollten? Und warum trägt ein Text, der mit einem Kaufhinweis endet, nicht die Kennzeichnung „Anzeige"? Wer als langjähriger Wirtschaftsjournalist unter dem Redaktionskürzel veröffentlicht, verleiht einem Buch eine Autorität, die einer Anzeige fehlen würde.
Die „Box" steht für klassisches Range‑Trading, kaufen an der Unterstützung, verkaufen am Widerstand. Das kann man so machen und es wird in jedem Lehrbuch der technischen Analyse beschrieben. Das Problem ist jedoch gar nicht die Methode, sondern ihre Darstellung im Text. Denn im Rückblick sind Boxen natürlich immer sichtbar. So wie der Lufthansa‑Chart, der nach Börsenschluss gezeichnet wurde. Die Schwierigkeit besteht darin, in Echtzeit zu erkennen, ob eine Seitwärtsphase anhält oder gerade in einen Trend übergeht. Wenn letzeres der Fall ist, steht der Range‑Trader auf der falschen Seite, und aus vielen kleinen Gewinnen wird ein großer Verlust. Herr Vahsen weiß das natürlich, sein Buch beschreibt im Artikel Marktphasen, in denen nicht gehandelt werden sollte. Und er betont selbst, dass er keine schnellen Gewinne verspricht. Umso mehr irritiert das Rechenbeispiel, aus dem 2,5 bis 3 Prozent an einem einzigen Tag hervorgehen. Kein seriöser Vermögensverwalter erzielt solche Zahlen über längere Zeit hinweg. Auch wenn sie als „hypothetisch" gekennzeichnet sind, setzen sie beim Leser Erwartungen in Gang, die danach nicht mehr eingefangen werden.
Was dem Text fehlt, sind die wichtigen Hinweise zu Stop‑Loss und Positionsgröße, zu Steuern (Abgeltungsteuer auf jeden realisierten Gewinn), zum Zeitaufwand und vor allem ein dokumentierter Ergebnisnachweis über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg, und zwar nach Kosten. Man wünscht sich einen Track Record anstelle von Anekdoten. Zumal die Forschung in der Frage ziemlich eindeutig ist: In der bislang größten Untersuchung dazu erzielte weniger als ein Prozent der Daytrader dauerhaft Gewinne; eine brasilianische Studie fand, dass 97 Prozent derer, die es länger als ein Jahr versuchten, Geld verloren. Wer ein Buch schreibt, gehört zu den Überlebenden; über die vielen, die aufgegeben haben, erscheint natürlich kein Porträt.
Und betrachtet man die Sache volkswirtschaftlich, nehmen Aktionäre an der Wertschöpfung der Unternehmen teil. Wer jedoch dieselbe Aktie mehrfach am Tag kauft und verkauft, fällt aus der Wertschöpfung heraus, sein Gewinn ist der Verlust eines anderen Marktteilnehmers – abzüglich Gebühren und Steuern. Vor Kosten ist das ein Nullsummenspiel und nach Abzug der Kosten ist es ein Minussummenspiel. Man könnte einwenden, kurzfristiger Handel trage in gewisser Weise zur Liquidität und Preisfindung bei. Nur braucht es dafür aber keine Privatanleger, die ihre Ersparnisse riskieren. – Ein Satz dazu hätte schon in einen Beitrag unter der Rubrik „Wirtschaft" gehört.