„Nach der Abweisung der Klage wird der Ausbau der B2 zwischen Pähl und Wilzhofen sicher kommen“: So steht es in einem Flyer der Bürgerinitiative „B2 Ausbau Oberland". Sie veranstaltet dennoch am Samstag dieser Woche, dem 26. September, direkt an der Baustelle eine Demonstration mit einer Infoveranstaltung. Am Samstag Demonstration an der B2 Warum dieses weitere Engagement trotz der längst laufenden Bauarbeiten – das erklärt Astrid Schamper, die Sprecherin der Bürgerinitiative, im Interview mit vorOrt.news.
Der Ausbau der B2 zwischen Pähl und Wilzhofen ist offenbar nur ein Puzzleteil - es geht um eine Schnellstraße zwischen München und Garmisch. Warum, wenn es doch die Autobahn gibt?
Astrid Schamper: Nach einer aktuellen Pendlerstrom-Studie für den Landkreis Weilheim pendeln rund 8000 Menschen von dort Richtung München. Nur etwa 20 Prozent davon nutzten regelmäßig die Bahn – der Rest fährt mit dem Auto, obwohl die Autobahn in erreichbarer Nähe liegt. Der Grund ist, dass die Pendlerzüge zu den Hauptverkehrszeiten chronisch überlastet und unzuverlässig sind. Die Bahnstrecke zwischen Pähl und Weilheim zum Beispiel muss gerade saniert werden, weil Biber den Bahndamm untergraben und dadurch instabil gemacht haben. Eine dortige Brücke braucht zusätzlich ein eigenes Planfeststellungsverfahren. Straßenbau und Bahnausbau laufen als unkoordinierte Parallelprojekte verschiedener Behörden, und je unattraktiver die Bahn bleibt, desto mehr Leute weichen aufs Auto aus. Ein zusätzlicher Fahrstreifen ändert daran nichts, sondern zieht eher noch mehr Verkehr an.
Gibt es einen Gesamtplan München–Garmisch, oder sind das lauter Einzelprojekte?
Astrid Schamper:Das habe ich selbst vor Jahren beim Straßenbauamt recherchiert: Die Strecke ist tatsächlich im Bundesverkehrswegeplan als zusammenhängende Ausbaustrecke erfasst. Zuständig ist ein und derselbe Ansprechpartner beim Staatlichen Bauamt für den gesamten Abschnitt zwischen Starnberg und Garmisch-Partenkirchen. Genehmigt und gebaut wird das Ganze aber bewusst in einzelnen, kleinen Bauabschnitten.
Warum?
Astrid Schamper: Das ist Salamitaktik: Je kleiner der einzelne Abschnitt, desto geringer die Einspruchs- und Klagemöglichkeiten für Betroffene, weil jedes Teilstück für sich genehmigungsrechtlich unauffälliger wirkt als ein großes Gesamtprojekt.
"Ziel der Bürgerinitiative ist diesmal, von Anfang an im Verfahren präsent zu sein"
Was ist beim zweiten Bauabschnitt konkret zu erwarten – und was ist das Ziel der Bürgerinitiative?
Astrid Schamper: Der zweite Abschnitt schwenkt Richtung Unterhausen und quert das Gewerbegebiet der Gemeinde Wielenbach - und damit auch das gemeindliche Wasserschutzgebiet. Ein früherer Vorschlag für einen Kreisverkehr an anderer Stelle ist genau diesem Grund - Lage im Wasserschutzgebiet - verworfen worden. Formal befindet sich der zweite Abschnitt noch im Entwurfsstadium. Die offizielle Bürgerbeteiligung – auch mit der Anhörung der "Träger öffentlicher Belange" - beginnt erst mit der öffentlichen Auslegung des Plans. Ziel der Bürgerinitiative ist diesmal, von Anfang an im Verfahren präsent zu sein und frühzeitig Menschen zu mobilisieren, die fristgerecht Einsprüche einlegen – anders als beim ersten Abschnitt. Der damalige Gemeinderat hat sich vom Straßenbauamt überrumpeln lassen.
Welches Ziel hat die Demo, wenn der Ausbau ohnehin kaum zu stoppen ist?
Astrid Schamper: Der erste Bauabschnitt gilt als politisch entschieden und rechtlich nicht mehr aufzuhalten – das war unserer Bürgerinitiative von Anfang an mit rund 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit bewusst. Es war nie das Ziel, das Projekt als Ganzes zu kippen, sondern erstens überhaupt wieder ins Gespräch mit den Verantwortlichen zu kommen und zweitens beim zweiten, aus meiner Sicht viel gravierenderen" Abschnitt – wegen Wasserschutzgebiet und Gewerbegebiet - frühzeitig Druck aufzubauen, damit dort genauer hingeschaut wird. Immerhin hat die Klage der Gemeinde den ersten Abschnitt um rund zwei Jahre verzögert. Dazu hat auch eine Petition von uns beigetragen.
Wie kam es zu dieser Petition?
