Wirtschaft
20.1.2026
Von vorOrt.news

Bankfiliale ohne Schränke

Die Münchner Bank ist in Tutzing weitgehend papierlos -Ex-Fernsehmoderatorin an der Spitze

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Bayerische Atmosphäre passt auch zu einer komplett digitalisierten Bankfiliale: Die Kindertanzpaare der Tutzinger Gilde sorgten in den "aufbrezelten" Räumen für beste Stimmung

„Eine Sanierung in wenigen Wochen - davon kann ich nur träumen“, witzelte Bürgermeister Ludwig Horn, als er dieser Tage in der umgebauten Tutzinger Filiale der Münchner Bank zu Gast war. Gelächter war ihm bei dieser Bemerkung sicher: Dass es in dieser Gemeinde auch Baumaßnahmen ganz anderer Dimensionen von der Hauptstraße bis zur Mittelschule gibt, wussten alle mehr als 100 Besucher der Eröffnungsfeier.

Auch die Sanierung der Bankfiliale hat zwar eine Weile gedauert, aber den Verantwortlichen ist der Humor nicht vergangen. Sie haben den Umbau auf weiß-blau gehaltenen Plakaten in gedruckte bayerische Worte gekleidet: „Mia brezeln uns für Sie auf!“ Passend dazu sorgten bei der Eröffnung fünf Kindertanzpaare des Heimat- und Volkstrachtenvereins Tutzinger Gilde gut gelaunt und in prächtiger Kleidung für beste Stimmung und viel Beifall.

Das Gebäude ist noch das selbe, aber ansonsten hat sich Vieles geändert, auch in personeller Hinsicht. An der Spitze steht nun die junge Filialdirektorin Valerie Fischer. Bevor sie im vorigen Jahr zur Münchner Bank kam, war sie in Ostbayern als Moderatorin des Boulevardmagazins „Blitzlicht“ recht bekannt, den der Regensburger Fernsehsender TVA ausstrahlt, und diese Erfahrung sah man ihr an, als sie sich und ihr Tutzinger Team ungezwungen und entspannt vorstellte. Den bisherigen Filialleiter Werner Roan, der weiter mit dabei bleibt, nannte sie „den Fels in der Tutzinger Brandung“. Roan selbst verwies, nach den Gründen für die personelle Neuorganisation gefragt, unter anderem auf persönliche Aspekte, aber auch darauf, dass vier Bankfilialen, die früher miteinander verbunden waren, inzwischen eigenständig agierten, so auch die in Tutzing.

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Charmante Präsentation: Der neuen Filialdirektorin Valerie Fischer (links) war die Erfahrung als Fernsehmoderatorin anzusehen, als sie das Tutzinger Team der Münchner Bank vorstellte - mit Sebastian Mager, Daniela Grunschlik, Werner Roan, Michael Baumann und Jonas Frank (von links)
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Die Vorstandsvorsitzende versichert: "Wir bleiben in Tutzing"

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Etwas Papier kann man manchmal noch sehen, doch das ist eher selten geworden in der Tutzinger Filiale der Münchner Bank. Von den Computern an den Schreibtischen aus werden die Informationen bei Präsentationen direkt auf Bildschirme neben den Tischen übertragen.

Die Tutzinger Filiale ist eine der von der Zentrale der Münchner Bank am weitesten entfernten Niederlassungen. Noch ein wenig weiter weg von der Hauptstelle ist nur die in Bad Tölz. Immer wieder hat es über die Jahre Gerüchte gegeben, nach denen manche andere Bank diese Tutzinger Filiale nur zu gern übernehmen würde. Aber dazu sagte Sandra Bindler, die eigens nach Tutzing gekommene Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank, am Rande der Eröffnung auf Frage von vorort.news klipp und klar: „Wir bleiben in Tutzing.“

Darauf scheint auch der ganze Umbau angelegt zu sein. Alles sieht hochmodern und effizient aus – und alles ist offenkundig auf Digitalisierung ausgelegt. Die Schränke sind verschwunden. Papier und Archivordner mit ihnen. Im Zuge des Umbaus sind die Büroräume neu gestaltet worden. Alle Daten und Informationen werden künftig elektronisch abgerufen und bearbeitet, von Computern an den Schreibtischen aus können sie bei Kundengesprächen direkt auf großen Bildschirmen präsentiert werden. Die alten Unterlagen sind eingescannt worden, sie sind alle per Suchbefehl sofort zu finden. Bei der Neugestaltung ist auch eine Wohnung neu geschaffen worden. Für die Belegschaft scheint die dadurch verkleinerte Bürofläche auszureichen.

