Wer in Herrsching oder Andechs den Briefkasten öffnet, hält Post in der Hand, die ihren Tag in Traubing begonnen hat. Seit Mai bündelt die Deutsche Post im Brombergweg 11 die Zustellung für gleich fünf Kommunen: Herrsching, Andechs, Pöcking, Feldafing und Tutzing. Ab die Post in Traubing Von diesem Tutzinger Ortsteil aus wird ein Gebiet versorgt, das vom Westufer des Starnberger Sees bis an den Ammersee reicht - rund 20 000 Haushalte. Wöchentlich gehen mehr als 107 000 Briefe, Postkarten, Werbesendungen, Päckchen und Pakete über den Standort. 52 voll- und teilzeitbeschäftigte Zustellerinnen und Zusteller sind von Traubing aus in 33 sogenannten Verbundtouren unterwegs – Briefe und Pakete werden also gemeinsam ausgefahren.
32 Ladesäulen und 20 Elektrofahrzeuge
Der Stützpunkt ist eine Vorbereitungsstation: Der größte Teil der Briefe kommt morgens bereits in der Gangfolge der jeweiligen Tour aus dem Briefzentrum, nur kleinere Mengen müssen noch von Hand in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Die Päckchen und Pakete treffen mit mehreren Lastwagen aus dem Paketzentrum ein und werden tourengerecht in die Fahrzeuge geladen, bevor die Leute von der Post Montag bis Samstag zu ihren Runden aufbrechen. Bundesweit gibt es rund 2600 solcher Zustellstützpunkte, etwa 760 davon in Bayern. Traubing ist einer von 72 in der Münchner Niederlassung.
Nach Angaben der DHL Group, zu der die Deutsche Post gehört, ist der Traubinger Zustellstützpunkt als CO₂-neutraler Standort angelegt. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom, geheizt wird mit einer Wärmepumpe und Fußbodenheizung, eine Gebäudeautomation steuert Energie- und Temperaturdaten zentral. Überladebrücken erlauben die Anlieferung mit Anhängern, was Transportfahrten spart. 32 Ladesäulen und 20 Elektrofahrzeuge stehen bereit. Konzernweit ist die DHL Group mit mehr als 38 500 Elektrofahrzeugen nach eigenen Angaben der größte Betreiber einer E-Flotte in Europa. Bis 2030 sollen 60 Prozent der Lieferfahrzeuge auf der letzten Meile elektrisch fahren.
Die Briefmengen sinken, das Paketgeschäft wächst
Der neue Stützpunkt der Post in Traubing wurde inmitten der größten Umbauphase in der Geschichte des Unternehmens eröffnet. Die Briefmengen sinken, das Paketgeschäft wächst – und beides wird schwerer planbar, etwa wenn große Onlinehändler kurzfristig Rabattaktionen starten. Feste Zustellbezirke mit Stammzustellern gibt es deshalb nicht mehr, und der Anteil der Verbundzustellung soll bis 2030 von derzeit rund 70 auf 90 Prozent steigen. Auch das seit Januar 2025 geltende Postgesetz wirkt sich aus: Vorgeschrieben ist, dass 95 Prozent der Briefe spätestens am dritten und 99 Prozent am vierten Werktag nach der Einlieferung zugestellt sind. Weil Sendungen dadurch stärker gebündelt werden, kann die Hauspost mitunter „schwallartig" ankommen, wie es die Post selbst formuliert – in der Regel werde aber weiterhin bis zum zweiten Werktag zugestellt.
Blumenerde auf dem Rücken der Zusteller
Über eine von der Post angestrebte Änderung werden sich etliche der Beschäftigten in Traubing freuen: eine Gewichtsgrenze von 23 Kilogramm für Pakete. Derzeit dürfen Sendungen bis zu 31,5 Kilo wiegen. Katzenstreu oder Blumenerde bequem nach Hause liefern zu lassen, sei nachvollziehbar – es solle aber nicht auf den Rücken der Zustellerinnen und Zusteller ausgetragen werden. Wettbewerber scheinen das ganz anders zu sehen. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik e. V. (BPEX), die Interessenvertretung von Kurier-, Express- und Paketdiensten wie Hermes, DPD und GLS, hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa eine Reduzierung der geltenden 31,5-Kilo-Grenze abgelehnt – unter Hinweis auf akuten Personalmangel und mögliche CO₂‑Mehrausstöße durch Extra-Touren. Stattdessen plädiert der Verband für den Einsatz professioneller Paketkarren. Bei der Post hält man entgegen: „Jeder, der schon mal bis zu 31,5 kg schwere Pakete mehrere Treppen hochtragen musste, weiß, dass das auf Dauer zu schwer ist.“

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