Wirtschaft
2.9.2026
Von vorOrt.news

Die Box - eine Börsenmethode aus Tutzing

Gerd Vahsen hat seine jahrzehntelangen Erfahrungen in seinem ersten Buch festgehalten

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Box-Trading in Aktion: Der Chart zeigt am Beispiel der Lufthansa-Aktie gestern Aktivitäten an ein- und demselben Tag - eine "Intraday-Box". Die Aktie ist nicht einfach nur in eine Richtung gelaufen, sondern sie hat mehrmals zwischen einer unteren und einer oberen Preiszone hin- und hergeschwankt. Genau das sei für Box-Trading interessant, sagt Gerd Vahsen: "Vereinfacht gesagt wird unten in der Box gekauft und oben wieder verkauft." Danach fiel der Kurs erneut zurück, sodass sich dieselbe Chance mehrfach ergeben konnte: "Man musste nicht vorhersagen, ob Lufthansa insgesamt steigt oder fällt – entscheidend war nur, die wiederkehrenden Bewegungen zwischen Unterstützung und Widerstand zu handeln." Der gestrige Handel war damit für Vahsen ein gutes Beispiel dafür, wie man auch in einem seitwärts laufenden Markt mehrere kleine Gewinne erzielen kann. Bei 10 000 Euro ungehebeltem Kapitaleinsatz wären gestern nach seinen Angaben etwa 250 Euro bis 300 Euro ein sehr gutes und durchaus realistisches Tagesergebnis gewesen, wenn man mehrere der sauberen Boxbewegungen erwischt hätte.

Seit Jahrzehnten hat sich Gerd Vahsen ins Börsengeschehen eingearbeitet. Dabei hat der gebürtige Würzburger, der seit 16 Jahren in Tutzing lebt, viele Erfahrungen gesammelt und seine ganz eigene Methode entwickelt. Darüber hat der Sohn eines Landwirtschaftsrats und einer evangelischen Religionslehrerin nun, mit 74 Jahren, sein erstes Buch veröffentlicht: „Die Macht der Box“.

Die Box ist für Vahsen das A & O. Sie bildet einen Preisraum mit fester Ober- und Untergrenze. Der Kerngedanke: Nicht die Vorhersage der nächsten Kursbewegung steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wo sich der aktuelle Kurs innerhalb seiner Handelsspanne gerade befindet.

Am unteren Rand sucht Vahsen bevorzugt nach Long-Chancen, am oberen nach Short-Chancen – in der unklaren Mitte dazwischen bleibt er bewusst untätig. Eine Boxkante allein ist für ihn dabei noch kein Signal, erst die Reaktion des Preises darauf entscheidet. Diese Haltung fasst er auch in einem seiner Leitsätze zusammen: „Buy low, sell high – and never diddle in the middle.“ Kaufe billig, verkaufe teuer – aber mach’s bitte nicht in der Mitte.

Vahsens Weg an die Börse begann nach Abitur, Bundeswehr, Kaumannslehre und Betriebswirtschaftsstudium nicht am Schreibtisch, sondern in der Automobilbranche. Er startete bei Mercedes, wechselte später zu BMW und leitete dort zuletzt eine Filiale, bevor er sich selbstständig machte und seine eigene Firma 1997 verkaufte.

„Tutzing gefällt uns ausnehmend gut"

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Gerd Vahsen hat Tutzing schon lange, bevor er in diese Gemeinde zog, geschätzt

Bevor er nach Tutzing kam, wohnte Vahsen 35 Jahre in München, aber in Tutzing und Umgebung verbrachte er schon seit 50 Jahren die meiste Freizeit. Seiner Mutter als Religionslehrerin und einer Theologin als Schwester war die Evangelische Akademie nicht unbekannt und seinem Bruder als Soziologe und Dekan einer Universität die Akademie für politische Bildung nicht.

„So war Tutzing bei uns zuhause schon ein Thema“, erzählt er. In Bernried hatte er über 40 Jahre Boote, im GC Tutzing begann er vor über 25 Jahren mit Golf. Seine Frau Monika wollte schon immer aufs Land, und für ihn kam nur Tutzing in Frage.

Vor 16 Jahren hat sich das Ehepaar diesen Traum erfüllt, und sie haben es nicht bereut: „Tutzing gefällt uns ausnehmend gut.“ Einmal hat Gerd Vahsen sogar für den Gemeinderat kandiert - und er wurde Nachrücker bei den „Bürgern für Tutzing“.

Monika Vahsen hat eine Weile im Altenheim Garatshausen ehrenamtlich Menschen mit Demenz betreut, ihnen Gesellschaft geleistet, so dass ihre Angehörigen auch mal Zeit hatten, etwas zu unternehmen. Zur Vorbereitung darauf hat sie an Wochenenden einen Kurs besucht.

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An mehreren Bildschirmen verfolgt Gerd Vahsen das Geschehen an der Börse genau

„Nicht jeder Tag muss ein Handelstag sein“

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Unten wird gekauft, oben wird verkauft: Seine Erfahrungen mit der "Box" beschreibt Gerd Vahsen in seinem Buch © Fotos: Vahsen / L.G.

Die Trennung von seinem eigenen Unternehmen war für Gerd Vahsen ein Einschnitt, der den Eintritt in eine neue Phase+ bedeutete. Er habe verstehen wollen, erinnert er sich, wie Geldanlage und Börse tatsächlich funktionieren. Er besuchte Kurse, las Fachliteratur, tauschte sich mit erfahrenen Anlegern aus und gründete mit anderen einen Aktienclub.

Damals war die Börse noch ein Geschäft am Telefon, nicht am Bildschirm. Vahsen handelte zeitweise so häufig, dass ihm seine Hausbank eine eigene Telefonnebenstelle in der Effektenabteilung einrichtete – eine Zeit, in der Online-Broker und Realtime-Charts für Privatanleger noch keine Selbstverständlichkeit waren.

Das 124 Seiten starke Buch führt vom persönlichen Weg des Autors an die Börse bis zur vollständigen Erläuterung seiner Methode. Dazu gibt es ein Glossar zentraler Begriffe und eine Beschreibung von Marktphasen, in denen bewusst nicht gehandelt werden sollte. Wer schnelles Geld erwartet, wird in „Die Macht der Box“ nicht fündig – und das ist ausdrücklich so gewollt.

Vahsen versteht sein Buch weder als Versprechen schneller Gewinne noch als Anlageberatung. Er stellt die persönliche Handelsweise eines erfahrenen privaten Traders vor. Im Mittelpunkt stehen Disziplin und Geduld: „Nicht jeder Tag muss ein Handelstag sein“, lautet einer seiner Leitsätze. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Vorhersage der nächsten Marktbewegung, sondern die Frage, wo der aktuelle Kurs innerhalb einer klar definierten Struktur steht.

Wer sich für Trading interessiert, findet damit eine Anleitung in allen Zeitebenen: im Daytrading für den schneller Erfolg, aber auch in längeren Zeiteinheiten, in Wochen oder Monaten. Nicht zuletzt kann man dabei auch lernen, wie sich Ruhe und ein klarer Rahmen in ein oft unübersichtliches Geschäft bringen lassen.

„Die Macht der Box“ ist bei Amazon als Taschenbuch und als Kindle-E-Book erhältlich. Bei Amazon steht zudem eine ausführliche Leseprobe zur Verfügung.

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