Astrid Schamper: Die Bürgerinitiative hat rund 1800 Unterschriften gesammelt und sie an den bayerischen Verkehrsminister Bernreiter übergeben. Ziel der Petition war es explizit nicht, das Vorhaben zu stoppen, sondern noch einmal das Gespräch zu suchen. Die Antwort aus dem Ministerium bestand aber im Wesentlichen aus Passagen des bestehenden Planfeststellungsverfahrens, ohne auf die eigentlichen Kernfragen der Bürgerinitiative einzugehen. Bernreiter hat zudem sinngemäß erklärt, Bayern könne wegen der Bundeszuständigkeit für die Bundesstraße nichts ausrichten. Die Bürgerinitiative hat aber im Nachgang Hinweise gefunden, dass der Freistaat durchaus Einspruchsmöglichkeiten hätte.
"Es gibt mehrere Gründe dafür, dass der Bauabschnitt so aufwendig ist"
Warum sind die Kosten so hoch und Erdbewegungen so groß?
Astrid Schamper: Es gibt mehrere Gründe dafür, dass der Bauabschnitt so aufwendig ist: Mehrere Bäche und Gräben, deren teils jahrzehntealte Brückenbauwerke erneuert werden müssen, ein archäologischer Fund - ein altes Trümmerfeld -, der vor Baubeginn untersucht werden musste, eine Gasfernleitung, die verlegt werden muss, eine landwirtschaftliche Unterführung, die wegen der zusätzlichen Fahrspur auf rund 25 Meter Länge vergrößert werden muss. Ursprünglich war im Planfeststellungsverfahren im Jahr 2016 von etwa 17 Millionen Euro Kosten die Rede. Inzwischen wird es wohl deutlich mehr sein.
Was passiert mit den betroffenen Grundstückseigentümern?
Astrid Schamper: Betroffene Eigentümer bekommen im Planfeststellungsverfahren ein Kaufangebot vom Staatlichen Bauamt. Wird es nicht fristgerecht angenommen, droht ein Enteignungsverfahren.
Wie ist das Verhältnis der Bürgerinitiative zur Gemeinde Wielenbach?
Astrid Schamper: Beide ziehen an einem Strang. Bürgermeister und Initiative arbeiteten eng zusammen. Offiziell war es aber die Gemeinde Wielenbach, die gegen den ersten Bauabschnitt geklagt hat, nicht die Bürgerinitiative.
Haben Sie Kontakte zu anderen Kommunen und zu Bürgerinitiativen, etwa in Weilheim?
Astrid Schamper: Eine formale Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen entlang der Strecke gibt es nicht. Die Initiative gegen die Weilheimer Umfahrung, die zu einem erfolgreichen Bürgerentscheid gegen die Umfahrung geführt hat, ist bei der aktuellen Demo nicht beteiligt. Zu Beginn hat die Bürgerinitiative alle Bürgermeister entlang der gesamten Ausbaustrecke kontaktiert und um Unterstützung bzw. eigene Bürgerversammlungen gebeten. Das Interesse war aber durchweg gering. Man verwies dort eher auf den Regionalplan als zuständige Ebene.
Wer unterstützt die Bürgerinitiative konkret?
Astrid Schamper: Der harte Kern umfasst etwa 15 Personen. Bei Aktionen wie Flyer-Verteilung können es bis zu 40 werden. Neue Interessierte – auch aus Tutzing oder anderen Nachbargemeinden – können sich über eine E-Mail-Liste und die Website "b2ausbau-oberland" melden.
Wie kam es zur Gründung der Bürgerinitiative, und wie ist die Demo organisiert?
Astrid Schamper: Ausgangspunkt war eine erste Bürgerversammlung, bei der der Bürgermeister das Vorhaben vorstellte und selbst sichtlich überrascht vom Ausmaß war. Daraus entstand die Initiative. Die erste Demo fand im März 2023 statt, damals kamen spontan rund 400 Menschen. Für die kommende Demo rechne ich eher mit weniger, unter anderem weil am selben Tag in Weilheim das 50-jährige Jubiläum der dortigen Fußgängerzone gefeiert wird. Für Sicherheitsfragen gab es demnach einen Abstimmungstermin mit der Polizei, auch als Vorkehrung für den Fall, dass fremde Gruppen mit eigener Agenda auftauchen sollten.
Was treibt Sie persönlich zu diesem Engagement an?
Astrid Schamper: Ich bin Rentnerin, war zuvor 15 Jahre bei der Deutschen Post beschäftigt, ich war für die Zustellung unter anderem im Raum Herrsching und Raisting zuständig. Davor war ich über viele Jahre als Schneiderin tätig, unter anderem im Kloster in Tutzing für die dortige Ordensgemeinschaft. Inder Lokalpolitik beobachte ich eine Tendenz, Themen einseitig zu diskutieren, ohne die Gegenposition anzuhören. Mir ist wichtig, mit möglichst vielen Seiten im Gespräch zu bleiben, auch mit Politikern anderer Meinung, und Verständnis auch für Pendler zu zeigen, die auf ihr Auto angewiesen sind. In persönlichen Gesprächen wirken Politiker oft, am Ende aber bleiben sie meist bei bestehenden Plänen.
Das Gespräch führte Lorenz Goslich
Webseite der Bürgerinitiative "B2 Ausbau Oberland":
https://b2-ausbau-oberland.de/
Informationsflyer der Bürgerinitiative:
https://b2-ausbau-oberland.de/wp-content/uploads/2022/04/Flyer_B2-Ausbau-Oberland.pdf
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