Verkehr
7.4.2026
Von vorOrt.news

Bikesharing-System „MyRadl“ ohne Tutzing

Ausleihen, fahren, an einer beliebigen Station abgeben: Fünf Kommunen im Landkreis Starnberg machen mit

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In Tutzing wird viel geradelt - aber vorerst nicht mit dem neuen Bikesharing-System "MyRadl" © L.G.

Ein regionales Bikesharing-System „MyRadl“ startet derzeit im Raum des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Nach dem Konzept soll man ein Fahrrad an einer MyRadl-Station ausleihen, dann radeln und an einer beliebigen MyRadl-Station wieder abgeben können. „Dadurch entsteht in der gesamten Region ein attraktives Nahverkehrsangebot, das Bus, Bahn, Rad- und Fußverkehr gut miteinander verknüpft“, erläutert das Landratsamt Starnberg. Geplant sind nach seinen Angaben knapp 1000 Standorte und rund 6800 Fahrräder. Im Landkreis Starnberg sind die Gemeinden Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld und Weßling dem System beigetreten. Die Gemeinde Tutzing ist nicht dabei. Der Tutzinger Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr habe eine Teilnahme abgelehnt, erläutert das Landratsamt auf Nachfrage von vorOrt.news.

Wir haben uns daraufhin bei der Gemeinde Tutzing nach den Gründen dafür erkundigt. Sie verweist unter anderem auf fehlende Erfahrungswerte: „Derzeit liegen noch keine ausreichenden Erfahrungswerte mit dem System in der Region vor, die eine fundierte Bewertung der Erfolgsaussichten und des tatsächlichen Nutzens für Tutzing ermöglicht hätten.“ Weiter gebe es eine mangelnde regionale Vernetzung: Ein wesentlicher Aspekt sei es gewesen, dass die umliegenden Kommunen nicht am System teilnehmen würden. Dadurch wäre keine sinnvolle Verbindung zwischen den Gemeinden entstanden, was die Attraktivität und Funktionalität des Bikesharing-Angebots erheblich eingeschränkt hätte. Schließlich werden hohe Kosten als Grund genannt. Die finanziellen Belastungen für die Gemeinde seien als zu hoch eingeschätzt worden, insbesondere im Verhältnis zum erwarteten Nutzen bei einer isolierten Teilnahme ohne regionale Vernetzung. Dies habe in der Gesamtbetrachtung zu der Entscheidung geführt, zunächst nicht am MyRadl-System teilzunehmen.

Landrat Frey sieht Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs

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Für das neue Bikesharing-System wird mit diesem Logo geworben © Münchner Verkehrs- und Tarifverbund

Als Ergänzung des bestehenden öffentlichen Personennahverkehrs begrüßt demgegenüber der Starnberger Landrat Stefan Frey „MyRadl“. Damit werde die Lücke von der Bus- oder der Bahnhaltestelle zum Wohnort, zum Arbeitsplatz oder einem anderen Ziel im Ort geschlossen, argumentiert er.

Das Bikesharing-System soll nun nach und nach aufgebaut werden. Gleich am Start dabei ist die Gemeinde Gilching, die nach Angaben des Landratsamts in diesem Frühjahr mit drei Stationen und 22 mechanischen Fahrrädern sowie sechs Pedelecs an den Start geht. Im Frühjahr 2027 sollen weitere Gemeinden dazukommen, nämlich Herrsching mit fünf mechanischen Fahrrädern und zehn Pedelecs an zwei Stationen, Seefeld mit sechs mechanischen Fahrrädern und vier Pedelecs an einer Station, Weßling mit 25 mechanischen Fahrrädern an vier Stationen und Gauting mit sechs mechanischen Fahrrädern und zwei Pedelecs an zwei Stationen.

Das Landratsamt sieht in diesem Angebot „einen erheblichen Mehrwert“. Vorteile gebe es nicht nur beim Pendeln zur Arbeit und im Tourismus, sondern auch besonders im Alltag. Die geplanten Stationen orientierten sich entlang der S-Bahnlinien S6 und S8 und ermöglichten durch „gezielte Gegenstationen“ unter anderem direkte Verbindungen in die Gewerbegebiete von Weßling und Gilching.