Gründung in Tutzing 1897 als "Darlehensverein"

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Wenn in gemütlicher Atmosphäre bei einem Kaffee geschäftlich etwas Positives für Tutzing herauskommt, schaut Bürgermeister Ludwig Horn gern einmal vorbei, kündigte er an. Die Vorstandsvorsitzende Sandra Bindler freute sich sichtlich darüber.

Schon sehr lange ist an dieser Stelle, an der Ecke Hauptstraße/Greinwaldstraße, eine Bank ansässig. Dazu hatten sich die Verantwortlichen Bilder aus dem Buch von Stefanie Knittl „Häuser machen Geschichten“ herausgesucht und vergrößert, um sie bei der Eröffnungsfeier präsentieren zu können. Die Münchner Bank sei die älteste Genossenschaft in Bayern, sagte die Vorstandsvorsitzende, und die Gründung in Tutzing als „Darlehensverein“ gehe auf das Jahr 1897 zurück. 1921 wurde daraus nach ihren Worten die „Genossenschaftsbank Tutzing“, später folgten die Fusionen mit der Raiffeisenbank Tutzing und der Münchner Bank.

Immer sei dabei der genossenschaftliche Gedanke wesentlich gewesen, bis heute, sagte Sandra Bindler. Diese Bank gehöre ihren Mitgliedern. „Auch bei uns gibt es tolle Apps, auch bei uns kann man in Sekunden Wertpapiere kaufen“, ergänzte sie, "aber bei uns gibt es auch immer einen Menschen.“ Banken sollten auch Treffpunkte sein, fügte sie hinzu. Im besten Fall sollten sie als Kontaktbörse fungieren, in ihren Räumen soll man gern zusammenkommen.

Auch Unternehmer aus dem Ort sollen so zusammengebracht werden, wie die Bankchefin betonte. Am besten sollen so neue geschäftliche Initiativen entstehen, sinnvollerweise in gemütlicher Atmosphäre. Man könne immer einen Kaffee bekommen, fügte sie hinzu, und Bürgermeister Horn bemerkte, er werde gern mal vorbeikommen.

Wie Wertschöpfung in Tutzing gelingen kann

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Vielleicht nicht immer wundersame Geldvermehrung, aber viel Zwischenmenschlichkeit: Darauf freuen sich Pfarrerin Beate Frankenberger und Pfarrer Peter Seidel © Fotos: L.G.

Allzu große Hoffnungen in Hinblick auf finanzielle Höhenflüge dämpfte angesichts all dieser lockenden Worte Tutzings evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger, die die neuen Räume gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer Peter Seidel segnete. Mit der „wundersamen Geldvermehrung“ werde es wohl nicht immer gleich funktionieren: „Das mit der Brotvermehrung hat auch nur einmal geklappt.“ Doch gerade in Zeiten, in denen man bis hin zu Weltpolitik den Eindruck habe, jeder sei sich selbst der Nächste, sei es ein schönes Zeichen, dass Zwischenmenschlichkeit gefragt sei und man das Bewusstsein haben könne, nicht alles allein schaffen zu müssen. „So funktioniert es, wenn man Wertschöpfung hier behalten möchte“, kommentierte Bürgermeister Horn: „Daran bin ich sehr interessiert.“ Gerade an der Tutzinger Hauptstraße sei es beispielsweise wichtig, dass es viele verschiedene Geschäfte gebe.

Die Planer des Umbaus sind zwar keine Tutzinger, sondern Südtiroler: das in Bozen ansässige Unternehmen Dreika. Aber das ändert nach Überzeugung von Sandra Bindler nichts an der herausgestellten Bedeutung der regionalen Vernetzung. So habe die Bank beim Umbau auch mehrere Tutzinger Firmen beauftragt. Auf die Designplanung von Banken spezialisiert seien aber nur wenige Unternehmen, so die Südtiroler, die noch dazu ausschließlich für Genossenschaftsbanken tätig sind, wie ihr Münchner Verkaufsdirektor Ulrich Pechlaner erzählte. „Jede Filiale der Bank schaut etwas anders aus“, sagte die Vorstandsvorsitzende. In Tutzing ist die lokale Optik unübersehbar: Ein Bild vom Starnberger See füllt eine ganze Wand.

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