Kurz vor Beginn der neuen Gemeinderats-Periode am 1. Mai wird eine interessante wirtschaftliche Neuigkeit für Tutzing bekannt: Der bisher in München ansässige Software-Anbieter Innoscripta SE, ein Börsenneuling, verlegt seinen Sitz in diese Gemeinde. Die Aktionäre haben diesem Schritt jetzt auf der Hauptversammlung des Unternehmens zugestimmt. Die Aktien von Innoscripta werden seit einem Jahr im Scale-Segment, einem speziell für Wachstumswerte geschaffenen Bereich im Freiverkehr der Frankfurter Börse, gehandelt.
An der Ansiedlung von Innoscripta in Tutzing wird schon seit einigen Monaten gearbeitet. Bei den Kontakten zwischen den Verantwortlichen des Unternehmens und Tutzing hat Jochen Twiehaus, Gründer und Partner des Architektur- und Ingenieurbüros Pfisterer Twiehaus, eine wichtige Rolle gespielt. Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn hat dies in dieser Zeit unterstützt. Er äußert sich auf Anfrage von vorOrt.news sehr erfreut darüber, dass dies „auch dank weiterer Unterstützung aus dem Ort“, wie er betont, erfolgreich war und dass Innoscripta nun Tutzing als Hauptsitz gewählt hat.
Innoscripta bezeichnet sich in einer eigenen Darstellung als Marktführer für die Beantragung der Forschungszulage. „Mit unserer Software Clusterix und einem interdisziplinären Expertenteam unterstützen wir Unternehmen dabei, Fördermittel für F&E-Projekte zu beantragen und revisionssicher zu dokumentieren“, schreiben die Verantwortlichen auf ihrer Webseite. Viele Unternehmen ließen wertvolle Fördergelder liegen, „nicht aus Mangel an Innovation, sondern wegen bürokratischer Hürden, komplexer Anträge und fehlender Transparenz“. Mit seiner „All-in-One-Lösung“ bringe Innoscripta Ordnung, Sicherheit und digitale Effizienz in die Forschungsförderung. Als Ziel bezeichnet es das Unternehmen, komplexe Förderverfahren greifbar zu machen und Forschungszulage für alle seine Partner zu ermöglichen.
Überlegungen über einen Neubau in Tutzing
Im Gebäudekomplex „Foursite“ an der Tutzinger Bahnhofstraße bezieht die Firma bereits Räumlichkeiten. Nach einer Mitteilung sollen zentrale Funktionen am neuen Hauptsitz gebündelt werden, während operative Bereiche weiterhin in München, Köln und Frankfurt bleiben sollen. Zudem wird von wirtschaftlichen Vorteilen aus steuerlicher Sicht gesprochen.
„Für uns bedeutet jede Gewerbeansiedlung als Gemeinde einen Gewinn“, erklärt Tutzings Bürgermeister Horn, „denn die Gewerbesteuereinnahmen sind der wesentliche Hebel, um unsere Aufgaben, wie die Sanierung von Schulen, Kindergärten und Straßen oder den Teilneubau unseres Feuerwehrhauses, zügig anzugehen.“ Die Größenordnung von Innoscripta verstärke diesen Mehrwert für die Gemeinde Tutzing zusätzlich.
Es soll auch schon Überlegungen über einen Neubau des Unternehmens in Tutzing geben. Als Grundstück käme möglicherweise ein Teil der bisher noch leer stehenden Fläche an der Bahnhofstraße unterhalb des Lobster-Gebäudes in Frage, auf der früher die Unternehmen Boehringer-Mannheim und Roche ansässig waren. Eigentlich war dort ein Hotel vorgesehen, doch bei diesem Projekt gibt es seit Jahren keine Fortschritte.
Horn sieht in der Begleitung der weiteren Entwicklung eine Priorität für die Gemeinde
Tutzings Bürgermeister Horn kündigt an: „Wie wir alle ortsansässigen Unternehmen bei ihrer Entwicklung unterstützen, so wird auch bei Innoscripta die Begleitung der weiteren Entwicklung in unserem Ort für die Gemeinde von Priorität sein.“ Die Vertiefung der Bedarfe und die Umsetzung der Lösungen werde eine der vielschichtigen Aufgaben des neuen Gemeinderates in seiner Wahlperiode ab dem 1. Mai dieses Jahres sein. Horn gibt sich in dieser Hinsicht zuversichtlich: „Ich freue mich sehr, dass wir durch diese Entwicklung die Möglichkeit haben, über diese Themen zu diskutieren und die Stärkung unserer lokalen Wirtschaft aktiv voranzubringen.“
Hauptaktionäre der innoscripta SE sind Michael Hohenester, der das Unternehmen 2012 gegründet hat, und Alexander Meyer. Ein Teil der Aktien befindet sich im Streubesitz sowie bei institutionellen und privaten Investoren. Auf der Hauptversammlung wurde neben der Verlegung des Firmensitzes nach Tutzing die Zahlung einer Dividende von 4 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen. Bei der Börseneinführung lag der Ausgabepreis bei 120 Euro. Seitdem ist der Kurs deutlich gesunken, aktuell wird er mit rund 72 Euro notiert. Börsenanalysten verweisen demgegenüber auf starkes Unternehmenswachstum – 2025 mit fast 60 Prozent Umsatzplus - bei hohen Gewinnmargen, was für Spekulationen interessant sein könne.
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