Gleichzeitig, so das Landratsamt, stehe das Angebot für ein zeitgemäßes Mobilitätsverständnis: unterschiedliche Verkehrsmittel flexibel miteinander zu kombinieren, statt sich dauerhaft festzulegen. Als intelligente Schnittstelle zwischen Fahrrad, Bus und S-Bahn erleichtere das System die Organisation der letzten Meile erheblich und leiste damit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs.

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Kommentare

Wenn man ein bischen über die Erfahrungen - ohne grüne Brille - dazu nachliest kann man das so zusammenfassen:

Bikesharing ist eine nette Idee – solange man es nicht wirklich braucht.
Für Pendler, die morgens und vor allem abends zuverlässig ein Rad benötigen, bleibt es ein Glücksspiel: Mal steht eins da, mal eben nicht.
Mobilität ja – Verlässlichkeit nein. Alles andere sind Werbeaussagen der Betreiber.

Eine interessante Lösung habe ich auch gelesen: Ein eigenes einfaches altes Rad als Backup am Bahnhof stationieren, wenn kein Pedelec da ist.
(Bearbeitet)
Es wäre gut, wenn Kommentare nicht nachträglich bezüglich inhaltlicher Aussagen verändert werden. Sonst kommt es natürlich zu Aussagen im Sinne von "ich habe keineswegs ... bezeichnet, sondern ...".

Herr Rekus stellt die richtige Frage – sie ist nur längst beantwortet. Bikesharing-Systeme kämpfen tatsächlich mit Ungleichgewichten: Pendlerströme bewegen Räder morgens zum Bahnhof, abends zurück. Das ist nicht zufällig, sondern gut vorhersagbar und wird in allen etablierten Systemen durch aktives Rebalancing gelöst. Teils mit Fahrzeugen, teils durch nutzerseitige Anreize. Studien zeigen, dass 70 bis 80 % der Stationen sich über den Tag ohnehin weitgehend selbst ausbalancieren.

Der MVV wird seine Lieferwagenflotte, wenn das nicht schon erfolgt ist, ziemlich schnell elektrifizieren. Wer rechnen kann, fährt allerspätestens bei Dieselpreisen von 2,50 € elektrisch. Einschließlich der LKW-Flotten (https://www.etrucker.io/) wird spätestens seit dem Iran-Krieg elektrifiziert.
Da spricht Herr Vahsen einen wichtigen Punkt an.
Kunde 1 fährt mit dem Leihbike an A nach B.
Kunde 2 fährt auch mit einem Leihbike von B nach C.
Aber wie wird die Leihstation in A wieder aufgefüllt? Eher zufällig - mal ja mal nein - durch Kunde 3 der nach A fährt? Oder organisiert per (Diesel ?) Lieferwagen, der im Hintergrund alle Standorte abfährt und die Bestände abgleicht?

Ergänzend: für touristische Zwecke haben wir meines Wissens in Tutzing bereits Anbieter.
Ich habe keineswegs das System als untauglich bezeichnet, sondern lediglich auf ein zentrales praktisches Problem hingewiesen: die fehlende Verlässlichkeit der Verfügbarkeit. Dass Pendler Wert auf Planbarkeit legen, könnte man allerdings auch als mehr als nur eine „polemische Überdehnung“ interpretieren – eher als schlichte Alltagserfahrung. Schließlich hilft es wenig, wenn ein System theoretisch funktioniert, praktisch aber genau dann Lücken zeigt, wenn man darauf angewiesen ist.
(Bearbeitet)
Sie benennen einen Nachteil von Bikesharing, Herr Vahsen, überdehnen ihn aber polemisch: Denn eine fehlende Garantie ist nicht dasselbe wie Untauglichkeit, sondern allenfalls ein Hinweis darauf, dass ein solches System nicht dieselbe Verlässlichkeit bietet wie ein eigenes oder fest zugeordnetes Rad.
Das System "MyRadl" kann für Berufspendler überhaupt nicht funktionieren.

Das Prinzip: Man leiht ein Rad, fährt zum Bahnhof und stellt es dort ab. Abends benötigt man wieder eines für den Heimweg. Doch da es sich um ein Pool-System handelt, gibt es keine Garantie, dass an der Station tatsächlich ein Fahrrad verfügbar ist. Gerade zu Stoßzeiten entstehen Ungleichgewichte: Viele Räder werden morgens zu den Bahnhöfen gebracht und fehlen dort abends.

