Das Unternehmen Lobster hat in Tutzing viele Erwartungen geweckt. Der Neubau seiner großen Firmenzentrale auf dem ehemaligen Gelände von Boehringer-Mannheim und Roche ist mit Hoffnungen auf erhebliche künftige Gewerbesteuereinnahmen verbunden worden. Aber wie sieht es damit aus, wenn Lobster nun verkauft wird? Kürzlich ist bekannt geworden, dass das norwegische Unternehmen FSN Capital Partners die Kapitalmehrheit des Software-Spezialisten übernehmen will. Norweger wollen bei Lobster einsteigen Diese Pläne haben sofort zu Fragen geführt, wohin künftig die Gewerbesteuerzahlungen von Lobster fließen werden. Das hat Firmenchef Dr. Martin Fischer auf eine entsprechende Frage offen gelassen. „Dazu gibt es leider noch keine Antwort“, teilte er mit.
Normalerweise muss eine Firma die Gewerbesteuer an die Kommune zahlen, in der sie ihren Sitz hat. Doch nach Urteilen der Finanzgerichte ist auch eine Aufteilung der Gewerbesteuer auf verschiedene Kommunen möglich, in denen die betreffende Firma Betriebsstätten unterhält. Lobster hatte bisher in Pöcking seinen Sitz. Das hatte Gründe: In der Gemeinde Pöcking beträgt der Hebesatz der Gewerbesteuer nur 240 Prozent. In Tutzing ist dieser Wert deutlich höher, nämlich 300 Prozent. Der Hebesatz ist ein Faktor, der mit dem so genannten Steuermessbetrag multipliziert wird. Eine Kommune kann den Hebesatz selbst bestimmen, er muss bei der Gewerbesteuer aber mindestens 200 Prozent betragen.
Bei der Attraktivität einer Gemeinde für Gewerbeansiedlungen ist der Gewerbesteuer-Hebesatz ein wichtiger Faktor. Ein niedriger Hebesatz kann sich für ein Unternehmen deutlich bemerkbar machen - seine Gewerbesteuerzahlung kann dann wesentlich niedriger ausfallen, umgekehrt führt ein höherer Hebesatz zu höheren Gewerbesteuerzahlungen. Die Unterschiede sind teils beträchtlich. So verlangt die Stadt München 490 Prozent. Was aus Sicht einer Kommune sinnvoller ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Die Befürworter eines höheren Hebesatzes argumentieren gern, sie seien ja an höheren, nicht an niedrigeren Gewerbesteuereinnahmen interessiert. Die Befürworter eines niedrigeren Hebesatzes hoffen ebenfalls auf höhere Gewerbesteuereinnahmen – mit dem Argument, die Aussicht auf niedrigere Steuerzahlungen werde mehr Unternehmen anlocken, die dann in der Summe trotz des geringeren Hebesatzes mehr Gewerbesteuer in die Gemeindekasse bringen würden.
Grünwald: Niedriger Hebesatz - hohe Gewerbesteuereinnahmen
Für Gesprächsstoff sorgt im Münchner Umkreis immer wieder Grünwald wegen seines niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatzes von 240 Prozent. Die Gemeinde führt es auf diesen geringen Satz zurück, dass ihre Gewerbesteuereinnahmen förmlich sprudeln. Im Jahr 2021 haben sie die ansehnliche Summe von 236 Millionen Euro erreicht. Auch die über Jahre auffallend hohen Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde Pöcking, die zum großen Teil von dem - mittlerweile nicht mehr in Pöcking ansässigen - Leasingunternehmen LHI stammten, sind besonders auf den dortigen niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatz von 240 Prozent zurückgeführt worden.
In Tutzing lagen die Gewerbesteuereinnahmen in den vergangenen Jahren in der vergleichweise bescheidenen Größenordnung von 4 Millionen oder 5 Millionen Euro (siehe Tabelle). Sie sind zeitweise gestiegen, so wegen Zahlungen durch das Unternehmen W.A.F., das sich in Kampberg angesiedelt und seine Firmenräume dort mittlerweile erweitert hat. Chancen für weitere Erhöhungen der Gewerbesteuereinnahmen werden in weiteren Firmen gesehen, so denen auf dem früheren Roche-Gelände. Das ist aber auch von anderen Einflüssen abhängig, wie aktuell die noch offene Lage beim Unternehmen Lobster zeigt. Ein großer Teil seiner insgesamt rund 280 Mitarbeiter ist inzwischen in Tutzing tätig, und auch die Summe der Arbeitslöhne kann ein wesentlicher Maßstab für die Gewerbesteuerzahlung sein. Nachdem die Verkaufspläne bekannt geworden sind, hat Firmenchef Fischer versichert, Lobster werde weiterhin in Tutzing bleiben. Der Kaufinteressent FSN ist nach seinen Angaben nicht an dem Gebäude auf dem ehemaligen Roche-Areal beteiligt. Eine Mindestlaufzeit des Mietvertrags dient laut Fischer der Absicherung des Standorts.

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