Wenn man kein Rad kaufen will wären evt. Leasebikes eine Alternative. Sie sind eher die individuelle Alternative zu Sharing-Systemen wie „MyRadl“: Statt ein verfügbares Rad zu suchen, hat man sein eigenes fest zugeordnetes Fahrrad. Modelle wie JobRad oder Lease a Bike laufen meist über den Arbeitgeber – oft mit Zuschuss oder kompletter Kostenübernahme. Gerade für Pendler ist das deutlich verlässlicher als ein Sharing-System, bei dem abends nicht garantiert ein Rad bereitsteht. Abwicklung auch über den örtlichen Fahrradhändler.
(Bearbeitet)
Herr Wagner, Sie schreiben es selbst: nicht eingelesen. Das merkt man. MyRadl richtet sich nicht an Tutzing-Villenbesitzer mit E-Auto, sondern an Pendler wie Herrn Reitnauer, die zwischen Zug und Bus im Regen stehen. Aber das steht ja im Artikel.

Herr Mieth: Wer ein Fahrrad im Keller hat, muss nirgendwo mehr eines leihen? Das ergibt keinen Sinn. Sharing-Angebote existieren genau für die Momente, in denen das eigene Fahrzeug nicht dabei ist. Das ist der Punkt.

Bikesharing (und nicht E-Scooter) ist keine neue Technologie mehr, zahllose Kommunen nutzen es seit über einem Jahrzehnt, Herr Rekus. Die „Kinderkrankheiten" sind längst überwunden. Und ja, die von CSU-Verkehrsministern über Jahrzehnte hinweg unterfinanzierten ÖPNV-Anbieter haben Probleme, aber das ist kein Argument gegen lokale Ergänzungsangebote, sondern eines dafür.
Ich hatte zwar nicht viel Zeit mich einzulesen - aber wenn ich schaue - kostet das Ausleihen ja auch eine Gebühr ? Und Herr Kerbs - in Tutzing hat man doch das Geld - da fahrt man doch heute mit E-Autschgerl günstig und bei Sauwetter mit‘m Radl bis Traubing - na viel Spaß ….;))

P.S. und ja -früher haben wir das sogar mit einem herkömmlichen Radl ois geschafft
(Bearbeitet)
Im Münchner Originalartikel steht ziemlich unauffällig, dass Kosten nach dem Start der Aktion bekannt gegeben werden.
Trotzdem, was soll es bringen? Umsatz für die Fahrradhersteller, wäre natürlich in derzeitiger Wirtschaftslage zu begrüßen.
Aber, hat nicht jeder von uns schon mindestens ein Fahrrad im Keller stehen? Wer Rad fahren will, tut es bereits.
Ich erinnere an die Erfahrungen die man deutschland- & europaweit erst vor wenigen Jahren mit den verleihbaren E-Scootern machen musste.
Theoretisch eine gute Idee, in der Realität aber oftmals mehr eine Plage, denn ein Segen.
Tutzing muss sich nun wirklich nicht der 1. Reihe unter den Pionieren einreihen; unser Gemeinderat hat gut daran getan, erst mal abzuwarten, bis die neue Branche ihre unvermeidlichen Kinderkrankheiten überwunden hat. Dann kann und wird man auch in Tutzing sicherlich neu darüber entscheiden.

Die erwähnte Anschlussmisere ist doch v.a. ein Problem des MVV (S-Bahn & Buslinien aus einer Hand ... wow!).
Zur Zeit verwendet der MVV offensichtlich zu viel Energie auf's eigene Wachstum in die Fläche, aber zu wenig Energie um seine Dienstleistungs- & Serviceverpflichtungen gegenüber den Kunden mit dem gleichen Elan umzusetzen.

Wer den ÖPNV stärken möchte, sollte nicht allein immer nur über den Autoverkehr lästern, sondern mehr noch den großen Anbietern/Konzernen wie MVV, Deutsche Bahn AG & Co. auf die Finger schauen und zur Pflicht rufen!
Pünktlichkeit, funktionierende Anschlüsse, saubere Bahnhöfe, usw. Alles keine übertriebenen Erwartungen seitens der Kunden (und der Ex-Kunden).
;-)) Dann klappt's auch gleich besser mit dem ÖPNV.
(Meine Meinung)
(Bearbeitet)
Herr Mieth, Sie haben Recht, denn 6,8 Fahrräder retten das Klima wirklich nicht. Das gelingt keiner Einzelmaßnahme. Aber Ihr Argument spricht für mehr solcher Maßnahmen – und nicht gegen sie.

Und ja, „Bikesharing" ist natürlich ein kostenpflichtiges Mietsystem, das ist allgemein bekannt und war nie strittig. Die Unterscheidung hilft hier nicht weiter.

Was hingegen weiterhelfen würde, wäre dies: Nicht auf jede kleine Lösung mit „bringt ja sowieso nichts" zu reagieren. Und dabei zu übersehen, dass genau diese Haltung dafür gesorgt hat, dass wir heute vor riesengroßen Problemen stehen. Für deren Gesamtlösung keine kleine Lösungen mehr ausreicht.
(Bearbeitet)
6,8 Fahrräder bringen uns nicht weiter, ändern auch weder Klima noch die Welt - höchstens die Schrottablagerungen im Starnberger See.
Leihe steht nicht für Miete; Leihe wäre kostenlos ohne vermutete Verantwortung für Eigentum und Sorgsamkeit.
… ganz einfach: Früher beruhte unsere Mobilität auf extrem billiger fossiler Energie, importiert aus Diktaturen. Die Gewinne wurden privatisiert, die Umweltschäden sozialisiert.

Dann begann eine dieser Diktaturen einen Angriffskrieg in Europa – den die Ukrainer heute blutig bezahlen. Eine andere heizt den Nahen Osten an. Und die Klimakatastrophe zeigt uns, was es kostet, 75 % der Energie bei der Verbrennung als Wirkungsgradverlust schlicht zu vergeuden.

Genau deshalb wäre es klug gewesen, wenn der Gemeinderat Alternativen wie MyRadl nicht leichtfertig abgetan hätte. Denn günstige, klimaverträgliche Mobilität ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Wer von den vergangenen wie gegenwärtigen politischen Fehlentscheidungen unberührt bleibt, hat Glück. Normalverdiener haben dieses Glück nicht.

Aus dem gemütlichen „Früher" wurde somit eine Gegenwart, die uns die Rechnung für Jahrzehnte voller kurzsichtiger Entscheidungen eindrücklich präsentiert.
…wie haben wir das früher nur alles schaffen können…
Sehr vernünftig, dem Ort weitere Mobilitätsangebote zu ersparen. Sonst käme womöglich noch die irrige Vorstellung auf, dass nicht jede Alltagsstrecke mit dem eigenen Auto zurückgelegt werden muss. Und wer weiß, wohin es führen würde, wenn die Bürger selbst erleben würden, dass kurze Wege tatsächlich einfacher, günstiger und klimaverträglicher zu bewältigen sind. – Am Ende lebt man plötzlich in einer Gemeinde, in der man auch ohne Auto gut zurechtkommt. Gott behüte.
Liebe Gemeinde; bitte denkt auch mal an die Berufspendler.

Als Berufs-Pendler aus Traubing erlebe ich es regelmäßig, dass der Bus am Bahnhof Tutzing einem direkt vor der Nase wegfährt, weil S-Bahn und Bahn leider meistens nicht pünktlich sind. Wenn das eigene Auto dann nicht auf dem (leider kostenpflichtigen) Parkplatz am Bahnhof wartet, heißt es dann 1h auf den nächsten Bus nach Traubing warten…

Ein Pedelec von MyRadl wäre da eine echte Alternative und würde einem durch den E-Antrieb zudem auch die (aktuell sehr schlecht bis garnicht ausgebaute) Fahrrad-Verbindung nach Traubing erleichtern.

Fehlende Fahrrad-Infrastruktur zu den umliegenden Dörfern, kostenpflichtiger Parkplatz am Bahnhof, unzureichende Bus-Taktung in die Dörfer, fehlendes Alternativ-Angebot wie BikeSharing… man ist leider gerade auf das eigene Auto angewiesen, sehr schade.

Ich verstehe den Punkt, dass es unattraktiv ist, wenn die umliegenden Gemeinden nicht daran teilnehmen, aber bitte auch mal an die Vernetzung innerhalb der Gemeinde denken ;)
(Bearbeitet)